FCB-Ikone ist „schockiert“

Kompanys „Demütigung“ für Müller: Matthäus spricht Klartext

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Thomas Müller ist unter Bayern-Trainer Vincent Kompany nur Teilzeitkraft.
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Im Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Celtic Glasgow hat Thomas Müller kaum eine Bedeutung. Eine „Demütigung“ von Trainer Vincent Kompany, laut Lothar Matthäus.

München – 24 Sekunden – mehr war für Thomas Müller an diesem bitterkalten Dienstagabend in seinem Wohnzimmer nicht drin. Die Zuschauer in der Allianz Arena rieben sich verwundert die Augen, als tief in der Nachspielzeit plötzlich doch noch die Nummer 25 aufleuchtete.

Der Routinier war bei Trainer Vincent Kompany im Playoff-Rückspiel der Champions League des FC Bayern gegen Celtic Glasgow nicht gefragt. Erst nach dem erlösenden 1:1 durch Alphonso Davies in der 94. Minute durfte Müller ran. Wie lange schaut sich die FCB-Legende das Ganze noch an? Wenn es nach Lothar Matthäus geht, ist das Maß voll.

Kompany lässt Müller nur 24 Sekunden ran – Matthäus ist „schockiert“

Der FC Bayern steht zwar im Achtelfinale der Königsklasse, doch für Müller war die Partie alles andere als erfreulich. Der 35-Jährige wurde erst in der 95. Minute für Jamal Musiala eingewechselt und das, obwohl Harry Kane bereits zur Pause verletzungsbedingt rausmusste. Statt Müller, der im Kader des deutschen Rekordmeisters noch am ehesten in die Rolle des Mittelstürmers schlüpfen kann, kam jedoch Kingsley Coman.

Lothar Matthäus bezeichnete den Kurzeinsatz als „Demütigung“ und zeigte sich „schockiert“ über den Umgang mit Müller. „Das hat mich traurig gemacht und es tut mir leid für ihn“, sagte der Sky-Experte. „Riesen-Spiel von Müller“, scherzte ein Sky-User auf Instagram. Der Joker durfte nicht einmal den Ball berühren – ein Schlag ins Gesicht für Müller, wie Matthäus findet.

Kompanys „Demütigung“ für Müller: Matthäus legt Finger in die Wunde

Für Matthäus ist es unverständlich, dass ein Spieler von Müllers Kaliber sich eine solche Behandlung gefallen lassen muss. „Sowas muss sich ein Thomas Müller nicht antun. Er ist einer der größten und erfolgreichsten Spieler aller Zeiten. Also für die paar Sekunden kann der Trainer einen anderen Spieler nehmen“, kritisierte Matthäus in Richtung FCB-Coach Vincent Kompany. Bereits nach wenigen Wochen immerhin brach Kompany für Müller erstmals eine selbst auferlegte Regel beim FC Bayern.

Matthäus rät Müller, über seine Zukunft nachzudenken, falls solche Einsätze seine Perspektive für die Zukunft darstellen sollten. „Wenn das die Perspektive für die Zukunft ist, dann sollte er etwas anderes machen. Ich glaube nicht, dass ihm das Spaß gemacht hat. Wofür? Damit er einen weiteren Champions-League-Einsatz gutgeschrieben bekommt?“, erklärte der Rekordnationalspieler und legt den Finger in die Wunde: „Ich wäre mir an seiner Stelle blöd vorgekommen.“ Vor kurzem noch hatte Matthäus prophezeit, dass Müller eine „Riesensaison“ spielen wird.

Dienstältester Profi jedes Bundesligisten: Nur einer gleichauf mit Thomas Müller

Thomas Müller bei einem Spiel des FC Bayern München
Beim FC Bayern macht Thomas Müller niemand etwas vor, seit 2009 kickt das Urgestein für die Münchner. In die Jugendakademie wechselte er sogar schon im Jahr 2000. Auf Platz zwei liegt übrigens Manuel Neuer, der 2011 vom FC Schalke an die Isar kam. © Frank Hoermann/SVEN SIMON / Imago
Marco Reus bei einem Spiel von Borussia Dortmund
2005 wechselte Marco Reus aus der Dortmunder Jugend nach Ahlen, über den Umweg Mönchengladbach landete er 2012 wieder bei der Borussia. Seitdem ist er beim BVB, war lange Kapitän und gilt als Fanliebling. © Maik Hölter/TEAM2sportphoto / Imago
Yussuf Poulsen bei einem Spiel von RB Leipzig
Im Sommer 2013 zog es Yussuf Poulsen aus der dänischen Heimat zu RB Leipzig in die 3. Liga. Mit den Sachsen feierte der Stürmer zwei Aufstiege und ebenso viele DFB-Pokalsiege. © BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik / Imago
Christopher Trimmel bei einem Spiel von Union Berlin
Nicht ganz so lange ist Christopher Trimmel bei Union Berlin, er schloss sich „erst“ 2014 von Rapid Wien den Köpenickern an. Mittlerweile ist er Kapitän und Identifikationsfigur und trug maßgeblich zum Aufschwung in den vergangenen Jahren bei. © Matthias Koch / Imago
Nicolas Höfler bei einem Spiel des SC Freiburg
Nicolas Höfler ist aus dem defensiven Mittelfeld des SC Freiburg schon seit Jahren nicht mehr wegzudenken. 2010 wurde er aus der eigenen Jugend hochgezogen, nach seinre zweijährigen Leihe zu Erzgebirge Aue (2011 bis 2013) startete er beim Sport-Club dann so richtig durch. © nordphoto GmbH / Hafner / Imago
Niklas Lomb bei einem Spiel von Bayer Leverkusen
Torhüter Niklas Lomb schaffte 2012 den Sprung in den Profikader von Bayer Leverkusen. Den Status als Nummer eins erarbeitete er sich allerdings nie und wurde insgesamt drei Mal verliehen. © Beautiful Sports / IMAGO
Makoto Hasebe und Timothy Chandler vor einem Spiel von Eintracht Frankfurt
Bei Eintracht Frankfurt teilen sich Makoto Hasebe und Timothy Chandler den Status als Dienstälteste. Kurios: Beide wechselten im Sommer 2014 vom 1. FC Nürnberg zur SGE. © BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik / Imago
Maximilian Arnold nach einem Spiel des VfL Wolfsburg
Mittelfeldspieler Maximilian Arnold wagte 2009 aus der Jugend von Dynamo Dresden den Schritt zum VfL Wolfsburg, seit 2012 ist er Teil der Profis und führt die „Wölfe“ auch als Spielführer an. © Darius Simka / Imago
Stefan Bell bei einem Spiel von Mainz 05
Zwei Jahre länger ist Stefan Bell schon Teil von Mainz 05, zudem ist der Innenverteidiger der FSV-Spieler mit den meisten Bundesliga-Einsätzen in der Vereinshistorie.  © UWE KRAFT / Imago
Tony Jantschke bei einem Spiel von Borussia Mönchengladbach
Gleichauf mit Bayern-Star Müller liegt Tony Jantschke. Der Innenverteidiger von Borussia Mönchengladbach ist ebenfalls seit 2009 mit dabei. © Nico Paetzel / Imago
Benno Schmitz bei einem Spiel des 1. FC Köln
Wesentlich kürzer ist da schon die bisherige Zeit von Benno Schmitz in Köln, im Sommer 2018 kam er von RB Leipzig zum „Effzeh“. Neben dem Rechtsverteidiger sind zudem nur Florian Kainz und Noah Katterbach schon vor diesem Jahrzehnt in Köln aktiv gewesen, beide sind seit 2019 Teil der Profis. © BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl / Imago
Kevn Akpoguma bei einem Spiel der TSG Hoffenheim
Zum Stammpersonal gehört Kevin Akpoguma bei Hoffenheim nicht, den Status als dienstältester TSG-Profi hat er aber inne. Seit 2013 ist der achtmalige nigerianische Nationalspieler Teil im Kraichgau, seine Zeit wurde lediglich von zwei Leihen unterbrochen. © eu-images / IMAGO
Michael Zetterer bei einem Spiel des SV Werder Bremen
Im Januar 2015 lotste der SV Werder Bremen Michael Zetterer aus Unterhaching in die Hansestadt, niemand ist länger Teil der Werder-Profis. Die Nummer eins war er allerdings nur kurzzeitig im Zweitliga-Jahr, zwei Spielzeiten war er zudem verliehen. © Kirchner/Noah Wedel / Imago
Anthony Losilla nach einem Spiel des VfL Bochum
Anthony Losilla ist eine Institution beim VfL Bochum. Seit seinem Wechsel von Dynamo Dresden nach Bochum im Jahr 2014 ist er Stammspieler, zur Saison 2018/19 übernahm er auch die Kapitänsbinde. © Michael Taeger / Imago
Raphael Framberger bei einem Spiel des FC Augsburg
Von der Nachwuchsakademie bis in die erste Mannschaft – diesen Weg ging Raphael Framberger beim FC Augsburg. Im Januar 2015 wurde der Rechtsverteidiger zu den Profis hochgezogen. © Roger Petzsche / Imago
Roberto Massimo bei einem Spiel des VfB Stuttgart
Immer wieder hat der VfB Stuttgart mehr oder weniger große Umbrüche zu meistern. Da verwundert es auch nicht, dass mit Roberto Massimo ein Spieler am längsten dabei ist, der „erst“ 2018 zu den Schwaben wechselte. © Paul Zimmer / Imago
Kevin Müller und Norman Theuerkauf bei einem des 1. FC Heidenheim
Aus der zweiten Mannschaft des VfB kam übrigens Torwart Kevin Müller im Sommer 2015 nach Heidenheim. Den Rang als Dienstältester muss er sich jedoch mit Norman Theuerkauf teilen, der zeitgleich mit Müller aus Braunschweig zum damaligen Zweitligisten wechselte. © Sportfoto Zink / Daniel Marr / Imago
Fabian Holland bei einem Spiel von Darmstadt 98
Beim anderen Bundesliga-Aufsteiger aus Darmstadt trägt Fabian Holland seit Januar 2019 die Kapitänsbinde, schon dreieinhalb Jahre zuvor kam er von Hertha BSC zu den Hessen. © Mara Wolf / Imago

Thomas Müllers Zukunft beim FC Bayern ist ungewiss

Müller wollte sich nach dem Spiel in der Mixed Zone nicht äußern, sagte lediglich „passt schon“. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft im Sommer aus, und seine Zukunft ist derzeit ungewiss. Wie Sky berichtet, erwägen die Bayern, den Vertrag der Vereinslegende bis 2026 zu verlängern. Die Entscheidung liegt jedoch allein bei Müller.

Präsident Herbert Hainer äußerte sich zu Müllers Zukunft und betonte, dass er sich einen Verbleib wünscht. Hainer erklärte in der Sport Bild, dass Müllers nächste Schritte „von seiner Fitness abhängig, davon, wie er sich fühlt“ wären. „Wir wollen zudem mit ihm darüber reden, was er einmal macht, wenn er nicht mehr Fußball spielt, weil wir ihn gerne in der einen oder anderen Form beim FC Bayern einbinden wollen“, so der Bayern-Präsident: „Ob er das sofort will oder nach einer so langen aktiven Zeit erst einmal eine Auszeit machen möchte, muss er selbst entscheiden.“

Kane-Verletzung als Chance für Müller?

Durch die Verletzung von Harry Kane könnte Müller kurzfristig in die Startelf des FC Bayern rücken. Sky-Reporter Florian Plettenberg sieht Müller als die „absolute Top-Alternative“, um Kane zu ersetzen: „Kane durch Coman, Gnabry, Musiala oder Sané zu ersetzen – davon halte ich nichts.“

Plettenberg betonte zudem, dass der FC Bayern klarstellen sollte, ob sie in der nächsten Saison noch mit Müller planen. „Müller hat sich mehr Einsätze verdient. Ansonsten ist ihm der FC Bayern schuldig zu sagen, dass man in der nächsten Saison sportlich nicht mehr mit ihm plant, anstatt ihm die Entscheidung zu überlassen, ob er weitermacht oder nicht“, so Plettenberg.

Sollte Müller auch gegen Frankfurt nicht berücksichtigt werden, stellt sich erneut die Frage, wie lange er sich diese Situation noch antun wird. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich die Situation für Müller entwickelt und ob er weiterhin eine zentrale Rolle beim FC Bayern spielen wird. (ck)

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