Champions League

Luis Enrique: Der Puzzler von Paris

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Ist nach dem Gewinn der Meisterschaft schon hoch geflogen: PSG-Trainer Luis Enrique.
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Es musste erst der Spanier Luis Enrique als Trainer kommen, damit beim französischen Meister Paris St. Germain eine besondere Gemeinschaft entsteht, die die Champions League gewinnen kann.

Natürlich will Luis Enrique nichts davon wissen, dass die Angelegenheit gegen den FC Arsenal schon entschieden ist. Nur weil Paris St. Germain das Halbfinalhinspiel mit 1:0 gewonnen hat, soll bitte keiner das zweite Duell im Prinzenpark (Mittwoch 21 Uhr/Dazn) unterschätzen. „Es ist wieder nichts gewonnen“, sagte der 54-Jährige bereits in London. „Für die Fußballfans wird es ein spannendes Rückspiel.“

Er müsse doch nur ans eigene Achtelfinale gegen den FC Liverpool erinnern, als eben die Pariser zu Hause mit demselben Ergebnis unglücklich unterlagen. Und dann? „Sind wir nach Anfield gefahren, um das Spiel zu gewinnen.“ Dort vollbrachte Enriques Ensemble das erste Meisterwerk.

Es hat erst dieser spanische Fußballlehrer kommen müssen, um beim französischen Meister die teuren Puzzleteile richtig zusammenzusetzen. Die Chance ist real, dass dieses aus Katar alimentierte Konstrukt wirklich nach dem Champions-League-Sieg greift. „Für mich ist er aktuell der beste Trainer der Welt“, flötete kürzlich sein Präsident Nasser Al-Khelaifi. „Er hat die Vision. Er hat den Plan für die Zukunft. Dass jeder für jeden arbeitet, für den Sieg, für die drei Punkte, für die Offensive, für die Defensive: Das ist der neue Stil.“

Neymar, Messi und Mbappé sind passé

Der Multifunktionär und Firmenchef hat über Jahre vor allem große Namen verpflichtet. Doch erst ohne Superstars wie Neymar, Lionel Messi und Kylian Mbappé läuft es. Obwohl es in der Ligaphase anfangs noch kräftig ruckelte, sind die Fortschritte an der Seine jetzt offensichtlich: Aus der dysfunktionalen Ansammlung von Individualisten ist ein funktionierendes Kollektiv entstanden.

Diese Mannschaft folgt, wenn Intensität von der Trainerbank gepredigt wird. Die Pressing- und Laufdaten sind beeindruckend. Notfalls wird auch mal bis zur Erschöpfung verteidigt. Dass Gianluigi Donnarumma wiederholt in Weltklasseform hielt, half natürlich. Vergessen, dass der kaum zu überwindende Italiener im Auswärtsspiel beim FC Bayern (0:1) mal die Bank drückte. Auch Trainer können mal irren. Gerade bei Torhütern.

Mit dem Endspiel am 31. Mai in München würde sich für Enrique gewissermaßen ein Kreis schließen. Dieser Mann jubelte beim letzten Champions-League-Finale auf deutschem Boden noch mit deutlich dunklerem Haar: Als der FC Barcelona am 6. Juni 2015 im Berliner Olympiastadion gegen Juventus Turin triumphierte, brillierten auf dem Rasen noch Neymar und Messi. Enrique verantwortete an der Linie das zweite Triple der Katalanen, denen ihr Coach in drei Spielzeiten immerhin neun Titel bescherte. 

2018 übernahm der Familienvater fast folgerichtig die spanische Nationalmannschaft, die bei der WM in Russland früh gescheitert war. Alles schien für den nächsten Karriereschritt gerichtet, bis Enrique bei Länderspielen im Frühjahr 2019 aus privaten Gründen fehlte, die sich alsbald als persönliche Tragödie entpuppten.

Wenige Monate später gab er selbst bekannt, dass seine Tochter Xana an Knochenkrebs litt. Ihr Tod mit erst neun Jahren im August 2019 warf vieles über den Haufen. Dennoch kehrte er bereits im November zurück. Zu schnell, sagen viele.

Denn da waren nicht nur die Konflikte mit seinem früheren Assistenten Robert Moreno, der längerfristig auf den Cheftrainerposten geschielt hatte, sondern auch die Dissonanzen mit Real Madrid, wo er immerhin acht Jahre selbst gespielt hatte.

Die Königlichen zürnten, weil Enrique deren Stars für die EM 2021 nicht berufen wollten – vor allem nicht den Haudegen Sergio Ramos. Weil das Nationalteam bei jenem Turnier im Halbfinale gegen Italien genauso im Elfmeterschießen scheiterte wie bei der WM 2022 im Achtelfinale gegen Marokko, gingen ihm die Argumente aus, obwohl er zwischenzeitlich in der Nations League mal Deutschland mit 6:0 düpiert hatte. Nach dem Reinfall in Katar trat der Asturier zurück.

Von seinem eingeleiteten Jugendstil sollte sein Nachfolger Luis de la Fuente bei der EM 2024 in Deutschland profitieren. Enrique hat derweil auf Vereinsebene ein Team nach seinen Vorstellungen gebaut. Durchs Rüttelsieb rauschte unter anderem der für 95 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt verpflichtete Stürmer Randal Kolo Muani.

Dafür kommen Hochbegabte wie Désiré Doué und Warren Zaire-Emery, beide erst 19, zum Zuge. Oder Wunschspieler wie der Georgier Khvicha Kvaratskhelia (SSC Neapel) oder der Portugiese João Neves (Benfica Lissabon), beide keine Schnäppchen, aber Leistungsträger.

Pacho ist der Prototyp für diesen Trainer

Auch ehemalige Bundesligaprofis wie Achraf Hakimi (Borussia Dortmund), Willian Pacho (Eintracht Frankfurt), Lucas Hernández (Bayern München) oder Ousmane Dembélé (Borussia Dortmund) bekleiden Schlüsselrollen. 40-Millionen-Einkauf Pacho verkörpert vielleicht sogar den Prototyp fürs Anforderungsprofil des Förderers Enrique: „Wir wollen Spieler, die hungrig sind.“

Der 23 Jahre alte Ecuadorianer ist an der Seite des zum Kapitän beförderten Brasilianers Marquinhos in der Abwehrzentrale gesetzt, weil er ohne jeden Schnörkel spielt. Schleifchen sind in diesem Klub genug kredenzt worden. Es geht darum, endlich alle Kräfte zu bündeln, um diesen Pott mit den riesigen Henkeln in den Händen zu halten.

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