VonHanna Raifschließen
Manuel Bonkeschließen
Der FC Bayern reist (fast) in Bestbesetzung am Samstag zum VfB Stuttgart. Das stellt Trainer Julian Nagelsmann vor ein Problem.
München – Na gut, wenigstens beinahe wäre es so weit gewesen. Hätte sich Leroy Sané zu Beginn der Woche keine Kapselblessur am Knöchel zugezogen, wäre der Tross des FC Bayern am Freitag um (Punkt!) 16 Uhr – abgesehen von den Langzeitverletzten – in voller Mannschaftsstärke in den Bus gestiegen, der ihn nach Stuttgart bringt.
| Name: Leroy Sané |
| Geburtstag: 11. Januar 1996 |
| Verein: FC Bayern München |
| Position: Rechtsaußen |
| Marktwert: 70 Millionen (Quelle: transfermarkt.de) |
FC Bayern beim VfB Stuttgart: Auch ohne Sané - Nagelsmann hat Qual der Wahl
Bei der Besprechung im Teamhotel „Le Méridien“ wäre das Auditorium gespickt von Stars gewesen, und ein paar Etagen weiter oben hätte Julian Nagelsmann später, in der Nacht vor dem Topspiel am Samstag (18.30 Uhr) beim VfB, so viel Qual der Wahl gehabt wie schon lange nicht mehr. Auch für den als recht sicher geltenden Fall, dass Sané nun daheim bleibt, ist das Angebot an fitten Profis groß. Aber genau das deutet man intern als großes Plus für die heißen Wochen an. In den wichtigen Spielen – aber auch in jedem Training.
„Wenn man sieht, was von der Bank kommt – da würden sich andere Vereine die Finger abschlecken“, mit diesen Worten hatte Herbert Hainer die Mannschaft nach dem 3:0 gegen Union Berlin in die lange Trainingswoche geschickt, die gewissermaßen die Spiele in Stuttgart und gegen Paris gemeinsam vorbereitete. An diesem perfekten Bayern-Tag – Sprung zurück an die Tabellenspitze, „big point“ gegen den direkten Konkurrenten – überwog die Freude über den gemeinsam souverän herausgespielten Sieg.
FC Bayern: Thomas Müller fordert „Egos hintenanzustellen“
Ab sofort aber kämpft jeder Einzelne vor jedem Spiel nicht nur für das Team, sondern auch für sich selbst. Nach der Rückkehr von Sadio Mané und nun auch Noussair Mazraoui fehlen lediglich noch Manuel Neuer und Lucas Hernandez. Allen anderen hat Thomas Müller zwar geraten, „die Egos hintenanzustellen“. Es ist aber nur logisch, dass gerade in den großen Spielen mindestens 15 Spieler den Anspruch haben, in der Startelf zu stehen.
Julian Nagelsmann war schon vor dem Union-Spiel bemüht, seine Aufstellung – und damit seine Entscheidung gegen Joao Cancelo – zu rechtfertigen. Das „große Ganze“ müsse er im Blick haben, sagte der Coach, der sich mit viel Power auf der Bank gerne für alle Eventualitäten im Spielverlauf wappnet. Die Eindrücke aus der Trainingswoche zieht er da freilich mit heran, die Grundaufstellung aber richtet er stets am Gegner aus. So kam es etwa, dass der defensiver denkende Josip Stanisic am Samstag den Vorzug vor Cancelo erhielt.
FC Bayern: Verzichtet Nagelsmann nochmal auf Thomas Müller?
Die Mannschaft wird um (wenige) Fixpunkte gestrickt. So sind Matthijs de Ligt und Dayot Upamecano genauso unverzichtbar wie Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Eric Maxim Choupo-Moting. Gerade in der Offensive sind die Optionen daneben namhaft.
Einen Verzicht auf Thomas Müller überlegt Nagelsmann sich inzwischen zwei Mal, Kingsley Coman hat die Nase derzeit weit vor Serge Gnabry und dem nun angeschlagenen Sané. Drängt jetzt auch noch Mané zurück in die erste Elf, wird es für die beiden deutschen Nationalspieler noch enger. Zumal das Sorgen-Duo auch im Training nicht unbedingt durch extra Fleißarbeit auffällt.
Dabei hatte Hasan Salihamidzic den Wackelkandidaten exakte Handlungsanweisungen an die Hand gegeben. „Man muss sich im Training Selbstvertrauen holen, einen Platz erkämpfen, die Leistung am Wochenende bestätigen – dann ist man drin.“ Klingt simpel, wird aber bei mindestens drei Stars nicht funktionieren. Und steigt Sané doch in den Bus, sind es sogar vier. (bok/haf)
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