VonBoris Manzschließen
Der FC Bayern beschäftigt sich weiter mit den Aussagen von Manuel Neuer. Honigstein, der das Interview begleitete, erklärt die Hintergründe.
München – Die große Aufarbeitung beim FC Bayern hat begonnen. Nach dem aufsehenerregenden Interview von Manuel Neuer scheinen nun alle um Versöhnung bemüht. Die FCB-Bosse verurteilten den Medienauftritt zwar eindeutig, entschieden sich aber dazu, von einer öffentlichen Schlammschlacht abzusehen.
Und auch die Neuer-Seite scheint inzwischen an einer Aussöhnung interessiert. Raphael Honigstein gibt nun Einblicke, wie es überhaupt zu dem Interview kam. Er muss es wissen, schließlich war er einer von Neuers Gesprächspartnern. Honigstein stellt dabei klar: Das Medienecho war in der Form nicht gewollt.
| Manuel Peter Neuer |
| Geboren: 27. März 1986 (36 Jahre) |
| Größte: 1,93 m |
| Gehalt: 21 Millionen Euro (2023) |
| Länderspiele: 117 |
FC Bayern: Manuel Neuer schildert im Interview mit der Süddeutschen Zeitung seine Gedanken
Im Podcast Fever Pit‘ch gestand Honigstein, dass die Dimension und das „Framing“ des Interviews überraschte. Absichten Neuers seien falsch interpretiert worden. Verwundert sei man vor allem darüber gewesen, „dass es als große Attacke auf den FC Bayern und die Verantwortlichen gewertet wird“, gestand Honigstein. „Diesen Eindruck hatte ich nicht in dem Gespräch.“
Manuel Neuer gab Impuls für das Interview, wollte aber keine „große Attacke auf den FC Bayern“
Öffentlich sei viel über Manuel Neuer gesprochen worden, der ein paar Sachen richtigstellen wollte: Die viel diskutierte WM, die folgenschwere Verletzung und dann das Aus seines langjährigen Torwart-Trainers Toni Tapalovic.
„So richtig ins Detail kann ich da natürlich nicht gehen. Es gibt so etwas wie eine journalistische Schweigepflicht in diesen Dingen“, sagte Honigstein, der aber verriet, dass Neuer selbst das Interview initiierte: „So ein Impuls (gehe) schon von der Spielerseite aus.“
FC Bayern: Wäre ohne Manuel Neuers Verletzung Toni Tapalovic noch Torwart-Trainer?
Für Neuer sei „es eine Verkettung sehr unglücklicher Umstände“, sagte Honigstein, der das Interview zusammen mit SZ-Reporter Philipp Selldorf führte. Ohne die vielen Themen nach der WM „kommt er nicht in dieser Stimmung nach Hause, wo er das Gefühl hat, er muss sich eigentlich selbst therapieren, mit irgendwelchen Aktionen, die er sonst nicht macht“, räumte Honigstein, der zu den renommiertesten deutschen Sportjournalisten zählt, ein.
Neuer habe sich in der Folge ein Stück weit verantwortlich gesehen für die Entlassung seines langjährigen Weggefährten und Trauzeugen. „Ohne dieses Ski-Fahren-Thema, bricht er sich nicht das Bein und ohne den Beinbruch, wäre in seiner Wahrnehmung Toni Tapalovic noch Torwarttrainer beim FC Bayern“, erklärte Honigstein Neuers Gedanken.
FC Bayern und Manuel Neuer: Kommt es zur Versöhnung mit Julian Nagelsmann?
Der FCB-Kapitän wollte laut Honigstein mit dem Interview für eine Richtigstellung sorgen. „Hier ist etwas passiert, mit dem bin ich nicht einverstanden, wir haben intern natürlich darüber geredet, aber das reicht hier nicht, ich möchte das hier noch einmal sagen, weil es mir momentan nicht gut geht und weil ich das nicht gut finde“, gibt der Reporter Neuers Absichten wider.
Die Aufklärung der Hintergründe trägt sicherlich weiter zur Versöhnung bei. Zwischen Manuel Neuer und Julian Nagelsmann kam es inzwischen offenbar zur Aussprache. (btfm)
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