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Der FC Bayern hat mit dem Kolumbianer Luis Díaz seinen Königstransfer gefunden. Während einige Fans hadern, war sein früherer Coach Jürgen Klopp stets voll des Lobes für ihn.
München / Liverpool - Als Luis Díaz im Januar 2022 vom FC Porto nach Liverpool gewechselt war, zeigte sich der damalige LFC-Trainer Jürgen Klopp sofort begeistert von ihm: „Einen Spieler wie ihn habe ich noch nie trainiert.“ Und geriet vollkommen ins Schwärmen: Der kolumbianische Nationalspieler sei „ein unglaublicher Spieler, seine Freude und Liebe für den Fußball kann jeder sehen. Im Training kann er gar nicht aufhören zu lächeln.“
Teurer FCB-Transfer, Teile der Fans kritisch
Beim FC Bayern hofft man nun, baldmöglichst seine Leistungen in München ähnlich feiern zu können. Immerhin zahlt der deutsche Rekordmeister für den Linksaußen die stolze Ablösesumme von 75 Millionen Euro. Der 28-Jährige unterschreibt an der Säbener Straße einen Vertrag bis 2029, sein Jahressalär soll 14 Millionen Euro brutto betragen.
Nicht wenige Bayern-Fans befürchten allerdings einen zweiten „Fall Sadio Mané“, der 2022 - 30-jährig - ebenfalls als Superstar des FC Liverpool kam und nach nur einem - sehr turbulenten - Jahr in die saudische Liga zum Ronaldo-Club al-Nassr weiterzog. Auch wenn es einige Parallelen zwischen den beiden Spielern gibt - Stärken im Eins-gegen-eins und links als bevorzugte Seite -, hinkt der Vergleich insgesamt dennoch.
Vergleich Mané - Díaz hinkt, Senegalese zudem in München im Pech
Als Mané nach München kam, mussten die Bayern ihren jahrelangen Toptorjäger Robert Lewandowski ersetzen, der Senegalese lief zunächst auch durchaus erfolgreich als Mittelstürmer auf, obwohl er bei zahlreichen Abseitstoren teils unglücklich agierte. Anfang November zog er sich eine langwierige Verletzung des Wadenbeinköpfchens zu, weswegen er bei der WM in Katar nicht für sein Heimatland auflaufen konnte. Erst vier Monate später gab er im FCB-Trikot sein Comeback und fand - zunehmend entnervt - nicht mehr zu alter Form zurück.
Díaz ist fast zwei Jahre jünger und soll nach dem Abgang von Leroy Sané auf seiner Lieblingsposition, der linken offensiven Außenbahn, für den FC Bayern auflaufen. Wie Mané ist auch der Kolumbianer außerhalb des Platzes eher zurückhaltend. Er nennt „Bescheidenheit“ als seine größte Stärke, Klopp lobte zudem seinen unbändigen „Erfolgshunger“. Der mittlerweile 64-fache Nationalspieler wisse, „dass du kämpfen musst, um das zu bekommen, was du willst“. So ist sein Kampfname „Lucho“ (“ich kämpfe“) auch keine allzu große Überraschung.
„Lucho“ - der Straßenkicker und Spätstarter aus dem Armenhaus
Díaz war auf dem Fußballplatz ein absoluter Spätstarter, der mit 18 noch spindeldürr war und nicht bei einem professionellen Klub spielte. Er stammt aus La Guajira, Kolumbiens Armenhaus. Dort leiden vor allem die Angehörigen der indigenen Bevölkerungsgruppen wie der Wayúu, aus der auch Díaz stammt, häufig Hunger. Sein Spielstil, hat er einmal gesagt, spiegle „meine Wurzeln“ wider. Barfuß auf holprigem Untergrund eiferte er seinem brasilianischen Vorbild Ronaldinho nach, versuchte, sich seine Technik und Zähigkeit anzueignen.
In Liverpool sofort Trainer- und Fanliebling
2019 wechselte „Lucho“ zum FC Porto, bei der Copa América wurde er 2021 gleichauf mit Lionel Messi Torschützenkönig (je 4 Tore). Im Januar 2022 zog er dann weiter nach Liverpool, wo ihn die Fans schnell in ihr Herz schlossen. Sie widmeten ihm einen eigenen Song zur Melodie von „Bella Ciao“, in dem es heißt, Díaz sei „gekommen, um zu treffen“.
Jürgen Klopp, der Díaz zweieinhalb Jahre als LFC-Chefcoach betreute, über einen seiner Lieblingsspieler: „Er ist ein Naturtalent, ich liebe ihn, absolut. Er ist fußballerisch clever, bewegt sich in den richtigen Räumen, verteidigt schlau, ist torgefährlich, schnell und frech. Ein ganz besonderer Spieler.“
FCB-Fans sollten sich auf Díaz freuen
Vielleicht legt sich bei diesen Lobeshymnen der deutschen Trainerlegende auch etwas die übergroße Skepsis von zahlreichen FCB-Fans. Vincent Kompany wird sich auf alle Fälle auf den Kolumbianer freuen, Klopp beschreibt den perfekten Spielertypen für sein System.
Interessant auch die Information über den Fußball-„Spätstarter“. Das könnte auch bedeuten, dass er deswegen etwas länger auf höchsten Niveau auflaufen kann, weil er weniger „abgenutzt“ ist. Nicht so unwichtig bei der Kritik an der Verpflichtung eines 28 Jahre alten Spielers.
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