VonIngo Durstewitzschließen
Jens Petter Hauge darf sich nach einem verkorksten Jahr in Belgien nochmal zeigen. Auch andere Eintracht-Leihgaben sollen vorspielen, andere Frankfurt verlassen.
Frankfurt – Die Sterne hat er auch in Belgien nicht vom Himmel gespielt, der 23 Jahre alte Profifußballer Jens Petter Hauge. So ziemlich das Gegenteil ist sogar der Fall. 17 Ligaspiele bestritt die Offensivkraft als Leihgabe von Eintracht Frankfurt in der Jupiler Pro League für KAA Gent, einmal stand er nur in der Startelf, kein einziges Mal hat er den Ball ins Tor geschossen. In den sechs Playoff-Partien kam er für genau acht Minuten zum Einsatz. Die Wahrheit ist: Es war ein verlorenes, verkorkstes Jahr für den Norweger, der eigentlich nach Belgien verliehen wurde, um als anderer Spieler zurückzukehren. Das hatte ja einst bei Regisseur Daichi Kamada gut geklappt und auch bei Abwehrmann Tuta. Bei Hauge nicht.
Sportvorstand Markus Krösche ist dennoch der festen Überzeugung, dass Hauge ein anderer Spieler geworden ist, auf alle Fälle charakterlich, er wirke reifer, reflektierter. „Er macht einen sehr guten Eindruck“, sagt der Eintracht-Manager nach einer ausführlichen Unterhaltung mit dem Stürmer. „Manchmal hilft solch eine Zeit, um als Persönlichkeit zu wachsen, und hier hat er einen großen Sprung gemacht.“ Und auch sportlich sei er trotz der wenigen Spielzeit gut ins Schuss. „Er ist körperlich in einer sehr guten Verfassung“, befindet Krösche. Hauge hat Gewicht verloren, dafür Muskeln aufgebaut, er wirkt athletischer, drahtiger. Und er wird bei der Eintracht noch einmal die Möglichkeit erhalten, sich zu beweisen. „Er wird seine Chance bekommen“, sagt Krösche. Es wird, da muss man kein Prophet sein, seine letzte sein.
Und natürlich stellt sich die Frage, weshalb er jetzt auf einmal durchstarten und es in der Bundesliga packen sollte, obwohl er es nicht mal in der sicher nicht so gutklassigen belgischen Liga geschafft hat. Krösche aber sieht etwas in dem früheren norwegischen Nationalspieler, sportlich bringe er alles mit, „er hat ein riesiges Potenzial.“ Doch der Kopf habe bei ihm häufiger mal die Beine gelähmt. Das soll sich ändern. Natürlich wird Hauge auch deshalb nicht abgeschrieben, weil er Kapital bindet. Die Eintracht investierte einst mehr als zehn Millionen Euro in den Rechtsaußen. Ein Haufen Zaster.
Eintracht Frankfurt: Matanovic wird geprüft
So viel hat sie in Igor Matanovic natürlich nicht gesteckt, nicht mal ein zehntel dessen, als sie den damals 18-Jährigen vor zwei Jahren vom FC St. Pauli verpflichtet und ihn direkt wieder an seinen Stammverein verliehen hat. Das war eigentlich eine gute Idee, am Millerntor sollte der 1,94 Meter große Stürmer in gewohnter Umgebung reifen können. Doch in der Praxis hat es dann nicht so geklappt wie erhofft. Das lag auch an einer schweren Schulterverletzung, die den in Hamburg geborenen Kroaten fast die gesamte Rückrunde auf Eis legte. Erst ganz zum Schluss kam er noch mal zum Einsatz, aber auch die Vorsaison lief schon nicht mehr gut für den in Hamburg vorschnell als Juwel gefeierten Angreifer. Da standen in 18 Zweitligaspielen nur zwei Tore in der Statistik.
Dennoch soll sich der inzwischen 20-Jährige in Frankfurt vorstellen. Das neue Trainerteam um Dino Toppmöller wird ihn genau unter die Lupe nehmen und dann entscheiden, ob er eine Chance erhält oder doch noch mal verliehen wird. „Igor ist ein sehr talentierter Spieler, der technisch versiert und physisch stark ist“, sagte Manager Krösche. „Er hat viel Potenzial.“
Das wurde auch Ragnar Ache schon mal nachgesagt, doch der schnelle Stürmer konnte das in Frankfurt nie wirklich heben, weshalb er vor einem Jahr an die Spielvereinigung Greuther Fürth verliehen wurde. Am Ronhof schlug sich der 24-Jährige sehr achtbar, avancierte zum Stammspieler. In 32 Ligaspielen machte er sieben Tore und bereitete vier weitere vor, dreimal verhinderte noch das Aluminium einen Einschlag im Gehäuse. Die Fürther sind nicht abgeneigt, den Angreifer auch über die Saison hinaus auszuleihen – die Frankfurter ebenfalls nicht. Gehobenes Bundesliganiveau wird Ache, noch von Krösche-Vorgänger Fredi Bobic geholt, nicht zugetraut.
Akman soll gehen
Genauso wenig wie Mittelstürmer Ali Akman, der nun auch schon zum zweiten Mal verliehen wurde – mit mehr als überschaubarem Erfolg. Der 21-Jährige, von Ex-Chefscout Ben Manga entdeckt und von Fredi Bobic verpflichtet, hat in der Heimat bei Göztepe Izmir eine Saison zum Vergessen hinter sich: 14 Spiele, meist Kurzeinsätze, null Tore. In der Rückrunde kam er so gut wie gar nicht mehr zum Einsatz – in der zweiten türkischen Liga wohlgemerkt. Akman hat bei der Eintracht keine Chance, ist viel zu langsam für die Bundesliga, hat körperliche Defizite und kann in puncto Dynamik nicht mithalten. Er soll unter allen Umständen abgegeben werden, was gar nicht so leicht ist, weil er gutes Geld verdient, mehr als eine Million Euro.
Und dann gibt es da ja noch Jerome Onguene, der bei der Eintracht keine Chance hatte und nach Salzburg verliehen war, aber aufgrund einer Verletzung schon länger wieder in Frankfurt weilt. Für die Österreicher hat er, genau wie für die Hessen, keine Minute spielen dürfen. Auch der Verteidiger kann gehen, sollte sich ein Verein finden.
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