Völler dennoch zuversichtlich

„Der deutsche Fußball ist abgehängt“: DFB nur noch ein Schatten früherer Tage

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Der DFB hat mit dem historischen Frauen-WM-Aus sein nächstes Debakel. Donata Hopfen legt den Finger in die Wunde, während Rudi Völler beruhigt.

München – Die Krise im deutschen Fußball spitzt sich weiter zu. Auch das letzte Aushängeschild des DFB, die Frauen-Nationalmannschaft, musste in Australien bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland eine historische Pleite hinnehmen. Die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg scheiterte zum ersten Mal in der WM-Geschichte in der Gruppenphase.

DFB
Gründung: 28. Januar 1990
Präsident:Bernd Neuendorf
Mitglieder: 7.364.775 (Stand 2023)

Ex-DFL-Chefin Hopfen fordert neue Ideen, Offenheit für moderne Impulse und Angänge

Nach dem Debakel der Männer 2018 in Russland und 2022 in Katar und dem Aus der U21 bei der EM in Rumänien und Georgien in der Gruppenphase kassierte der DFB seinen nächsten Nackenschlag.

Die DFB-Frauen scheiden bei der WM in der Gruppenphase aus. Rudi Völler will die Probleme nicht vermischen.

Die frühere Liga-Chefin Donata Hopfen sieht im WM-Debakel der deutschen Fußballerinnen den Beweis für ein größeres Problem. „Der deutsche Fußball ist abgehängt und braucht dringend Veränderung – neue Ideen, Offenheit für moderne Impulse und Angänge. Und trotzdem ist das Gefühl, dass es weiter so gehen wird wie bisher“, schrieb die ehemalige Geschäftsführerin der Deutschen Fußball Liga im sozialen Netzwerk LinkedIn.

„Mühlen mahlen zu langsam“ – Chatzialexiou kritistert deutsche Organisationsstruktur

„Hoffentlich wachen die Verantwortlichen in Fußballdeutschland vor der EM 2024 im eigenen Land auf, sonst wird aus dem erhofften Sommermärchen ein Sommergrusel“, mahnte Hopfen in ihrem Beitrag mit Blick auf die kommende Männer-Europameisterschaft in Deutschland.

Auch der sportliche Leiter der Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, sieht deutlichen Optimierungsbedarf im deutschen Fußball – vor allem beim Entwicklungstempo: „Zur Wahrheit gehört auch, dass unsere Mühlen leider zu langsam mahlen in Deutschland“, kritisierte der 47-Jährige.

Männer-DFB-Team seit Jahren abgehängt – Deutschland hinter Marokko in Weltrangliste

Insbesondere lange Kommunikationswege und sportpolitische Hürden hemmen laut Chatzialexiou die Entwicklung: „Wenn wir das nicht verändern, dann werden andere auf der linken Spur an uns vorbeifahren und dann sehen wir schlussendlich nur die Rücklichter.“

Werdende Mutter, Zahlen-Genie, Babysitter im Quartier: Deutschlands WM-Frauen im Überblick

Ann-Katrin Berger beim Deutschland-Spiel gegen Brasilien
Ann-Katrin Berger, Torhüterin, FC Chelsea: Lernte ihre Freundin, die zuvor ihre WG-Mitbewohnerin war, während ihrer Zeit beim Londoner Top-Klub kennen. Kehrte bereits zwei Mal nach einer Krebsdiagnose auf den Platz zurück. © Imago / ActionPictures
Merle Frohms im Training der DFB-Frauen
Merle Frohms, Torhüterin, VfL Wolfsburg. Geht als deutsche Nummer eins in die WM. Hat neben ihrer Karriere als Fußballerin ein Studium in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Stina Johannes beim Training der DFB-Frauen
Stina Johannes, Torhüterin, Eintracht Frankfurt. Kickte vor ihrem Engagement bei der SGE für drei Monate in Japan. Absolviert ein Bachelor-Studium der Mathematik. Als einzige Nominierte noch ohne Länderspiel. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sara Doorsoun beim Training der DFB-Frauen
Sara Doorsoun, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Teilt sich bei der WM ein Zimmer mit Torhüterin Merle Frohms. Engagiert sich für das soziale Projekt „Scoring Girls“ der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Tugba Tekkal, das in Berlin, Köln und im Nord-Irak Bildungs- und Sportprogramme für Mädchen und junge Frauen bereitstellt und fördert. © IMAGO/DEAN LEWINS
Chantal Hagel beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Chantal Hagel, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Absolvierte keine einzige Partie für eine Junioren-Nationalmannschaft. Verfügt über ein abgeschlossenes Grundschullehramt-Studium. © IMAGO/Laci Perenyi
Marina Hegering beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Marina Hegering, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde einst mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Arbeitete während einer langen Verletzungspause als Kauffrau in einem Bauunternehmen. © IMAGO/Laci Perenyi
Kathrin Hendrich beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Kathrin Hendrich, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde 1992 im belgischen Eupen geboren. Bruder Markus ist als Moderator und Stand-Up-Comedian tätig. Freund Sebastian Griesbeck steht aktuell bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag. © IMAGO/Laci Perenyi
Sophia Kleinherne gibt nach einem Training der DFB-Frauen Autogramme
Sophia Kleinherne, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Befindet sich in einem Fernstudium im Bereich Sportmanagement. Bundeswehr-Soldatin mit dem Rang einer Hauptgefreiten. Bruder Lukas ist in der Bezirksliga aktiv. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sjoeke Nüsken beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Sjoeke Nüsken, Verteidigerin, FC Chelsea. War Teil der DFB-Auswahl, die vor sechs Jahren die U17-EM gewann. Wurde im Alter von neun und zehn Jahren deutsche Meisterin im Tennis. Schwester Hjördis war ebenfalls Junioren-Nationalspielerin. © IMAGO/Revierfoto
Felicitas Rauch beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Felicitas Rauch, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Teilte sich in Wolfsburg eine Wohnung mit Pia Wolter, die unmittelbar vor der WM zu Eintracht Frankfurt ging. Eines der liebsten Fotomotive auf Instagram: ihre Pudeldame. © IMAGO/Heiko Becker
Jule Brand beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Jule Brand, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Mit 20 Jahren jüngste Akteurin im WM-Kader. Stammt aus einer Sportlerfamilie: Mutter war Leichtathletin, Vater war Handballer, Bruder spielte unter anderem in der 3. Liga für den FSV Zwickau. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Sara Däbritz vor einem Training der DFB-Frauen
Sara Däbritz, Mittelfeldspielerin, Olympique Lyon. Einzige Frankreich-Legionärin im deutschen Aufgebot. Studiert nebenbei Wirtschaftspsychologie. Mit 97 Länderspielen die zweiterfahrenste DFB-Akteurin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Melanie Leupolz beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Melanie Leupolz, Mittelfeldspielerin, FC Chelsea. Reiste mit Kind und Babysitterin nach „Down Under“. Gewann bereits 2013 mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Svenja Huth beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Svenja Huth, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Erwartet nach der Weltmeisterschaft ihr erstes Kind mit Ehefrau Laura. Engagiert sich für den Tierschutz und hat mit dem Bolonka-Rüden Jamie auch einen eigenen Vierbeiner zu Hause. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Lattwein beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Lena Lattwein, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schloss ihr Abitur mit der Bestnote von 0,7 ab und studierte im Bachelor Wirtschaftsmathematik, arbeitet aktuell an einem Masterabschluss in Controlling. Schaute in ihrer Kindheit regelmäßig Videos mit Fußballtricks und stellte diese im Garten nach. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Sydney Lohmann beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Sydney Lohmann, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Wurde von ihren Eltern nach der australischen Metropole benannt, nachdem diese kurz vor der Geburt während einer Weltreise dort Halt machten. Trat bereits im Alter von vier Jahren mit ihrem Vater gegen das runde Leder. © IMAGO/Laci Perenyi
Lina Magull beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lina Magull, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Ging als 14-Jährige in das Sportinternat in Kaiserau, um den Traum vom Profifußball weiter zu verfolgen. Absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ist zertifizierte Ernährungsberaterin. Freund Luca arbeitet als Athletiktrainer beim FC Ingolstadt. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Oberdorf beim Training der deutschen Nationalmannschaft
Lena Oberdorf, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schaffte es 2022 in die Top 3 zur „UEFA Fußballerin des Jahres“. Wurde 2019 jüngste deutsche WM-Spielerin der Geschichte. Machte unmittelbar vor dem Turnier ihre Beziehung mit Freundin Kimberly öffentlich. Schwester Julia spielt American Football in der 2. Bundesliga, Bruder Tim ist Profifußballer (zuletzt Fortuna Düsseldorf). © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Alexandra Popp beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Alexandra Popp, Stürmerin, VfL Wolfsburg. Führt die DFB-Elf als Kapitänin aufs Feld. Absolvierte mit 128 Länderspielen die meisten im Kader. Ausgebildete Zootierpflegerin. Drückt privat Borussia Dortmund die Daumen. © IMAGO/Laci Perenyi
Klara Bühl beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Klara Bühl, Stürmerin, FC Bayern München. Feierte bereits mit 15 Jahren ihr Debüt in der Bundesliga. Ist für ihre Häkelkünste bekannt und zeichnete auf diesem Wege auch für das inoffizielle Maskottchen der DFB-Frauen, einen Koala, verantwortlich.  © IMAGO/Revierfoto
Nicole Anyomi beim Training der DFB-Frauen
Nicole Anyomi, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. Sportliches Vorbild: Cristiano Ronaldo. Setzte mit ihrem Kniefall-Jubel 2020 im DFB-Pokal in Anlehnung an die Proteste nach der Ermordung von George Floyd ein Zeichen gegen Rassismus – als erste deutsche Profifußballerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Laura Freigang auf dem Weg zum Training der DFB-Frauen
Laura Freigang, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. War vor ihrem Wechsel in die Bundesliga an der Pennsylvania State University eingeschrieben und kickte für das Uni-Team, die „Penn State Nittany Lions“. Als Kabinen-DJ für die Musik bei der deutschen Mannschaft verantwortlich. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Lea Schüller beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lea Schüller, Stürmerin, FC Bayern München. Wurde 2022 zur „Fußballerin des Jahres“ gekürt. Studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Freundin Lara Vadlau wurde bereits Welt- und Europameisterin im Sportsegeln. © IMAGO/Laci Perenyi

Dabei lässt sich die Frage stellen, ob dies nicht längst der Fall ist. Die A-Nationalmannschaft der Männer läuft bereits seit spätestens 2018 der internationalen Weltspitze und rangiert in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 15 – hinter Ländern wie den USA, der Schweiz und Marokko. Das zweimalige WM-Gruppen-Aus in Russland und Katar scheint daher nur eine logische Folge.

Rudi Völler glaubt trotz DFB-Krise an erfolgreiche Heim-EM

Und von Aufbruchstimmung kann auch nicht gerade die Rede sein. Trotz der EM 2024 im eigenen Land präsentiert sich die Mannschaft von Hansi Flick seit Monaten in desolatem Zustand. Der letzte Sieg des DFB-Teams ist ein 2:0-Erfolg im ersten Testspiel nach der WM in Katar gegen Peru. Danach folgten ein Remis gegen die Ukraine und Niederlagen gegen Belgien, Polen und Kolumbien.

Trotz allem will Rudi Völler nicht alles schwarz malen. Das frühe Ausscheiden der Männer, der U21 und Frauen könne man nicht vergleichen. „Das muss man alles getrennt beurteilen“, sagte der DFB-Direktor nach dem WM-Aus der Frauen.

Und bei den Männern sehe der 63-Jährige zwar „noch viel Luft nach oben“, ist aber trotzdem von einer erfolgreichen Heim-EM überzeugt. Schließlich würde Hansi Flick „mit dem Experimentieren jetzt ein bisschen aufhören und sich eine Basis-Mannschaft einspielen“. Ob er das bei erneuten Pleiten in den nächsten Testspielen im September gegen Frankreich und Japan noch genau so sieht? (kk)

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