Die frühere Liga-Chefin Donata Hopfen sieht im WM-Debakel der deutschen Fußballerinnen den Beweis für ein größeres Problem. „Der deutsche Fußball ist abgehängt und braucht dringend Veränderung – neue Ideen, Offenheit für moderne Impulse und Angänge. Und trotzdem ist das Gefühl, dass es weiter so gehen wird wie bisher“, schrieb die ehemalige Geschäftsführerin der Deutschen Fußball Liga im sozialen Netzwerk LinkedIn.
„Mühlen mahlen zu langsam“ – Chatzialexiou kritistert deutsche Organisationsstruktur
„Hoffentlich wachen die Verantwortlichen in Fußballdeutschland vor der EM 2024 im eigenen Land auf, sonst wird aus dem erhofften Sommermärchen ein Sommergrusel“, mahnte Hopfen in ihrem Beitrag mit Blick auf die kommende Männer-Europameisterschaft in Deutschland.
Auch der sportliche Leiter der Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, sieht deutlichen Optimierungsbedarf im deutschen Fußball – vor allem beim Entwicklungstempo: „Zur Wahrheit gehört auch, dass unsere Mühlen leider zu langsam mahlen in Deutschland“, kritisierte der 47-Jährige.
Männer-DFB-Team seit Jahren abgehängt – Deutschland hinter Marokko in Weltrangliste
Insbesondere lange Kommunikationswege und sportpolitische Hürden hemmen laut Chatzialexiou die Entwicklung: „Wenn wir das nicht verändern, dann werden andere auf der linken Spur an uns vorbeifahren und dann sehen wir schlussendlich nur die Rücklichter.“
Werdende Mutter, Zahlen-Genie, Babysitter im Quartier: Deutschlands WM-Frauen im Überblick
Dabei lässt sich die Frage stellen, ob dies nicht längst der Fall ist. Die A-Nationalmannschaft der Männer läuft bereits seit spätestens 2018 der internationalen Weltspitze und rangiert in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 15 – hinter Ländern wie den USA, der Schweiz und Marokko. Das zweimalige WM-Gruppen-Aus in Russland und Katar scheint daher nur eine logische Folge.
Rudi Völler glaubt trotz DFB-Krise an erfolgreiche Heim-EM
Und von Aufbruchstimmung kann auch nicht gerade die Rede sein. Trotz der EM 2024 im eigenen Land präsentiert sich die Mannschaft von Hansi Flick seit Monaten in desolatem Zustand. Der letzte Sieg des DFB-Teams ist ein 2:0-Erfolg im ersten Testspiel nach der WM in Katar gegen Peru. Danach folgten ein Remis gegen die Ukraine und Niederlagen gegen Belgien, Polen und Kolumbien.
Trotz allem will Rudi Völler nicht alles schwarz malen. Das frühe Ausscheiden der Männer, der U21 und Frauen könne man nicht vergleichen. „Das muss man alles getrennt beurteilen“, sagte der DFB-Direktor nach dem WM-Aus der Frauen.
Und bei den Männern sehe der 63-Jährige zwar „noch viel Luft nach oben“, ist aber trotzdem von einer erfolgreichen Heim-EM überzeugt. Schließlich würde Hansi Flick „mit dem Experimentieren jetzt ein bisschen aufhören und sich eine Basis-Mannschaft einspielen“. Ob er das bei erneuten Pleiten in den nächsten Testspielen im September gegen Frankreich und Japan noch genau so sieht? (kk)