VonJan Christian Müllerschließen
Einwechselspieler Danny da Costa passt einen Moment nicht auf, so fühlt sich für Mainz 05 ein Punkt gegen Eintracht Frankfurt wie eine Niederlage an.
Am Sonntagabend, die Partie gegen Eintracht Frankfurt war gerade eine gute Stunde vorher zu Ende gegangen, stand Anton Stach noch mit Fans von Mainz 05 auf dem Parkplatz vor der Arena und diskutierte ein paar Szenen durch. Es hätte ein rauschendes Fest werden können für die Rheinhessen, die lange auf der Höhe des Geschehens waren und den Gästen viel von dem Spaß verdarben, den Eintracht Frankfurt entwickeln kann, wenn man Eintracht Frankfurt spielen lässt. Aber das verhinderten die Nullfünfer mit ihrer typischen lästigen Spielweise.
Bis auf eine Szene.
Hinterher war es kein Zufall, dass man Einwechselspieler Danny da Costa zusammengesunken auf dem Platz kauern sah. Der einstige Eintrachtler hatte einen Moment lang nicht aufgepasst, das reichte den Frankfurtern zum späten Punktgewinn in Unterzahl. Jeder wusste, dass da Costa es hätte besser machen können, aber die Schuld nur auf einem abzuladen, der sowieso gerade nicht die leichteste Zeit durchlebt in Mainz, nein, das wollten sie öffentlich dann doch lieber nicht tun. Also ärgerten sich die Mainzer laut lieber darüber, dass sie mit einem Mann mehr auf dem Platz dennoch keine Ruhe in ihr Passspiel bekommen hatten und vor allem: Dass sie beim 1:1 in der ersten Minute der Nachspielzeit mit elf Männern hinter dem Ball waren, was vorbildlich ist, aber dennoch am Ende der Frankfurter Omar Marmoush den Ball ins verwaiste Tor bugsieren konnte. Ein Sekunden-Blackout, der den ersten Saisonsieg, zwei Punkte und gute Stimmung am Sonntagabend kostete.
„Es fühlt sich an wie verloren, nicht wie ein Unentschieden“, sagte der kluge Sportdirektor Martin Schmidt nach einem „Tor, das du so nicht kriegen darfst“. Trainer Bo Svensson hatte die letzte Viertelstunde so absolviert, als sei er am nahen Flughafen Frankfurt für die Einweisung der Jumbojets verantwortlich. Immer wieder ruderte der Däne mit den Armen, mal mehr mit links, mal mehr mit rechts - und schließlich gab es auch noch ein ganz schön heftiges verbales Scharmützel mit dem Kollegen Dino Toppmöller an der Seitenlinie. Weil Svensson dabei seine Coachingzone allzu wild verließ, gab es Gelb von Schiedsrichter Bastian Dankert, auch Toppmöller kam nicht ungeschoren davon.
Kohr lobt Svensson
Hinterher hatten sich die beiden Fußballlehrer wieder halbwegs lieb, offenbar wollten sie die Intensität, mit der sich die Spieler auf dem Platz begegnet waren, ein wenig nachleben. Irgendwohin muss das viele Testosteron halt. Sei´s drum. Der Mainzer Mittelfeldspieler Dominik Kohr, an dessen harten Einsteigen sich der Trainerzwist entzündet hatte, weil die Frankfurter Bank die Attacke als gelbwürdig empfand und Kohr dann mit der Ampelkarte hätte gehen müssen, dankte seinem Vorgesetzten ausdrücklich in Form und Inhalt: „Richtige Entscheidung von Bo, er wollte mich schützen.“ Alles Nebenschauplätze letztendlich, wichtiger war Kohr ohnehin, „dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben - umso ärgerlicher, das Ding in Überzahl nicht über die Bühne zu bringen“.
Verdientes Lob vom Chefcoach heimste die Mainzer Abwehr ein, die Svensson weitgehend neu formiert hatte. Nachvollziehbare Begründung: „Wir wollten mehr Tempo haben gegen Kolo Muani und Marmoush.“ Ergo durfte Maxim Leitsch nach sechseinhalb Monaten zum ersten Mal wieder Bundesliga spielen, zudem gehörte Neuzugang Sepp van den Berg, ausgeliehen vom FC Liverpool, zur Startelf, ebenso wie der erst am Donnerstag verpflichtete Linksverteidiger Phillipp Mwene. Viel neu, viel gut bei Mainz 05. Aber nur ein karger Punkt aus zwei Spielen, und die Frage: Bleibt Anton Stach?
