VonFrank Hellmannschließen
Der Abbruch des Testspiels zwischen Irland und Kolumbien bringt den zweiten deutschen Gruppengegner in Misskredit
Es gibt gute Gründe, warum Martina Voss-Tecklenburg bereits einen Tag nach der WM-Auslosung im Herbst 2022 Weckrufe formulierte. Niemand solle glauben, dass Deutschland eine leichte Gruppe erwischt habe, lautete die Botschaft der Bundestrainerin, die vor allem den zweiten Gruppengegner Kolumbien (30. Juli/11.30 Uhr MESZ/ARD) mit viel Lob bedachte: „Sie haben eine starke Physis, große Mentalität und sind sehr hartnäckig.“
Seit Freitag steht der Vorwurf übertriebener Härte im Raum, nachdem ein Testspiel gegen Irland bereits nach 23 Minuten abgebrochen wurde. „Übermäßig körperliches Spiel“ beklagten Vertreter des irischen Verbandes für die Begegnung in Brisbane hinter verschlossenen Türen.
Auslöser war ein Foul nahe der Mittellinie, als Kolumbiens Abwehrspielerin Lorena Bedoya zu spät kam und den Unterschenkel der Irin Denise O’Sullivan traf. Die von der australischen Schiedsrichter Caitlin Williams gezückte Gelbe Karte schien ein angemessenes Strafmaß für die Situation, von der Filmmaterial aufgetaucht ist. Von einer „Horrorattacke“, wie irische Medien berichten, kann nicht die Rede sein. Wie sich herausstellte, war nichts gebrochen, dennoch sorgt sich Nationaltrainerin Vera Pauw um den Einsatz ihrer besten Spielerin.
Die Südamerikanerinnen wehren sich vehement, als Sündenböcke abgestempelt zu werden. „Die sind doch alle kleine Mädchen“, lästerte Innenverteidigerin Daniela Caracas. „Ein kleines Foul und sie fangen schon an, sich zu beschweren.“ Dass die irische Fraktion so dünnhäutig reagiert hat – Mittelfeldspielerin Ruesha Littlejohn sprach wohl sogar von einem „animalischen Einsteigen“ – , hat auch mit einer Knöchelverletzung von Kapitänin Katie McCabe im Freundschaftsspiel gegen Frankreich (0:3) zu tun.
Irland fürchtet eine Blamage beim WM-Auftakt: Der Debütant gilt gegen Gastgeber Australien (Donnerstag, 12 Uhr/ARD) vor 83 500 Fans im Australia-Stadion als unterlegen. Die „Matildas“ mit Superstar Sam Kerr haben sich durch viele internationale Vergleiche den erhöhten körperlichen Anforderungen angepasst. Die Torjägerin prahlt übrigens damit, dass sie sich ihr Durchsetzungsvermögen beim Australian Football angeeignet hat, sodass sie bis zum zwölften Lebensjahr regelmäßig mit blutigen Knien und Ellbogen nach Hause kam.
