Leroy Sané zu Galatasaray? „Das hat mich sehr überrascht“
VonAdrian Kühnel
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Dass Leroy Sané vom FC Bayern zu Galatasaray wechselt, überrascht Markus Babbel sehr. Der Ex-Profi äußert im Interview Zweifel am Transfer.
München – Der Transfer ist in trockenen Tüchern, die Tinte unter dem Vertrag ist trocken: Leroy Sané ist ab dem 1. Juli offiziell Profi von Galatasaray Istanbul.
Der deutsche Nationalspieler hat sich gegen die Verlängerung seines auslaufenden Arbeitspapiers beim FC Bayern und für einen Wechsel in die Türkei entschieden, wo er künftig bis zu 15 Millionen Euro netto pro Saison einstreichen soll.
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Markus Babbel, ehemals Profi des FC Bayern, kritisiert im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, dass Sané bis Ende des Monats trotzdem mit den Münchnern bei der FIFA Klub-WM in den USA dabei ist. Außerdem äußert sich Babbel über Florian Wirtz und die gehandelten Transferkandidaten beim Rekordmeister.
Herr Babbel, Leroy Sané verlässt den FC Bayern ablösefrei zu Galatasaray. Wie bewerten Sie diesen Transfer?
Das hat mich sehr überrascht, weil er auf mich sehr introvertiert wirkt und ich glaube, man kann über die Türkei sehr viel sagen, aber introvertiert sind die nicht. Die sind sehr extrovertiert. Wie das zusammenpasst, da bin ich mal sehr gespannt, ob er sich da wohlfühlt – da habe ich doch meine großen Fragezeichen. Es ist dann schlussendlich weniger, glaube ich, ums Sportliche gegangen, sondern mehr ums Finanzielle. Und was ja völlig legitim ist, er hat ein Angebot, das sensationell ist, ohne dass er nach Saudi-Arabien oder wohin muss, sondern er ist nach wie vor, trotz alledem, in Europa, in einer Weltstadt. Aber ob ihm die Mentalität dort gefällt, da habe ich doch große, große Zweifel.
Kurios: Sané spielt nach seinem verkündeten Wechsel noch die Klub-WM für den FC Bayern – zumindest bis Ende des Monats. Wie finden Sie das?
Man meint ja immer, man hat schon alles gesehen und gehört und man wird doch immer wieder eines Besseren belehrt. Wo ich das gehört habe, das konnte ich ja überhaupt nicht nachvollziehen. Man dachte vielleicht, sie wollen noch die eine oder andere Million rausholen, dass Galatasaray bezahlt, damit er das nicht macht. Doch die Türken haben sich scheinbar dagegen entschieden. Das erste Spiel ist er ja schon mal nicht eingesetzt worden. Es gibt Dinge, da meint man, man hat schon alles gesehen und trotzdem wird man immer wieder eines Besseren belehrt und überrascht, weil das kann man ja eigentlich nicht nachvollziehen.
Die Bayern-Bosse müssen nun einen Nachfolger für den Angriff finden. Nico Williams, Rafael Leão – wer wäre Ihr Favorit?
Mir ist es immer ein Rätsel, warum Leão so hoch im Kurs steht. Sobald irgendetwas auf den Außenpositionen entsteht, ist sofort sein Name aktuell. Ich weiß nicht, haben Sie schon mal zwei gute Spiele von ihm hintereinander gesehen? Also ich noch nicht. Und ich schaue viel. Klar, er hat ein brutales Potenzial, das sehe ich auch. Aber mittlerweile ist er keine 20 mehr, sondern schon 26. Und er ist ja auch nicht unumstritten bei der AC Milan. Genau aus diesem Grund. Du weißt nicht, was du mit ihm bekommst. Er kann herausragend gut spielen, aber wie gesagt, das kommt sehr selten vor. Es ist eher ein Sané 2.0, weil auch bei Leroy siehst du ja immer dieses großartige Potenzial, nur er war auch nicht in der Lage, das über einen längeren Zeitraum abzurufen. Williams ist noch ein junger Bursche und der hat das Potenzial, ohne Wenn und Aber. Aber bei Bilbao schafft er es eben auch nicht, in einer hohen Konstanz die Leistungen abzurufen. Deswegen bin ich da sehr gespannt, auf wen sie dann gehen werden.
Wen würden Sie stattdessen empfehlen?
Ich bin Gott sei Dank kein Scout beim FC Bayern, weil mir Stand heute aus dem Stegreif nur genau drei Leute einfallen würden, die zum Glück alle bei meinem FC Liverpool spielen. Ob Gakpo, Díaz oder Salah – das sind Spieler, die mir persönlich Freude bereiten, weil sie permanent abliefern. Der Niederländer Gakpo, der nicht nur vorbereiten kann, sondern eben auch selber Tore erzielen kann, gefällt mir persönlich wahnsinnig gut. Oder auch Díaz, der wahrscheinlich eher nach Spanien tendiert, wenn er den Verein verlassen sollte – das sind eben Spieler, die mir viel Freude bereiten, weil ich einfach weiß, was ich bekomme. Das sind Spieler, die in einer Regelmäßigkeit ihre Leistungen abrufen und dich einfach besser machen.
Florian Wirtz wechselt nun, wenn nichts mehr schiefgeht, zu Liverpool statt zu Bayern. Die richtige Entscheidung?
Erstmal: Hut ab. Er verlässt völlig seine Komfortzone! Für mich war Bayern aus einer logischen Sichtweise heraus das etwas Einfachere. Du gehst zum FC Bayern, wir reden von einem riesigen Klub, aber du sprichst die Sprache, du kennst viele Spieler, du hast die Möglichkeit, dich relativ schnell wohlzufühlen. Jetzt macht er komplett was anderes und geht zu einem Verein, wo ich erst mal sage, so wie die im Moment spielen, ist seine Position da eigentlich gar nicht so richtig dabei. Liverpool bekommt jedenfalls einen Bombenspieler. Für die Bundesliga ist es schade, logisch, weil wir ungern so hochkarätige Spieler verlieren. Und das ist einer der wenigen, die wir haben.
Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit Sportwetten ohne Verifizierung mit Markus Babbel gesprochen
Markus Babbel, geboren in München, spielte für den FC Bayern, den Hamburger SV, den FC Liverpool, Blackburn und den VfB Stuttgart. Mit dem DFB-Team wurde er 1996 Europameister. Später war er Trainer in Stuttgart, bei Hertha BSC, der TSG Hoffenheim sowie dem FC Luzern und bei Western Sydney.