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Fußball-Deutschland ist ratlos. Nach der Japan-Pleite ist Hansi Flick nicht mehr Bundestrainer. Aber wer könnte ihn ersetzen? Der Top-Kandidat steht nicht zur Verfügung.
Update vom 10. September, 17.12 Uhr: Nun ist es tatsächlich passiert: Hansi Flick wurde als Bundestrainer entlassen.
Erstmeldung vom 10. September, 12.04 Uhr: Wolfsburg – Quo vadis, DFB? Der deutsche Fußball liegt einmal mehr am Boden. Das 1:4-Desaster gegen Japan lässt den Stuhl von Bundestrainer Hansi Flick noch heftiger wackeln. Er selbst ist weiterhin davon überzeugt, der Richtige für das Amt zu sein. Möglicherweise wird die Partie gegen Frankreich am Dienstag trotzdem schon seine letzte.
| Hans-Dieter „Hansi“ Flick | |
|---|---|
| Geboren: | 24. Februar 1965 (Alter 58 Jahre), Heidelberg |
| Bundestrainer seit: | 1. August 2021 |
| Größte Erfolge: | Sextuple 2020/21 (FC Bayern), Weltmeister 2014 (Co-Trainer Deutschland) |
Bundestrainer-Diskussion in Deutschland: Nur Jürgen Klopp könnte helfen
Aber was kommt dann? TV-Experte Lothar Matthäus zählte den Noch-Bundestrainer nach der Japan-Abreibung bereits an. Neun Monate vor der EM 2024 in Deutschland ist guter Rat teuer. Ja, es gibt ein paar Kandidaten für die mögliche Flick-Nachfolge. Aber so wirklich scheint aktuell keiner zu passen. Der, den gefühlt alle wollen, ist einfach nicht verfügbar: Jürgen Klopp.
Kurios: Klopp war am Tag der DFB-Pleite sogar in Deutschland. Der Trainer des FC Liverpool hatte den 2:0-Testspielsieg seines Ex-Klubs Mainz 05 gegen den MSV Duisburg gesehen – im altehrwürdigen Bruchwegstadion. Anlass war der Abschied der Südtribüne, die im kommenden Jahr abgerissen wird. Dank einer Sondergenehmigung der Stadt Mainz war sie für ein letztes Mal geöffnet worden.
Flick-Nachfolger? Nur ein Bundestrainer könnte den DFB retten – er ist aber unerreichbar
Klopp, der die Mainzer von 2001 bis 2008 trainiert und 2004 erstmals in die Bundesliga geführt hatte, präsentierte sich vor der Partie auf einer Bühne den Anhängern. Selbstredend hatten ihn die Fans an seiner alten Wirkungsstätte lautstark gefeiert.
Sicher würden ihm die Anhänger auch zujubeln, wenn Klopp eines Tages Bundestrainer wäre. Und er selbst betonte immer wieder, dass dieses Szenario nicht ausgeschlossen sei. Aber: Nicht jetzt, im Jahr 2023. Und auch nicht zur Europameisterschaft im eigenen Land.
Jürgen Klopp steht dem DFB nicht zur Verfügung – könnte sich Bundestrainer-Amt aber vorstellen
„Der Nationaltrainer-Job ist und wäre eine große Ehre – das steht völlig außer Frage“, sagte Klopp erst im Juli bei einer Podiumsdiskussion. Aber: „Das Problem, das dem Ganzen entgegensteht, ist meine Loyalität. Ich kann Liverpool jetzt nicht einfach verlassen und sagen, ich übernehme mal ganz kurz Deutschland. Das funktioniert nicht und die Anfrage ist ja auch gar nicht da.“
Möglicherweise hat sich Letzteres in der Zwischenzeit ja schon geändert? Klopps Liverpool-Vertrag läuft noch bis Juni 2026. Im Juli sagte er außerdem über den Bundestrainer-Job: „Wenn ich das irgendwann mal machen soll, dann muss ich auch verfügbar sein und das bin ich aktuell nun einmal nicht. Ich habe ja Verantwortung gegenüber dem Verein. Grundsätzlich ist es ein interessanter Job. Ob ich aber, nachdem ich bei Liverpool aufhöre, nicht etwas völlig anderes mache, weiß ich heute noch gar nicht. Ich möchte mir die Optionen schon offenlassen.“
Jürgen Klopp am Samstag in Mainz – für den DFB aber unerreichbar
Wenige Wochen zuvor hatte auch sein Berater Marc Kosicke bereits Klartext gesprochen: „Jürgen hat einen langfristigen Vertrag beim LFC und der DFB einen Bundestrainer. Von daher ist es für uns gar kein Thema.“
Bitter für Fußball-Deutschland. Denn was die Nationalmannschaft jetzt braucht, ist ein starker Mann, der alle hinter sich vereinen kann: Spieler wie Fans. Klopp kann das wie kein Zweiter. Und obwohl er am Samstag in Mainz zu Gast war, keine 40 Kilometer von der DFB-Zentrale entfernt, ist er für den Deutschen Fußball-Bund aktuell vor allem eines: unerreichbar. (akl)
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