Eintritt in eine neue Welt

Luka Jović löste 180-Grad-Wende bei Eintracht Frankfurt aus

  • schließen

Mit Luka Jović begann bei Eintracht Frankfurt ein neues Zeitalter. Es folgte eine Richtungsentscheidung mit weitreichenden Konsequenzen.

Frankfurt – Die Millionen, die Eintracht Frankfurt im Sommer 1988 für Pokalheld Lajos Detari bekam? Auch bis heute weiß um den Stadtwald herum niemand, wo sie vergraben wurden. Es ist ein Mythos, ein „Running Gag“. Der Ungar führte die Liste der teuersten Verkäufe der Historie der Hessen von beinahe 30 (!) Jahre an, er brachte dem Klub umgerechnet rund 8,7 Millionen Euro ein.

Was sich heutzutage nach „Peanuts“ anhört, war damals eine Wucht: Frühere Weltklassespieler wie Lothar Matthäus oder Jürgen Klinsmann ließ sich der aufnehmende Klub Inter Mailand 3,6 Millionen Euro und 6,5 Millionen Euro kosten.

Detari war für einige Zeit so etwas wie der Neymar der Neuzeit. Trotz aller rasanten Entwicklungen im Fußball-Business dauerte es etwas, bis die in den 90er Jahren finanziell traditionell gebeutelten und sportlich wankelmütigen Frankfurter wieder einen Millionenverkauf landeten und erstmals an der Zehn-Millionen-Euro-Marke kratzten.

Jović führte Eintracht in eine neue Ära

2015 erst folgte Torhüter Kevin Trapp für 9,5 Millionen Euro zu Paris-Saint Germain. Die ganz großen Sprünge gab es aber weiterhin nicht bei den Hessen. Während an anderen Bundesliga-Standorten mächtig investiert wurde, hatte der damalige Vorstandsboss Heribert Bruchhagen die eiserne Regel implementiert, nicht mehr auszugeben als man einnimmt.

Luka Jović und Ante Rebic waren Teil der Eintracht-Büffelherde

Diese Strategie sicherte seit 2005, mit Ausnahme von der Saison 2011/12, regelmäßig die Bundesliga und ließ den Klub vereinzelte Highlights (Pokalfinale 2006 oder die Reise nach Bordeaux 2013) erleben. Nachhaltige Fortschritte waren aber nicht zu erkennen. Die Eintracht war insgesamt graues Mittelmaß, vieles blieb Stückwerk.

Wenn man sicher zwischen Rang neun und zwölf landete, gab es keinen Aufschrei mehr im Umfeld. Die Alarmglocken schrillten erst, als im Sommer 2016 in letzter Sekunde via Relegation die Klasse gehalten wurde. Das war dann doch für die Ansprüche etwas zu wenig und führte zum wohl wichtigsten Umbruch der 126-jährigen Vereinsgeschichte.

Mit Nachfolger Fredi Bobic änderte sich die Vorgehensweise, die Eintracht wurde mutiger auf dem Transfermarkt und vollzog drei Jahre nach dessen Installation endgültig eine 180-Grad-Wende. Am 4. Juni 2019 war ein historischer Tag für die Hessen. Bobic verkündete den Abgang von Luka Jović zu Real Madrid. Im Gesamtpaket war der Deal 63 Millionen Euro schwer für die Königlichen, wobei noch Ex-Klub Benfica Lissabon einen ordentlichen Teil abbekam.

100 Jahre Waldstadion: Eine Zeitreise in Bildern durch die Frankfurter Arena – Von Ali bis CR7

Seit 2021 heißt die Frankfurter Arena Deutsche Bank Park.
Seit 2020 heißt die Frankfurter Arena Deutsche Bank Park. © Boris Roessler/dpa
Ein erstes Foto vom 1925 eingeweihten Waldstadion: Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1926.
Ein erstes Foto vom 1925 eingeweihten Waldstadion: Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1926. © dpa/Archiv
Fünf Jahre nach dem „Wunder von Bern“ feierte Eintracht Frankfurt im Waldstadion den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.
Nach den dunklen 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts unter der NS-Herrschaft, brachte auch der Sport den Menschen wieder Freude. Fünf Jahre nach dem „Wunder von Bern“ feierte Eintracht Frankfurt im Waldstadion den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.  © dpa/Archiv
Karl Mildenberger (r) und Muhammad Ali boxen um den WM-Titel 1966 im Schwergewicht im Waldstadion.
Karl Mildenberger (r) und Muhammad Ali boxen um den WM-Titel 1966 im Schwergewicht im Waldstadion. © dpa/Archiv
Ali gewann nach 12 Runden durch technischen K.O.
Ali gewann nach 12 Runden durch technischen K.O. © Willi Gutberlet/dpa
Auf dem Weg zum zweiten Stern: Frank Schöbel sang bei der Eröffnung der Fußball-WM 1974 in Frankfurt. Am Ende holte Deutschland den Titel.
Auf dem Weg zum zweiten Stern: Frank Schöbel sang bei der Eröffnung der Fußball-WM 1974 in Frankfurt. Am Ende holte Deutschland den Titel. © Karl Schnörrer/dpa
Weltstars im Frankfurter Waldstadion: Pélé (links) und Uwe Seeler bei der WM-Eröffnung 1974.
Weltstars im Frankfurter Waldstadion: Pélé (links) und Uwe Seeler bei der WM-Eröffnung 1974. © Karl Schnörrer/dpa
Fußball wurde 1974 natürlich auch gespielt im Frankfurter Waldstadion. An die Wasserschlacht gegen Polen erinnern heute noch die Länderspiel-Kommentatoren, wenn es stark regnet.
Fußball wurde 1974 natürlich auch gespielt im Frankfurter Waldstadion. An die Wasserschlacht gegen Polen erinnern heute noch die Länderspiel-Kommentatoren, wenn es stark regnet. © Istvan Bajzat/dpa
Die „Wasserschlacht von Frankfurt“ entschied die BRD-Elf übrigens mit 1:0 für sich.
Die „Wasserschlacht von Frankfurt“ entschied die BRD-Elf übrigens mit 1:0 für sich. © dpa
1980 feierte Eintracht Frankfurt den UEFA-Pokalsieg im Final-Rückspiel gegen Borussia Mönchengladbach.
1980 feierte Eintracht Frankfurt den UEFA-Pokalsieg im Final-Rückspiel gegen Borussia Mönchengladbach. © Roland Witschel/dpa
UEFA-Pokal 1993: Eintracht Frankfurt empfängt Dnjepr Dnjepropetrowsk im Waldstadion.
UEFA-Pokal 1993: Eintracht Frankfurt empfängt Dnjepr Dnjepropetrowsk im Waldstadion. © Frank Kleefeldt/dpa
In den 1990er-Jahren bereicherte eine weitere Sportart das Waldstadion: American Football mit Frankfurt Galaxy.
In den 1990er-Jahren bereicherte eine weitere Sportart das Waldstadion: American Football mit Frankfurt Galaxy. © Oliver Stratmann/dpa
Für Eintracht Frankfurt waren die 90er ein schwieriges Jahrzehnt. Die Fans erlebten den ersten Abstieg aus der Bundesliga – und den ersten Aufstieg aus der Zweiten. Für das alte Waldstadion war die Zeit abgelaufen.
Für Eintracht Frankfurt waren die 90er ein schwieriges Jahrzehnt. Die Fans erlebten den ersten Abstieg aus der Bundesliga – und den ersten Aufstieg aus der Zweiten. Für das alte Waldstadion war die Zeit abgelaufen. © Oliver Berg/dpa
Marius Müller-Westernhagen live im Waldstadion: Wenige Jahre nach seinem Konzert im Jahr 2000 wurden die alten Mauern abgerissen.
Marius Müller-Westernhagen live im Waldstadion: Wenige Jahre nach seinem Konzert im Jahr 2000 wurden die alten Mauern abgerissen. © Arne Dedert/dpa
Das fast vollbesetzte Frankfurter Waldstadion während des Abschlussgottesdienstes für den 29. Evangelischen Kirchentag im Sommer 2001.
Das fast vollbesetzte Frankfurter Waldstadion während des Abschlussgottesdienstes für den 29. Evangelischen Kirchentag im Sommer 2001. © Frank May/dpa
Für die WM 2006 in Deutschland sollte auch der Standort Frankfurt modernisiert werden. Die Tribünen des alten Waldstadions wurden nach und nach niedergerissen.
Für die WM 2006 in Deutschland sollte auch der Standort Frankfurt modernisiert werden. Die Tribünen des alten Waldstadions wurden nach und nach niedergerissen. © Arne Dedert
Die Eintracht trug während des Umbaus weiter ihre Heimspiele im Waldstadion aus. Es waren turbulente Jahre mit Abstiegen 2001 und 2004 sowie Aufstiegen 2003 und 2005.
Die Eintracht trug während des Umbaus weiter ihre Heimspiele im Waldstadion aus. Es waren turbulente Jahre mit Abstiegen 2001 und 2004 sowie Aufstiegen 2003 und 2005. © Arne Dedert/dpa
2025 steht das neue Waldstadion bereits seit 20 Jahren. Eintracht Frankfurt erlebte in der neuen Arena nur eine Zweitligasaison – 2011/12.
2025 steht das neue Waldstadion bereits seit 20 Jahren. Eintracht Frankfurt erlebte in der neuen Arena nur eine Zweitligasaison – 2011/12. © Arne Dedert/dpa
Noch ohne Dach: Fans im Waldstadion 2004 beim Spiel der Eintracht gegen Bayern München.
Noch ohne Dach: Fans im Waldstadion 2004 beim Spiel der Eintracht gegen Bayern München. © Oliver Weiken/dpa
Geschafft: Das neue Stadion steht – und heißt ab sofort Commerzbank Arena.
Geschafft: Das neue Stadion steht – und heißt ab sofort Commerzbank Arena. © Boris Roessler/dpa
Als WM-Gastgeber 2006 trug Deutschland auch den Confederations Cup im Jahr zuvor aus. 2005 kickte Brasilien gegen Argentinien im Waldstadion.
Als WM-Gastgeber 2006 trug Deutschland auch den Confederations Cup im Jahr zuvor aus. 2005 kickte Brasilien gegen Argentinien im Waldstadion. © Bernd Weißbrod/dpa
Wieder WM, wieder ein Weltstar zu Gast: Diego Maradona bejubelte seine Albiceleste im Waldstadion. 2006 noch zu jung für den argentinischen Kader: Lionel Messi.
Wieder WM, wieder ein Weltstar zu Gast: Diego Maradona bejubelte seine Albiceleste im Waldstadion gegen die Niederlande. 2006 noch zu jung für den argentinischen Kader: Lionel Messi. © Bernd Weissbrod/dpa
Messi zog es erst 2012 bei einem Testspiel auf den Frankfurter Rasen – da war er dann schon kaum zu stoppen.
Messi zog es erst 2012 bei einem Testspiel auf den Frankfurter Rasen – da war er dann schon kaum zu stoppen. © Frank Kleefeldt/dpa
Cristiano Ronaldo hingegen feierte 2006 seine erste WM-Teilnahme. Im Frankfurter Waldstadion war er mit Portugal gegen den Iran am Ball.
Cristiano Ronaldo hingegen feierte 2006 seine erste WM-Teilnahme. Im Frankfurter Waldstadion war er mit Portugal gegen den Iran am Ball. © Bernd Weissbrod/dpa
18 Jahre später spielte Ronaldo sein wohl letztes großes Turnier für sein Heimatland. 2024 führte ihn das EM-Viertelfinale gegen Slowenien wieder nach Frankfurt.
18 Jahre später spielte Ronaldo sein wohl letztes großes Turnier für sein Heimatland. 2024 führte ihn das EM-Viertelfinale gegen Slowenien wieder nach Frankfurt. © Torsten Silz/dpa
Die EM 2024 war das bislang letzte große Highlight für die Arena, die inzwischen unter dem Namen Deutsche Bank Park firmierte.
Die EM 2024 war das bislang letzte große Highlight für die Arena, die inzwischen unter dem Namen Deutsche Bank Park firmierte. © Torsten Silz/dpa
Neben dem Fußball ist der Deutsche Bank Park in Frankfurt inzwischen auch eine feste Größe in der Riege der Stadionkonzerte in Deutschland. 2022 waren beispielsweise Coldplay zu Gast.
Neben dem Fußball ist der Deutsche Bank Park in Frankfurt inzwischen auch eine feste Größe in der Riege der Stadionkonzerte in Deutschland. 2022 waren beispielsweise Coldplay zu Gast. © Andreas Arnold/dpa

Bobic stellte dennoch fest: „Für uns war klar, dass es eine finanzielle Schmerzgrenze gibt. Für Eintracht Frankfurt ist das ein guter und wichtiger Transfer.“ Die Büffelherde der Hessen hatte sich durch spektakuläre Leistungen in allen Wettbewerben schneller als der Klub selbst entwickelt. Wenige Wochen später folgte der Verkauf von Sébastien Haller für über 50 Millionen Euro in Richtung West Ham United, Ante Rebic wurde mit André Silva von der AC Mailand getauscht.

Unter Eintracht-Sportvorstand Bobic gab es einen Paradigmenwechsel

Die Verantwortlichen des Klubs sprechen nach Informationen von fussball.news, dem Fußballportal von IPPEN.MEDIA, rückblickend von einem „Paradigmenwechsel“. Vorstand und Aufsichtsrat, zu diesem Zeitpunkt noch angeführt von Wolfgang Steubing, nahmen einen Beschluss vor und änderten die Strategie. Die Werte sollten auf dem Platz wachsen! Die Frankfurter, die bis 2017 den von Haller (Sockelbetrag lag bei knapp sieben Millionen Euro) abgelösten Brasilianer Caio (3,6 Millionen Euro) als teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte führten, erreichten dadurch ein neues Level.

Die starke Arbeit von Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Chefscout Ben Manga hatte Früchte getragen. Der steile Weg nach oben wurde durch die Coronapandemie kurzzeitig zwar jäh ausgebremst. Und doch hatte man Statements auf dem Transfermarkt gesetzt und konnte auch durch dieses Geld finanzielle Löcher stopfen.

Als Bobic seinen Abgang im Frühjahr 2021 ankündigte, musste Steubing-Nachfolger Philip Holzer einen neuen Mann installieren. Die Wahl fiel auf Markus Krösche, der den Job als Sportdirektor von RB Leipzig gegen den als Sportvorstand bei der Eintracht eintauschte.

Eintracht das „beste Sprungbrett in Europa“

Mit einem im Gegensatz zu Bobic anderen, vor allem datengetriebenen Scouting-Ansatz beschleunigte er die eingeführten Prozesse weiter. DAZN-Experte Sebastian Kneißl stellte im exklusiven Interview mit fussball.news zuletzt fest: „Die Eintracht ist für mich aktuell das beste Sprungbrett in Europa – und das meine ich als positive Marke.“ Diese Ansicht bestätigte Krösche im aktuellen DFL-Magazin: „Talente sehen unseren Klub als einen super Karriereschritt.“

Beispiele gefällig? Randal Kolo Muani, Omar Marmoush, Willian Pacho und Jesper Lindström brachten dem Klub – ohne Abzug der Steuern, Beratergebühren, Weiterverkaufsbeteiligungen – rund 250 Millionen Euro ein. Die Talente, die der Klub holt, werden immer teurer, die Konkurrenz im Rennen um die Hochbegabten heißt inzwischen Bayern München, RB Leipzig, Manchester United oder FC Barcelona. Für Neuzugänge werden inzwischen auch 20 Millionen Euro in die Hand genommen.

Das freilich gefällt nicht jedem Beobachter und Fan der Eintracht. Die Kritik, der Klub habe sich zum „Durchlauferhitzer“ entwickelt, fällt häufig. Ein Teil der Anhängerschaft beklagt die fehlende Identifikation mit dem Verein, es könne kaum noch Bindung zu den Profis aufgebaut werden. Die Verantwortlichen aber haben sich ganz bewusst und geschlossen für ihren Weg entschieden.

Krösche-Verpflichtung war eine bewusste Eintracht-Entscheidung

Auch das zeigt eine der Stärken des Klubs. Es war nicht Krösche, der seine Idee mitgebracht und der Eintracht aus dem Nichts übergestülpt hatte. Vielmehr haben die Frankfurter einen Mann für die Kommandobrücke gesucht, um noch dynamischer und schneller als die Konkurrenz zu agieren.

Die Säule Transfererlöse ist inzwischen die entscheidende im Gebilde des Vereins. Im Zusammenspiel mit den TV-Geld-Erlösen und den Einnahmen aus den internationalen Wettbewerben will Frankfurt die Kluft zu den Teams aus Dortmund oder Leipzig weiter verkleinern.

Um Risiken in weniger erfolgreicheren Jahren abzufedern, wird die Kapitalmaßnahme vorgenommen. Sie soll optimalerweise im ersten Halbjahr 2025 durchgeführt werden und im ersten Schritt über 20 Millionen Euro in die Kasse spülen. Ein höheres Eigenkapital sorgt in den Momenten, wenn die Werte auf dem Rasen nicht wie erhofft steigen, für eine gewisse Sicherheit. Doch aktuell sieht es so aus, dass mit Hugo Ekitiké, Hugo Larsson oder Nnamdi Collins die „Erben Jović“ unterwegs sind.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de

Kommentare