SGE-Torhüter

Die Eintracht-Torhüter: Gerangel unter der Latte

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Viele trauen ihm eine große Zukunft zu: Torwart Kaua Morais Viera dos Santos.
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Zu viele Fehlstunden: Jens Grahl und Kaua Santos. Ein Torhüter steht auf dem Sprung - und der andere hilft ihm dabei.

Es kommt nicht so oft im Leben eines Torwarts vor, dass er Scorerpunkte erhält, noch dazu, wenn er kaum spielt. Jens Grahl kann da nur milde lächeln, ihm ist es gelungen, selbst wenn in seiner mehr als 15 Jahre andauernden Profikarriere nur 15 Bundesligaspiele bilanziert sind, davon elf bei der TSG Hoffenheim. Und es entbehrte ja nicht einer gewissen Pikanterie, dass ihm die Vorlage zu einem Tor just in Sinsheim gelungen war, wo er sieben Jahre lang spielte. Mit einem langen Schlag leitete er im Oktober den 1:1-Ausgleich durch Omar Marmoush ein, später gewann Frankfurt mit 3:1.

Jetzt muss Trapp liefern

Das Spiel war typisch für Jens Grahl, einen Ersatzspieler, der stets parat sein muss. Beim Aufwärmen winkte Stammkraft Kevin Trapp ab, der 35 Jahre alte Schwabe musste in die Kiste und tat so, als sei das nichts Besonderes. Ist es für ihn auch nicht: Seine Rolle in Frankfurt ist klar: Bereit sein für den Notfall. Er akzeptiert diese Rolle. Grahl hat in allen Ligen gespielt, wo man ihn hat spielen lassen: Bundesliga, Hessenliga, Regionalliga, Conference League, wenn er gebraucht wurde, war er da. Er ist ein fester Bestandteil der Mannschaft, er ist angesehen, sein Wort hat Gewicht in der Kabine, er ist, ewig gut gelaunt, ein positiver Mensch und so etwas wie der Papa der Kompanie, der hilft und unterstützt.

Natürlich auch seinen 15 Jahre jüngeren Torwartkollegen Kaua Santos, ein fast zwei Meter langer Schlaks aus Rio de Janeiro, dem viele eine große Karriere prophezeien. Vor allem soll der Brasilianer in dieser Saison näher ans Profiteam herangeführt werden, man traut ihm zu, Kevin Trapp eine ernsthafte Konkurrenz zu sein. Santos, Juniorennationalspieler Brasiliens, hat noch nie Bundesliga gespielt, er war zweimal im Kader, als „Jenson“ Grahl unter der Latte stand. Er hat 13 Spiele bei der U21 in der Regionalliga gemacht, 17 Gegentore gefangen, und sich mit einem Quartett an Torwächtern in er Kiste abgewechselt. Nun soll dem Langen der große Sprung gelingen. Santos gilt als mutiger Torwart mit offensiver Spieleröffnung, er kann seinen Strafraum beherrschen und „was mich bei jedem Torwart begeistert: Er hält Bälle“, sagt Torwarttrainer Jan Zimmermann. Seine Auftrag nun: Kevin Trapp Beine machen.

Eintracht-Zeugnis

Eintracht Frankfurt läuft am Ende auf Rang sechs ein, kann aber die Menschen in der abgelaufenen Saison nicht begeistern. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 3- für den Bundesligisten.

Das große Klassenbuch gibt’s dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – vom Primus über den Musterschüler bis hin zu den Sitzenbleibern.

Heute im Check: Jens Grahl, Kaua Santos.

Denn so furchtbar zufrieden mit Trapp war die Sportliche Leitung nicht, Markus Krösche hat bei seiner Saisonabschlussanalyse sehr deutliche Worte an die Adresse des Torhüters gerichtet: Von ihm verlange er eine deutliche Leistungssteigerung. Die Botschaft ist angekommen bei Trapp, der in den vergangenen Monaten einige sportliche Rückschläge hat verarbeiten müssen.

Allen voran seine Ausbootung aus dem EM-Kader, an der er zu knabbern hatte und die die Einschätzung der Frankfurter Sportführung im Grunde stützt. Das Spiel von hinten heraus, die langen Bälle, hat Trapp nicht so gut hingekriegt, dazu war es ihm seltener vergönnt, die sogenannten unhaltbaren Bälle zu halten. Solide, ordentlich, aber nicht überragend lief seine Saison. Die Erwartungen an ihn, das kennt Trapp, sind immer schon ein bisschen höher gewesen als bei anderen.

Wer den am Tag des Trainingsauftakts 34 Jahre alt werdenen Ehrgeizling kennt, weiß, dass er alles daran setzen wird, seinen Platz zumindest bei der Eintracht mit Klauen und Zähnen zu verteidigen. Trapp weiß, dass er liefern muss, er weiß, dass er in einer gewissen Bringschuld ist. Und als Leistungsträger, ja Aushängeschild der Frankfurter hat der Schlussmann auch ein Gesicht zu verlieren. Kann nur gut für die Hessen sein.

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