VonJan Christian Müllerschließen
Eintracht Frankfurt muss noch bis zum Sommer warten, ehe der Mainzer Stürmer wechselwillig wäre.
Christian Heidel feierte mit seinem Sohn in Bestlaune in der Fankneipe „Hasekaste“. Dass Mainz 05 sich nach dem hochverdienten 2:0 (1:0) gegen den VfL Bochum zumindest bis zum Spiel am Dienstag bei Bayer Leverkusen (20.30 Uhr/Sky) als Spitzenteam der Fußball-Bundesliga fühlen darf, ist das eine. Obendrauf können die Nullfünfer noch diese unwiderrufliche Aussage ihres Nationalstürmers und neuen Vereins-Rekordtorjägers Jonathan Burkardt packen. „Ein Winterwechsel ist kein Thema“, erklärte der auch am Samstag wieder überragende zweifache Torschütze. Heißt im Klartext: Der 24-Jährige würde sich auch von einem Werben von Eintracht Frankfurt nicht zeitnah vom Rhein an den Main locken lassen. Das wäre dann frühestens im Sommer ein Thema. Burkardts Vertrag läuft noch bis 2027.
Der Marktwert des zweifachen Nationalspielers – sollte er keine Ausstiegsklausel besitzen – liegt mutmaßlich bei rund 40 Millionen Euro. Die beim Portal just vor Weihnachten von 15 auf 25 Millionen Euro gesteigerte Wertsteigerung gilt schon wieder als überholt. Denn, das weiß auch Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche natürlich sehr genau: Wer den blonden Burschen holt, bekommt nicht nur einen ziemlich kompletten Stürmer, sondern auch eine Führungskraft aus der Region (Burkardt ist in Darmstadt geboren und aufgewaschen), die andere mitreißen kann und mit Empathie und einem hohen Maß an Sozialkompetenz voran geht. Auf dem Platz gibt es wenig, was Burkardt nicht kann: Er weiß sich mit dem Rücken zum gegnerischen Tor mit dem heißen Atem eines Verteidigers im Nacken zu behaupten, er versteht es, Kombinationsfußball zu spielen, er ist für 1,80 Meter Körpergröße erstaunlich kopfballstark, er ist sehr gut im Auslösen von Pressingsituationen, kann mit Tempo in die Tiefe gehen und verfügt über einen weit überdurchschnittlichen Instinkt im Strafraum. Mit nunmehr zwölf Treffern ist Burkardt der mit drei Toren Abstand zu Tim Kleindienst beste deutsche Bundesliga-Nationalstürmer.
Aufgrund der hervorragenden Ausgangslage unmittelbar vor Ende der Hinrunde wäre es aus Sicht der Nullfünfer ein wahrer Jammer gewesen, wenn Burkardt im Januar gewechselt wäre. Der sportliche Rückschlag wäre am Transfermarkt für einen Klub wie Mainz 05 schwerlich auszugleichen. Der schon vor Jahren hochgelobte Nachwuchsstürmer Nelson Weiper, dem man es ursprünglich zugetraut hatte, Burkardt zu ersetzen, ist in seiner Entwicklung durch zwei Knieoperationen zurückgeworfen worden.
Kein Verkaufsdruck
Hinzu kommt, dass die Rheinhessen eine Transfereinnahme im zweistelligen Millionenbereich bereits im August durch den Wechsel von Brajan Gruda für 31,5 Millionen Euro nach Brighton verbuchen konnten. Somit ist auch das finanzielle Interesse an einem Burkardt-Verkauf in diesem Winter überschaubar. Denn ein Millionenüberschuss in der Bilanz zieht auch Millionen-Steuern nach sich. Und wer weiß: Vielleicht schießt der Überflieger sein Team ja gar bis in die Champions League? Es wäre ein Fußball-Wunder.
