„Sehr wenig Rückendeckung bekommen“: Kimmich schüttet sein Herz aus
VonFlorian Schimak
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Joshua Kimmich köpft den FC Bayern in der Königsklasse gegen Arsenal ins Glück. Seine Aussagen nach Spielende lassen aber tief blicken.
München – Das Wort „ausgerechnet“ hat im Fußball bekanntlich eine besondere Bedeutung. Man möchte fast sagen, es steht auf dem Index.
Aber an diesem Mittwochabend muss man es zwingend verwenden. Joshua Kimmich köpft (!) den FC Bayern gegen den FC Arsenal ins Halbfinale der Champions League. Eben dieser Kimmich, der vermutlich seine schwerste Saison im Trikot der Münchner absolviert, erzielt nun das entscheidende Tor.
Kimmich köpft FC Bayern ins Glück – und sorgt mit Aussagen für Aufsehen
Von Genugtuung wollte der 29-Jährige nach seinem starken Auftritt (tz-Note 1) dann aber nach Spielende nichts wissen. „Natürlich ist es so, dass das Tor sehr, sehr gut tut“, sagte Kimmich in der Mixed Zone der Allianz Arena, um sich dann ein wenig den Frust von der Seele zu reden: „Ich musste mir im letzten Jahr sehr viel anhören und habe sehr, sehr wenig Rückendeckung bekommen. Am Ende beweist das wieder mal, dass sich harte Arbeit immer lohnt. Dementsprechend bin ich schon sehr, sehr stolz, dass der Abend so gelaufen ist und freue mich riesig über das Tor und den Einzug ins Halbfinale.“
Bei DAZN hatte bereits Experte Sami Khedira nach dem Spiel eine Lanze für Kimmich gebrochen. Zuletzt sprang selbst BVB-Berater Matthias Sammer dem Bayern-Star zur Seite und appellierte, nicht immer wieder zu hart mit Kimmich ins Gericht zu gehen.
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Ob die fehlende Rückendeckung von Seiten des Vereins sei, wurde Kimmich dann am späten Mittwochabend im Bauch der Arena gefragt: „Ja, generell. Zu meiner Person hat sich ja Hinz und Kunz geäußert. Da waren wenige da, die mal pro Kimmich waren“, so der Nationalspieler: „Dementsprechend ist es ganz schön, wenn ich selber dafür sorgen kann, dass sich die Stimmen wieder ändern.“
Dieser Treffer sorgt nun dafür, dass der Bayern-Traum vom Henkelpott weiterlebt – und das trotz der bisher enttäuschenden Saison. Auch für Kimmich war dies wahrlich keine einfache Spielzeit. Sechser-Diskussionen und unglückliche Platzverweise gingen offenbar nicht spurlos an ihm vorbei.
„Klar, wenn der Erfolg als Team ausbleibt, dann ist es immer sehr schwierig“, verrät Kimmich: „Gerade in dieser Saison, wenn wir nicht so wirklich unsere Top-Performance gefunden haben, dann ist es von jedem von uns eine schwierige Phase, weil uns das dann auch antreibt, Spiele zu gewinnen und erfolgreich zu sein. Auch deshalb freuen wir uns extrem, dass wir weitergekommen sind.“
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Kimmich als Gesicht der Bayern-Krise? „Wie war denn euer Gefühl?“
Auffällig: Selbst Christian Dreesen widersprach am Mittwochabend nicht, als man Kimmich das schwerste Jahr seiner Bayern-Laufbahn attestierte. Der CEO sah lediglich einen Kimmich, der „in der Kabine gerade einen sehr zufriedenen Eindruck“ mache.
Auch Thomas Tuchel fand keine überschwänglichen Worte für Kimmich, lobte stattdessen Konrad Laimer oder Noussair Mazraoui nach Spielschluss bei DAZN. „Gut, dass Josh den Mut hat, durchzulaufen“, sagte der Bayern-Coach zum Treffer, dessen Kopfball „nicht typisch“ für den aktuellen Rechtsverteidiger gewesen sei, versah diesen Satz allerdings mit einem Augenzwinkern.
Als Kimmich dann gefragt wurde, ob er sich als das zwischenzeitliche Gesicht der Krise beim FC Bayern gesehen habe, fragte er nur rhetorisch: „Wie war denn euer Gefühl?“ (smk)