Manuel Neuer auf Kroos-Spuren: Steht die DFB-Rückkehr bevor?
VonAdrian Kühnel
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Die negative Entwicklung bei Marc-André ter Stegen wirbelt alles durcheinander. Kehrt Manuel Neuer wie einst Toni Kroos überraschend zurück?
Frankfurt – Marc-André ter Stegens Rückenoperation und dessen mutmaßliche Degradierung beim FC Barcelona wirbelt die deutsche Torwart-Hierarchie durcheinander. Der DFB-Stammkeeper fällt drei Monate aus. Plötzlich ist die Nummer eins im deutschen Tor wieder offen – und Experten bringen Manuel Neuer ins Spiel.
Kehrt der 39-Jährige wie einst Toni Kroos überraschend zur Nationalmannschaft zurück?
Die Ausgangslage erinnert verblüffend an das Kroos-Szenario vor der Europameisterschaft 2024. Damals holte Julian Nagelsmann den bereits zurückgetretenen Mittelfeldstrategen zurück ins DFB-Team – mit durchschlagendem Erfolg. Nun steht der Bundestrainer vor einer ähnlichen Entscheidung, diesmal zwischen den Pfosten.
Matthäus und Maier bringen Neuer-Rückkehr ins Spiel
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bringt bei Sky eine mögliche Neuer-Rückkehr ins Spiel: „Julian hat mit Oliver Baumann, Alexander Nübel und Bernd Leno gute Alternativen. Sollte er in den kommenden Monaten jedoch feststellen, dass er diesen Optionen nicht hundertprozentig vertrauen kann, kann man sich natürlich mit Manuel Neuer beschäftigen.“
Noch deutlicher wird Torwart-Legende Sepp Maier. „Deutschland braucht Manu jetzt“, sagt der ehemalige Bayern-Keeper bei Sport1. „Der Manuel ist topfit, spielt wieder auf höchstem Niveau – da gibt‘s nicht viele, die ihm das Wasser reichen können.“ Maier sieht in Neuer eine ganz andere Präsenz und Strahlkraft im Vergleich zu den anderen deutschen Torhütern.
Kroos-Parallele: Wenn Qualität auf Bereitschaft trifft
Die Parallelen zwischen Kroos‘ und einem möglichen Neuer-Comeback sind frappierend. Beide beendeten ihre DFB-Laufbahn nach großen Turnieren – Kroos ursprünglich nach der EM 2021, Neuer nach der EM 2024. Beide galten als unersetzlich, beide traten trotz ihrer nach wie vor bestehenden Qualität zurück.
Entscheidend war bei Kroos‘ Entscheidung, zur EM 2024 sein Comeback zu feiern, die Kombination aus sportlicher Notwendigkeit und persönlicher Bereitschaft. Der damalige Star von Real Madrid erkannte, dass das DFB-Team ihn brauchte, und war bereit, seine 2021 getroffene Entscheidung zu revidieren. Bei Neuer könnte ter Stegens Ausfall eine ähnliche Situation schaffen.
Sieben Spieler im letzten Vertragsjahr – Die Laufzeiten der Stars des FC Bayern
„Der muss allerdings auch selbst wollen“, betont Matthäus. Neuers Statement vom August 2024 lässt Raum für Interpretationen: „Ich fühle mich körperlich sehr gut und natürlich hätte mich auch die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko gereizt.“
Er sah es damals trotzdem an der Zeit, seine Laufbahn in der Nationalmannschaft zu beenden.
Unterschiede zum Kroos-Szenario
Es gibt ferner wesentliche Unterschiede. Kroos war 34, als er zurückkehrte – Neuer wird im März 40. Die körperlichen Anforderungen an einen Torwart sind zudem andere als die eines Mittelfeldspielers.
Kroos befand sich noch auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er zurückkehrte. Zudem war die Mittelfeldposition beim DFB deutlich dünner besetzt als die Torwart-Position heute. Mit Baumann, Nübel und Leno stehen durchaus respektable Alternativen bereit – auch wenn keine die internationale Klasse und Erfahrung Neuers besitzt.
Nagelsmanns schwierige Entscheidung
Julian Nagelsmann steht vor einem Dilemma. Einerseits könnte Neuer kurzfristig das Torwart-Problem lösen und der Mannschaft Sicherheit geben. „Wenn ein Spieler wie er zur Verfügung steht, dann muss man das zumindest ernsthaft prüfen“, argumentiert Maier.
Andererseits würde ein Neuer-Comeback den geplanten Generationenwechsel unterbrechen. Ter Stegen sollte eigentlich die neue Nummer eins sein, die anderen Kandidaten ihre Chance bekommen. Ein Rückgriff auf Neuer könnte diese Entwicklung zurückwerfen.
Würde Neuer überhaupt ins DFB-Tor zurückkehren?
Ob Nagelsmann dennoch Neuer zurückholt? Und ob Neuer überhaupt zurückkehren würde?„Insgeheim wird er schon froh sein, wenn das Handy klingelt“, meint Maier.
Ein entscheidender Faktor spricht für Neuer: Seine Qualität. Zumal er immer noch Stammtorhüter des FC Bayern ist. „Zuletzt hat er gut gehalten“, bestätigt selbst der kritische Matthäus, auch wenn er Neuers Verletzungsanfälligkeit anmahnt.
Die Erfahrung von 124 Länderspielen und einem WM-Titel wäre bei einem Turnier in Übersee unbezahlbar. Kein deutscher Torwart verfügt über vergleichbare internationale Erfahrung und mentale Stärke in Drucksituationen.
Kroos als Vorbild
Toni Kroos bewies, dass Comebacks funktionieren können, wenn alle Beteiligten wollen und die Qualität noch vorhanden ist. Seine Rückkehr war ein voller Erfolg – sportlich wie menschlich. Er brachte nicht nur Qualität, sondern auch Ruhe und Führung ins Team – und die Euphorie zurück.
Neuer könnte eine ähnliche Rolle übernehmen. Seine Präsenz allein würde der Defensive Sicherheit geben, seine Erfahrung jüngeren Spielern helfen. „Qualität setzt sich durch“, ist Maier überzeugt.
Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob sich die Geschichte wiederholt. Wird Nagelsmann wie bei Kroos den Mut für eine überraschende Rückkehr aufbringen? Ist Neuer bereit, seine Entscheidung zu überdenken? Die Antworten könnten den Weg zur WM 2026 entscheidend prägen – und beweisen, dass im Fußball das letzte Wort nie gesprochen ist.
Neuer-Comeback? Es kommt auf die Entwicklung bei Ter Stegen an
Entscheidend wird dabei auch sein, wie sich die Situation von Ter Stegen entwickelt. Im Tor des FC Barcelona scheint er keine Perspektive mehr zu haben. Seine Rückenoperation und der damit verbundene Ausfall rücken einen Wechsel in diesem Sommer indes in weite Ferne.