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Im exklusiven Interview mit dem Münchner Merkur spricht Lindsey Vonn über die Verlängerung ihrer Karriere, ihre anhaltenden Depressionen und darüber, warum sie ihre Beziehung beenden musste.
Garmisch-Partenkirchen – Sieben ihrer insgesamt 79 Weltcupsiege feierte Lindsey Vonn in Garmisch-Partenkirchen, einmal sogar im Slalom (2009). In den beiden Abfahrten am Samstag (Sprint/10.30 Uhr und Sonntag 12.30 Uhr), den Gereralproben für Olympia, könnte die „grande dame“ der Schussfahrt ihre Bilanz weiter aufbessern (Fis-Renndirektor bläst Damen-Training ab: So geht‘s jetzt weiter). Die 33-Jährige hat derzeit nur eines im Kopf: Acht Jahre nach Vancouver nochmal Gold in der Abfahrt zu gewinnen. Im Interview erzählt Lindsey Vonn, warum sie ganz sicher so lange weiterfährt, bis der Rekord von Ingemar Stenmark gebrochen ist, dass sie immer noch Medikamente gegen Depressionen nimmt, warum ihre vielen Verletzungen auch Vorteile hatten, warum sie ihre Beziehung beenden musste - und warum sie unbedingt gegen die Männer fahren will. Lindsey Vonn hat noch lange nicht genug.
Lindsey Vonn: Ja sicher, ich liebe Schokolade. Und Eis! Nichts ist verboten für mich.
Vonn: Es ist komisch, dass ich diesen Rekord habe. Im Kopf fühle ich mich nicht so alt, körperlich habe ich sicher das Gefühl, dass ich viel gemacht habe in 33 Jahren. Aber ich habe immer noch die Motivation zu fahren, immer noch den Willen zu gewinnen. Im Prinzip fühle ich mich wie 25.
Vonn: (lacht) Ein Rennen mit zwei Läufen muss man taktischer angehen, muss einen guten Plan haben. In der Abfahrt kannst du zum Beispiel nicht in beiden Läufen die gleichen Ski benutzen, das geht nicht. Ich finde es cool, vielleicht ist es spannender für die Zuschauer. Nicht jede Abfahrt soll ein Sprint sein, aber ab und zu ist es gut.
Lindsey Vonn: „Ich will den Rekord und die Gold-Medaille“
Vonn: Und es sind fast sicher meine letzten. Ich habe acht Jahre darauf gewartet (2014 verletzt/d.Red). Ich denke an Gold, wenn ich in der Früh aufstehe und wenn ich abends ins Bett gehe. Ich freue mich so sehr auf diese Olympischen Spiele!
Vonn: Ich will beides. Im Moment bin ich nur auf diese Medaille in Südkorea fokussiert. Danach werde ich an den Rekord denken.
Vonn: Ja, ganz sicher. Ich hoffe, es dauert nicht so lange.
Vonn: Ich hatte sicher viele Verletzungen und Schmerzen, aber ich habe nie gedacht: Jetzt ist es zuviel, ich muss aufhören. Nie. Ich habe immer an die nächsten Ziele gedacht, wie lange es dauert in der Reha, bis ich wieder fahren kann. Man muss weiterkämpfen. Ich gebe nie auf, das gibt es nicht in meinem Charakter.
Lindsey Vonn: „Die Antidepressiva muss ich konstant nehmen“
Vonn: Natürlich fühle ich, dass mein Körper nicht mehr so jung ist. Ich arbeite hart daran, dass sich mein Körper gut fühlt. Ich bin jeden Tag gut drauf, das hilft sicher. Aber ich spüre den Verschleiß fast immer.
Vonn: Immer, seit Jahren. Das muss man konstant nehmen. Vielleicht kann ich nach meiner Karriere versuchen, ein bisschen weniger zu nehmen.
Vonn: Skifahren ist die beste Medizin für mich, das macht mich happy. Ich mache zuhause auch Therapien, wenn es mir ab und zu sehr schlecht geht. Aber skifahren hilft mir sehr sehr viel. Deshalb weiß ich nicht, was ich nach der Karriere machen werde ...
Vonn: Ich habe ein Ziel. Es macht mich jeden Tag happy, wenn ich skifahren kann. Deshalb werde ich alles geben, so lange zu fahren wie möglich. Danach muss ich eine andere Lösung finden.
Vonn: Ohne Verletzungen hatte ich vor, mit 30 Jahren aufzuhören. Das war immer mein Plan. Wegen der Verletzungen habe ich meine Karriere verlängert. Das hat geholfen. Die Rekorde von Ingemar Stenmark (86 Siege im Weltcup) oder Annemarie Moser-Pröll (62 Siege, schon überboten) zu brechen, das war früher nie in meinem Kopf. Ich dachte gar nicht daran, dass ich das schaffen könnte. Jetzt ist die Möglichkeit da – vielleicht waren die Verletzungen deshalb auch gut für mich.
Beziehung beendet, „weil meine Ziele zu wichtig waren für mich“
Vonn: Es ist einfacher für einen Mann, noch Ski zu fahren und eine Familie zu haben. Mein erstes Ziel im Moment ist Skifahren. Danach kann ich versuchen, eine Familie zu gründen. Aber erst brauche ich einen Mann... (lacht). Das ist gar nicht so einfach. Aber nach der Karriere wird hoffentlich alles zusammenpassen.
Vonn: Ich musste die Beziehung beenden, weil meine Ziele zu wichtig waren für mich. Skifahren ist für mich immer die Nummer eins, beides war nicht zu vereinbaren. Aber ich habe Zeit, bin noch jung – das bereitet mir keine Sorgen.
Vonn: Ja, höchstens für ein paar Tage (lacht). Entweder Vollgas – oder im Bett schlafen oder vor dem Fernsehen sitzen. Dazwischen gibt es nicht viel. Ich kann einfach nicht lange ruhig sitzen.
Vonn: Die Idee entstand vor meinen Verletzungen. In dieser Zeit hatte ich wirklich eine gute Chance, schnell zu sein. Jetzt, nach den Verletzungen, weiß ich nicht, ob ich Männer schlagen könnte. Ich hoffe, ich könnte unter den Top 30 sein, was sicher nicht einfach ist. Vielleicht würde ich auf dem letzten Platz landen – auch damit wäre ich zufrieden. Dann weiß ich, wo ich stehe. Aber ich möchte einmal die Chance haben, um dieses Ziel in meinem Leben zu erreichen.
Das Gespräch führte Jörg Köhle

