VonLars Pollmannschließen
Niko Kovačs Abgang beim FC Bayern ist fünf Jahre her. Der aktuell vereinslose Coach rechtfertigt seine Bilanz beim Spitzenklub.
München – Seit seinem Ausscheiden beim VfL Wolfsburg im März ist Niko Kovač ohne Klub. Dass sein Name nicht oft fällt, wenn es um mögliche Trainerwechsel bei Topvereinen geht, verwundert beim Blick auf die Bilanz des früheren kroatischen Nationaltrainers durchaus. Immerhin feierte er mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokalsieg und holte in seiner einzigen kompletten Saison beim FC Bayern erneut den Pokal, außerdem Meisterschaft und Supercup.
Dass ein Trainer mit dem Punkteschnitt von 2,26 als gescheitert bezeichnet wird, zeigt, wie hoch die Ansprüche in München heutzutage sind. Zum Vergleich: Vincent Kompany steht aktuell bei 2,29 Punkten pro Pflichtspiel. Kovač jedenfalls findet seine Bilanz nicht so verkehrt. Sein Hinweis auf die Nachfolger lässt dabei tief über die Schnelllebigkeit beim FC Bayern blicken.
Niko Kovač: „Die Situation bei den Bayern ist eine spezielle“
„Die Zeit in Frankfurt war ein Volltreffer“, schaute Kovač gegenüber der FAZ zurück. „Auch in München haben wir in anderthalb Jahren drei Titel geholt. Die Tatsache, dass nach mir Hansi Flick, Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann auch immer kürzer bleiben, als anfangs vereinbart wurde, zeigt, dass die Situation bei den Bayern eine spezielle ist.“
Dies freilich muss gerade einem früheren Münchner Profi bewusst gewesen sein, schon bevor er den Kontrakt unterschrieb. Dennoch hält Kovač den Entschluss, Frankfurt zugunsten des FC Bayern zu verlassen, auch im Nachhinein für richtig. „Ich bin überzeugt, dass im Laufe eines Sportlerlebens immer wieder Situationen auftreten, bei denen man schwierige Entscheidungen treffen muss. Wer sich vor Entscheidungen drückt, wird nie wissen, ob er es richtig hätte machen können.“
Niko Kovač hätte sich bei Entscheidung gegen FC Bayern „ganzes Leben geärgert“
Kovač vergleicht seine Situation dabei mit einem Spieler, der vom Strafstoßpunkt die Verantwortung übernimmt. „Wer die Entscheidung trifft, den Ball für den Elfmeter zu nehmen, kann verschießen – er kann aber auch zum Hero werden. Ich hätte mich jedenfalls mein ganzes Leben geärgert, wenn ich das Angebot des FC Bayern nicht angenommen hätte. Diese Erfahrung war sehr wertvoll für mich.“
Am Sonntag jährte sich die Trennung der Münchner von Kovač zum fünften Mal, seither war der Kroate insgesamt etwas weniger als drei Jahre bei der AS Monaco und in Wolfsburg im Amt. Ob die Zeit beim FC Bayern dem Ansehen des gebürtigen Berliners nicht eher geschadet hat, ist schwer zu beurteilen.
Kovač würde seine berufliche Auszeit gerne bald beenden. Die Zeit der Trainerwechsel ist angebrochen, der 53-Jährige ist für vieles offen. „Jetzt, wo es in die letzten Wochen des Jahres reingeht, höre ich mir Vorschläge gezielter an. Es wird viel gesprochen, ich höre einiges, aber es muss hundertprozentig passen. Mein Fokus liegt auf den Top5-Ligen in Europa: Deutschland, Spanien, England, Italien und Frankreich.“
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