FC Bayern & Leroy Sané: Das totale Versagen – ein Kommentar
VonPeter Grad
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Der FC Bayern und Leroy Sané konnten sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Der Nationalspieler geht stattdessen in die zweitklassige türkische Süper Lig.
München / Istanbul - Die zähen Verhandlungen zwischen den Verantwortlichen des FC Bayern und dem 70-fachen deutschen Nationalspieler Leroy Sanémit vielen unverständlichen Details und überraschenden Wendungen finden kein Happyend. Den 29-Jährigen zieht es nun stattdessen in das Land des Autokraten Recep Tayyip Erdogan zum aktuellen Meister Galatasaray Istanbul. Eine finanziell lukrative aber sportlich doch sehr zweifelhafte Wahl.
Im Vergleich zu den Teamkollegen benachteiligt der FCB Leroy Sané
Leroy Sané zählte vor der abgelaufenen Saison zu den Bayernspielern, dessen Kontrakt auslaufen würde und bei dem sich die Vereinsverantwortlichen entscheiden mussten, ob man mit ihm verlängert oder ihn - bei einem Marktwert um die 40 Millionen Euro - ablösefrei ziehen lassen wird. Sehr frühzeitig wurde dem Spieler zu erkennen gegeben, dass er um eine Vertragsverlängerung kämpfen müsse. Und genau dies schien auch sehr lange das Ziel des Tempodribblers gewesen zu sein.
Anders als Joshua Kimmich und Alphonso Davies, mit welchen der FC Bayern im Spätwinter verlängerte, hatte sich Sané lange Zeit ganz eindeutig zum Rekordmeister bekannt. Trotzdem wurde zuerst mit den beiden, Manuel Neuer und auch Jamal Musiala verlängert. Seine Kontraktausdehnung schien an der Säbener Straße keine Priorität zu genießen.
Die Heimtrikots des FC Bayern der letzten 20 Jahre – ein Trikot wurde schon vor der Saison zum Klassiker
Aber es kam sogar noch schlimmer für den deutschen Nationalspieler. Nachdem die genannten Teamkollegen bei der Unterzeichnung ihrer neuen Arbeitspapiere nicht ansatzweise von dem auserkorenen Sparprogramm tangiert worden waren, sollte dieses ausgerechnet bei ihm - ziemlich heftig - umgesetzt werden, obwohl seine Leistungen in 2025 tadellos waren: Halbierung des Fixgehalts (bei allerdings hohen Boni) und keine Signing Fee. Sané schien trotzdem darauf einzugehen, seine Vereinsliebe riesig.
Vertragsverlängerung Formsache? Nicht mit Leroy!
Aber genau in dem Moment, als man im Verein eine Vertragsverlängerung als Formsache ansah - alle Konditionen waren ausgehandelt - und Sportvorstand Max Eberl dies sogar vor der BL-Partie in Leipzig am 3. Mai kundtat, ließ Sané die Bombe platzen: Neuer Berater, ausgerechnet Pini Zahavi, alles wieder auf Null. Trotzdem schien eine Einigung weiter möglich. Gleichzeitig brachten sich renommierte Klubs aus der Premier League wie der FC Arsenal in Position.
Auf Seiten des FC Bayern gaben zur neuen Situation wieder viel zu viele „Bosse“ ihre Meinung ab, allen voran Präsident Herbert Hainer, sein Vorgänger Uli Hoeneß, anstelle dass man den sportlich Verantwortlichen alleine das Feld überlassen hätte. So stieg natürlich der Druck der Medien, aber auch die Unzufriedenheit der Fans - Sané polarisierte sowieso immer schon.
Sané doch kein Profiteur der Wirtz-Absage
Nach der Absage von Florian Wirtz wären logischerweise an der Säbener Straße wieder Gelder frei geworden, die man auf die verfügbaren Spieler „gerecht“ und sinnvoll hätte verteilen können. Dagegen kursierten sofort zahlreiche Gerüchte, dass man dies beim Rekordmeister anders sehen würde, für eine Zukunftsverpflichtung von Wirtz hätte man „Sondervermögen“ investiert. Auch diese Situation dürfte beim 29-Jährigen nicht besonders gut angekommen sein: Teure Vertragsverlängerungen von Teamkollegen, Sondervermögen für Neuverpflichtung, dazu kamen Berichte von saftigen Handgeldern für Jonathan Tah und Tom Bischof. Thema „Wertschätzung“.
Von Teilen der Medien und vor allem „TV-Experten“ (sicherlich nicht in Finanzangelegenheiten) kritisiert verbesserte der FC Bayern noch einmal sein Angebot an Sané, nicht die Gesamtsumme, aber die Konditionen. Eine Signing Fee - wie bei den anderen - wurde angeblich weiter abgelehnt. Und dann kam Galatasaray Istanbul mit der Abgabe eines Rekordgehalts: Die Millionen Euro, die Bayern brutto anbot in netto! Aber was will ein deutscher Nationalspieler in den besten Fußballjahren und mit der WM 2026 als Nahziel in der zweitklassigen Süper Lig?
Für so ein Gefühl scheint der deutsche Nationalspieler auch einige Realitäten auszuklinken: In der UEFA-Jahreswertung der Spielzeit 2024/25 war die türkische Liga auf einem schwachen 15. Platz - sogar hinter Zypern! Sein neuer Club ist in der UEFA-5-Jahreswertung lediglich auf Platz 58 zu finden. Zum Vergleich: Der FC Bayern ist Dritter, der BVB Achter, Leverkusen 13., RB Leipzig 19., Eintracht Frankfurt 23. - die Bundesliga schloss eine international sehr mäßige Saison auf einem vierten Platz in der UEFA-Wertung ab, hinter der Premier League, LaLiga und der Serie A.
Sané: Zunächst gekränkt, dann boshaft?
Das scheint Sané alles egal zu sein. Jeder Fußballfan hätte einen Wechsel zum FC Arsenal oder einem anderen PL-Topverein verstehen können, aber nach Istanbul? Politisch scheint er auch schmerzfrei zu sein. Sein Handeln der letzten sechs Wochen wirkt dabei sogar etwas boshaft: Immer wenn der FC Bayern dachte, es geht doch weiter, hat er ihm die kalte Schulter gezeigt.
Für die Klub-WM in den USA steht Sané im 29-Mann-Kader des Rekordmeisters (mit vier Torleuten und zahlreichen Nachwuchsspielern), er war eigentlich fest eingeplant. Coach Vincent Kompany hat ihm stets seine Wertschätzung gezeigt. Genau einen Tag, nachdem die Extra-Transferperiode der FIFA für die WM-Teilnehmer geschlossen wurde, fliegt Sané nach Istanbul. Durchaus fies - aus verletzter Eitelkeit?
Sané-Abgang für den FCB ein schmerzhafter Verlust
Für den FC Bayern ist der ablösefreie Abgang ein schmerzhafter finanzieller Verlust, für Kompany ein bislang noch nicht kompensierter sportlicher. Wer übernimmt die zahlreichen langen Laufwege im Höchsttempo des 29-Jährigen? Tatsächlich eine Schwächung für das Weltturnier.
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Übrigens will Galatasaray Istanbul angeblich alles unternehmen, dass Sané, der in München noch einen Vertrag bis zum 30. Juni besitzt, nicht in die USA fliegt. Dort könnte er noch in vier Spielen von seinem aktuellen Arbeitgeber eingesetzt werden. Möchte der FCB das überhaupt? Auf der anderen Seite könnte sich Sané eine ihm häufig (fälschlicherweise) nachgesagte Lustlosigkeit nicht erlauben. Fehlt er bei der Klub-WM, sollte sein neuer Arbeitgeber eine „kleine“ Entschädigung zahlen müssen: Maßstab ist die Leverkusen-Forderung für Jonathan Tah.
Lose-Lose-Situation
Zukunftsperspektive: Sané wirklich auf den Bildern vom Flughafen in Istanbul glücklich. Kann er sich diesen Zustand in der Türkei, in der türkischen Liga bewahren? Für die Gala-Fans ist er derzeit der Held, durchaus wichtig für ein „Sensibelchen“ wie Sané. Wenn er aber am Bosporus eine sportliche Krise erfahren wird, wie dies in München regelmäßig der Fall war, wird er wohl aber auch die „türkische Fußballhölle“ erfahren. Man kann im persönlich nur wünschen, dass er sich dessen bewusst ist.