Geglückte WM-Qualifikation: Ex-Bayern-Spieler zeigt es allen Kritikern
VonPeter Grad
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Deutschland überrollt die Slowakei im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel mit 6:0. Ein Ex-Spieler des FC Bayern, den viele gar nicht dabei haben wollten, überragt. Ein Kommentar.
Leipzig – Nach seinem heiß diskutierten Wechsel vom FC Bayern zum türkischen Doublesieger Galatasaray Istanbul wurde Leroy Sané von Julian Nagelsmann für die ersten vier WM-Qualifikationsspiele nicht nominiert. Obwohl die deutsche Nationalmannschaft aufgrund zahlreicher Ausfälle die Dynamik des 29-Jährigen mehr als dringend benötigt hätte und mit einem desaströsen 0:2 in die Qualifikationsrunde gestartet war, fand die Maßnahme des Bundestrainers in der Öffentlichkeit größtenteils Zustimmung.
Die Leistungen des 72-maligen Nationalspielers (16 Tore), der von 2020 bis 2025 für den deutschen Rekordmeisters auflief, werden speziell seit seiner Münchner Zeit sehr kontrovers bewertet, er polarisiert wie kaum ein anderer deutscher Kicker der letzten Jahrzehnte. Dabei sind sich dennoch alle einig, dass der sensible Spieler das Potenzial zum absoluten Weltklassespieler hat, er ein sogenannter Unterschiedsspieler ist bzw. sein könnte. Seine Kritiker konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf Mimik und Gestik des Ex-FCB-Spielers, wenn es bei ihm einmal nicht so läuft, seine Anhänger verweisen darauf, dass er trotzdem in jedem Spiel hundert Prozent Einsatz bringt. Seine Trainer und Teamkollegen bestätigen und unterstützen diese Ansicht.
Der Bundestrainer wird für Sanés Nominierung heftig kritisiert
Nagelsmann, der Sané aus seiner Zeit als Bayerntrainer (2021 bis 2023) bestens kennt, war grundsätzlich immer ein großer Fan und Unterstützer des Sensiblen, auch wenn der gerade einmal eine Formdelle hatte. So sollte seine Nominierung von Sané für die abschließenden Quali-Spiele in Luxemburg und gegen den Hauptrivalen Slowakei eigentlich keine große Überraschung gewesen sein, allerdings auch nicht die teilweise vollkommen überzogene Kritik daran. Diese bezog sich hauptsächlich auf die noch nicht überragende Ausbeute an Torbeteiligungen des 29-Jährigen in Istanbul: Sechs, je drei Tore und Assists in 15 Partien.
Was die Sané-Kritiker dabei geflissentlich übersehen: Galatasaray lässt in der aktuell CL-Tabelle als Neunter drei Bundesligisten hinter sich. Dass er in der Türkei nichts verlernt hat, bewies er dann schon bei seinem Startelfeinsatz in Luxemburg (2:0). In einer personell geschwächten und teilweise verunsichert wirkenden DFB-Mannschaft war er neben dem Doppeltorschützen Nick Woltemade und dem fehlerlosen Torwart Oliver Baumann mit seinen beiden famosen Torbeteilungen (Assist und Pre-Assist) maßgeblich am deutschen Sieg beteiligt.
Sechsmal die Zwei – einer gar mit Bestnote: Deutschland-Noten gegen Slowakei
Und im alles entscheidenden Spiel gegen die Slowakei in Leipzig – eine Niederlage hätte Playoff-Spiele im März für die WM-Qualifikation nötig gemach – war Sané nun sogar beim 6:0-Kantersieg der beste Spieler auf dem Platz, ragte aus einer insgesamt bockstarken deutschen Elf sogar noch einmal heraus. Von der tz gab es dafür die Top-Bewertung: „Zweites Spiel nach seiner DFB-Begnadigung, zweiter starker Auftritt. Sané hatte gegen die Slowakei sichtlich Spaß auf dem Feld – nicht nur wegen seiner Vorlage und seinem Doppelpack. Der Linksfuß war viel unterwegs und haute sich rein. Er tat genau das, was Bundestrainer Julian Nagelsmann von ihm erwartet. Note: 1.“
Mit seinem guten Auftritt in Luxemburg und seiner famosen Leistung gegen die Slowaken sollte Sané zumindest vorübergehend seine schärfsten Kritiker mundtot gemacht haben. Dieser Zustand wird aber nicht lange anhalten, zumal das Argument „die Slowakei ist nicht Spanien, Frankreich oder England“ bleibt. Die großen Fans der deutschen Nationalmannschaft würden sich dagegen maßlos über eine Überschrift im nächsten Juli à la „Sané schießt Deutschland zum Titel freuen“. Träumen darf man doch wohl.