VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht-Rekordeinkauf Hugo Ekitiké gibt sich zum Einstand selbstbewusst, muss körperlich aber erst einmal aufgepäppelt werden. Ein Startelfeinsatz ist daher noch gar kein Thema.
Sich selbst beschreibt Hugo Ekitiké als offenen Menschen und einfachen Typen, einen, der die Werte seiner über alles geliebten Familie lebt; seine Eltern, findet die Neuerwerbung der Frankfurter Eintracht, hätten ihn zu dem Mann gemacht, „der ich heute bin“.
Ein 21 Jahre alter Fußballprofi, der gerne auf der Konsole daddelt, sich für „Mode und Kunst“ interessiert, was schon mal recht ungewöhnlich ist, also das mit der Kunst, nicht das mit der Mode und der Playstation. Ein junger Bursche, der „sehr bodenständig und demütig“ geblieben ist. Das bestätigen alle, die es bisher persönlich mit ihm zu tun hatten. Da sei einer sehr reflektiert, überlegt und kein bisschen abgehoben.
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Auf dem Feld gibt es offenbar einen anderen Hugo Ekitiké. Da beschreibt er einen Spieler, der „niemals aufgibt und immer alles gibt“. Eines kann er gar nicht ab: „Ich mag es nicht, zu verlieren.“ Er sei ein Fußballer mit einer guten Dosis Selbstvertrauen, und als Angreifer findet sich der Kerl auch nicht so schlecht. Er könne alleine in der Spitze spielen oder im Doppelsturm, ist ihm egal, er sei ein „guter Mitspieler“, einer, der die Tiefe sucht, sich in den Zwischenräumen bewegt und ins Dribbling geht, „ich bereite Tore vor und ich schieße Tore“, sagt er. Sein Gesamtpaket stimmt, findet Ekitiké, der teuerste Einkauf der Frankfurter Vereinsgeschichte: „Ich bin ein kompletter Spieler.“ Das mit dem Selbstvertrauen scheint demnach zu stimmen.
Ehe aber ein falscher Zungenschlag hineinkommt, beeilt sich Ekitiké anzufügen, dass er täglich hart an sich arbeite, um sich zu verbessern. Das sei zwingend notwendig, denn „sonst wäre ich ja schon der beste Spieler auf der Welt. Bin ich aber nicht“.
Hugo Ekitiké: Zehn Wochen kein Training
Das mit der harten Arbeit mag eine typische Fußballerfloskel sein, auf den in Reims geborenen Franzosen trifft sie aber voll zu. Denn sein Fitnesszustand ist nicht so wie er sein sollte, um in der Bundesliga mithalten zu können. Im Training pumpt der 1,90 Meter große Stürmer recht schnell, und diesen Eindruck haben auch die am Dienstag durchgeführten Fitnesstests bestätigt. Seine Werte entsprechen nicht denen eines Hochleistungssportlers, weshalb der Akteur erst einmal aufgepäppelt werden muss.
Ein Startelfeinsatz am Samstag (15.30 Uhr) im wichtigen Heimspiel gegen den VfL Bochum ist ausgeschlossen, erst in einigen Wochen wird er ein Kandidat für die Startformation sein – dann, wenn er seinen Rückstand aufgeholt hat. Dass er körperlich weit hinter den Kollegen liegt, ist natürlich nicht förderlich, lässt sich aber nicht mehr ändern und ist durchaus erklärbar.
Ekitiké hat bei Paris Saint-Germain seit zehn Wochen nicht mehr mit der Mannschaft trainieren dürfen, hielt sich individuell fit – was aber nicht mal im Ansatz ein geregeltes Teamtraining ersetzt. Hinzu kommt: Der Stürmer hat ja in dieser Saison ohnehin kaum Spielzeit gehabt, gerade mal acht Minuten am ersten Spieltag im August. Und: 100-prozentige Fitness lässt sich bei einem Spitzenklub wie PSG auch nicht über die Einheiten unter der Woche erlangen, denn aufgrund des üppigen Terminkalenders mit Liga, Pokal und Champions League wird nur sehr dosiert trainiert. Alles schlecht für Hugo Eketiké und auch schlecht für Eintracht Frankfurt. Denn eine Soforthilfe ist er damit nicht. Darauf hatten sie aber gehofft in Frankfurt.
Neuer Verteidiger kommt
Eintracht Frankfurt hat erwartungsgemäß Aurele Amenda vom Schweizer Meister Young Boys Bern verpflichtet. Der 20-Jährige wechselt im Sommer an den Main und erhält einen Vertrag bis 2029. Die Ablösesumme liegt bei rund zehn Millionen Euro.
Innenverteidiger Amenda , 1,97 Meter groß, hätte eigentlich schon im Winter zur Eintracht kommen sollen, eine Einigkeit mit dem Spieler war erzielt – doch die Young Boys hätten den Abwehrhünen jetzt nur abgegeben, wenn sie einen Ersatzmann gefunden hätten. Das war nicht der Fall. Ergo spielt der Schweizer U-21-Nationalspieler die Saison mit seinem Heimatverein zu Ende. Amenda wurde in Bern ausgebildet und debütierte vor zwei Jahren in der höchsten Spielklasse.
„Aurele ist ein hochtalentierter Spieler, der schon in jungen Jahren internationale Erfahrung gesammelt hat. Er ist schnell und sehr kopfballstark, verfügt er über einen guten Spielaufbau“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. „Auch menschlich passt er hervorragend zu unserem Team.“ dur
Er wird nun erst einmal über Kurzeinsätze, wie vergangenen Samstag in Köln, herangeführt. Trainer Dino Toppmöller wird ihn nicht in eine Verletzung jagen. Das ist vernünftig. Geduld wird gefragt sein. „Es ist lange her, dass ich gespielt habe“, räumt der schnelle Spieler ein. „Hier wird mit hoher Intensität gespielt, daran muss ich mich gewöhnen. Ich werde jetzt versuchen, in meinen Rhythmus zu kommen.“
Gut für die Eintracht, dass zumindest Omar Marmoush nach seinem grippalen Infekt wieder hergestellt und normal ins Teamtraining eingestiegen ist. Der Ägypter, bester Frankfurter Torschütze, ist am Samstag eine Option für die erste Elf.
Auch Kolo Muani schwärmt von Frankfurt
Dass Ekitiké, 20 Millionen Euro schwer, überhaupt in Frankfurt gelandet ist, hat so ein bisschen mit Randal Kolo Muani zu tun, den früheren Eintracht-Stürmer, der vor der Saison mit viel Getöse und für 95 Millionen Euro in die französische Hauptstadt gewechselt ist. Schon damals sollte Ekitiké im Gegenzug an den Main kommen, „aber es hat einfach nicht geklappt“. Kolo Muani, Mitspieler bei PSG, habe ihm aber nur Gutes berichtet von Frankfurt, „der Stadt, den Fans, dem Umfeld, dem Verein“. Das habe ihn zwar nicht beeinflusst, nach Deutschland zu wechseln, „aber ich habe aufmerksam zugehört“.
Einen deutlich größeren Einfluss hatte da schon PSG-Superstar Kylian Mbappé, der Pariser Himmelsstürmers ist so etwas wie der große Bruder von Hugo Ekitiké. „Durch ihn bin ich zu einem besseren Menschen und einem besseren Fußballer geworden“, sagt Ekitiké. Mbappé habe ihm zugeraten, nach Frankfurt zu wechseln: „Er hat mir empfohlen, hierhin zu gehen, um den nächsten Schritt meiner Karriere zu machen.“
Die ist in Paris nicht nur ins Straucheln geraten, sondern in einer Sackgasse gelandet. „Es hat nicht funktioniert, aber das gehört zu einer Karriere dazu. Das war mir eine Lehre.“ Umso glücklicher ist er, in Frankfurt zu sein, „hier wird mir Vertrauen gegeben, ich will es zurückzahlen.“ So wie damals in Reims bei seinem Heimatklub, wo er seinen Durchbruch schaffte. „Er hat etwas ganz Spezielles“, sagte sein damaliger Trainer Oscar Garcia. Fortan galt Ekitiké als Sturmjuwel des französischen Fußballs. So etwas kann eine Bürde sein, die Entwicklung eines jungen Menschen hemmen. Hugo Ekitiké nimmt in Frankfurt einen neuen Anlauf – auch wenn er sich noch etwas gedulden muss.
