VonJan Christian Müllerschließen
Der Stürmer von Mainz 05 erzielt beim 3:0-Sieg beim FC St. Pauli seine Saisontreffer vier und fünf und wird belohnt.
Jonathan Burkardt war sichtlich ergriffen, dass er nach dem 3:0-Sieg des FSV Mainz 05 beim FC St. Pauli vom Pay-TV-Sender an den Tisch mit einem leibhaftigen Rekord-Nationalspieler gebeten wurde. Entsprechend sprach der zweifache Mainzer Torschütze den Fernsehexperten mit „Herr Matthäus“ an, worauf ihm dieser prompt das „Du“ anbot. „Ich bin einfach super stolz, dass ich heute das erste Mal an diesem Tisch stehen darf“, sagte der Stürmer, „wir haben ja nicht so oft ein Topspiel.“
Tags darauf folgte die Belohnung: Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte den 24-Jährigen in die Nationalmannschaft für die beiden Spiele der Nations League gegen Bosnien-Herzegowina und die Niederlande nach. Zuvor hatte sich Kai Havertz vom FC Arsenal wegen Kniegelenksbeschwerden abmelden müssen.
Für Burkardt ist das ein verdienter Lohn, auf den er schon lange hatte hoffen dürfen. „Wir sind sehr stolz auf ihn, es gibt sicher keinen in Mainz, der sich nicht für Jonny freut“, sagte Sportvorstand Christian Heidel am Sonntag. Fünf Tore in sechs Saisonspielen hat der Angreifer nun schon erzielt. Dass Mainz 05 in der vergangenen Saison im Endspurt noch souverän den Klassenerhalt managte, hatte viel mit Burkardt zu tun. Der war von November 2022 bis Dezember 2023 wegen einer komplizierten Knieverletzung ohne Bundesligaeinsatz geblieben, zwischenzeitlich hatte man gar befürchten müssen, dass eine verheißungsvolle Karriere viel zu früh enden würde.
Zuvor war der ebenso bescheidene wie kluge junge Mann bereits vom damaligen Bundestrainer Hansi Flick beobachtet worden. Als vormaliger Kapitän der erfolgreichen deutschen U21-Nationalmannschaft gehörte Burkardt zu denjenigen, die Flick für die Winter-Weltmeisterschaft in Katar im Visier hatte, entschied sich dann aber lieber für den damaligen Dortmunder Youssoufa Moukoko, ehe sich Burkardt ohnehin im letzten Spiel vor der WM gegen Eintracht Frankfurt schwer verletzte.
Trainer Henriksen macht sich für Burkardt stark
Flick-Nachfolger Julian Nagelsmann nominierte aktuell zunächst lieber den Gladbacher Tim Kleindienst für den verletzten Niclas Füllkrug und nach der Verletzung von Jamal Musiala überraschend den flinken Stuttgarter Außenstürmer Jamie Leweling. Burkardt musste sich noch ein wenig gedulden und ist nun also der dritte Nachrücker in der Offensive. Noch am Samstag nach dem Sieg in Hamburg hatte sein Klubtrainer Bo Henriksen einen mit Ironie unterfütterten Satz formuliert: „Deutschland muss die besten Stürmer in der ganzen Welt haben, wenn Jonny nicht dabei ist.“ Offenbar ist die Botschaft bei Nagelsmann angekommen.
Sein Kapitän und Anführer, sagte der Däne Henriksen außerdem, sei „eine Maschine und im Eins-gegen-eins und Strafraum sehr, sehr gut“. Stimmt beides. Das bewies Jonny Burkardt auch am ausverkauften Millerntor eindrucksvoll. Beim Führungstor zum 1:0 schien er gar Augen im Hinterkopf zu haben, als er einen Flugball von Phillipp Mwene mit dem Rücken zum Tor über den herausstürzenden Pauli-Keeper Nikola Vasilj als Bogenlampe ins Netz beförderte,
Burkardts Stärke zeigt sich nicht nur in solchen Szenen, sondern auch im Spiel gegen den Ball dank seiner hohen Laufbereitschaft und inzwischen sehr guten Körperlichkeit.
Durch den bereits siebten Punkt im dritten Auswärtsspiel ohne Niederlage haben sich die Rheinhessen nach den zuletzt schwachen Heimvorstellungen und zwei enttäuschenden Niederlagen gegen Werder Bremen und Heidenheim wieder etwas Ruhe verschafft. Zuletzt war Trainer Henriksen zumindest medial in die Kritik geraten. Der Däne erwartet nun für die nächste Heimaufgabe gegen RB Leipzig nach der Länderspielpause „hundert Prozent Energie“. Nur dann handele es sich beim FSV Mainz 05 um „eine okaye Mannschaft“. .
