VonIngo Durstewitzschließen
Durch die Dortmunder Finalniederlage steht fest: Die Frankfurter Eintracht spielt „nur“ Europa League.
Auch im Lager von Eintracht Frankfurt herrschte nach der 0:2-Niederlage von Borussia Dortmund im Champions-League-Finale gegen Real Madrid Enttäuschung vor. Kein großer Katzenjammer, aber eben doch eine gewisse Verdrossenheit. Nicht, weil ein deutscher Vertreter hart auf die Bretter geschickt wurde oder die Hessen schon immer ein Herz für den BVB gehabt hätten, sondern weil sie selbst in erheblichem Maß von einem Dortmunder Triumph profitiert hätten.
Es hat sich herumgesprochen: Hätte die Borussia den Henkelpott geholt, hätte die Eintracht nämlich einen von 36 Königsklassestartplätzen kassiert. So wären die Frankfurter durch die Hintertür in die Champions League marschiert – als Tabellensechster des Bundesliga. Doch daraus wird nun nichts. Das letzte Ticket sicherte sich der europäische Meister mit dem besten Koeffizienten aus der Champions-League-Qualifikation: Schachtar Donezk. Für die Eintracht bleibt die Europa League.
Das ist zwar ihr Lieblingswettbewerb, den sie vor zwei Jahren auch sensationell gewinnen konnte, aber die Königsklasse ist halt doch noch mal eine ganz andere Nummer. Sie hätte der Eintracht auf einen Schlag deutlich mehr Freiheiten auf dem Transfermarkt ermöglicht – zum einen durch das Renommee, das der lukrative Wettbewerb mitbringt. Und zum anderen wirtschaftlich: 30 bis 40 Millionen Euro hätte die Eintracht plötzlich mehr gehabt. Haben oder nicht haben. Ob die Eintracht sportlich konkurrenzfähig hätte sein können, steht da auf einem ganz anderen Blatt.
Doch zu ändern ist das nicht mehr, nicht mal der Fußball ist ein Wunschkonzert, und man muss ja auch ehrlich konstatieren: Die Champions League wäre des Guten zu viel gewesen. Die Eintracht hätte sie einfach nicht verdient gehabt, sowohl leistungstechnisch als auch punktemäßig. Noch nie ist ein deutscher Verein mit 47 Zählern in die royale Kaste eingezogen, meistens reicht eine solche Ausbeute nicht mal für die Europa League. Insofern ist es absolut okay, dass die Eintracht nicht dabei ist – dass sie das Geschenk dennoch dankend angenommen und sich dafür nicht zu entschuldigen gebraucht hätte, tut nichts zur Sache.
Doch es ist vielleicht gar nicht so schlecht, organisch in der Europa League zu wachsen, in dem Wettbewerb, in dem sich der Klub zu Hause fühlt und den er in der Vergangenheit bereichert hat. Auch sportlich sollte das eher die Kragenweite der Eintracht sein. Und: Auch die Europa League, die am 30. August ausgelost wird und in der die Eintracht in Topf eins gesetzt ist mit dem sechsthöchsten Koeffizienten aller Teilnehmer, wird ab der neuen Saison modifiziert. 36 Teams treten in einer Liga an, jeder Klub hat acht Spiele gegen unterschiedliche Gegner, vier zu Hause, vier auswärts. Die achte Besten ziehen ins Achtelfinale ein, die Plätze neun bis 24 spielen die übrigen Achtelfinalisten aus. Alle dahinter platzierten Klubs scheiden aus, steigen auch nicht in die Conference League ab.
