Sorgen um Bundestrainerin

Große Fragezeichen bei Martina Voss-Tecklenburg

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Die Zukunft der Bundestrainerin ist offen, die Co-Trainerin wehrt sich und die Aufarbeitung des WM-Versagens wird zur Verschlusssache: Das Frauen-Nationalteam ist eine Baustelle

Frankfurt - Natürlich wäre es früher für Martina Voss-Tecklenburg selbstverständlich gewesen, am Freitag nach Freiburg zu fahren. Die Bundestrainerin hätte sich nicht nur das Bundesliga-Eröffnungsspiel zwischen dem SC Freiburg und FC Bayern im Dreisamstadion (Freitag 18.15 Uhr/ZDF) angesehen, sondern sie hätte auch an der offiziellen Kick-off-Veranstaltung zuvor in Hinterzarten teilgenommen. Und in die Vorbereitung des Nationalteams am DFB-Campus auf die neuen Nations-League-Partien gegen Dänemark (22. September) und Island (26. September) hätte sie vielleicht noch einen Abstecher auf den Mainzer Lerchenberg ins ZDF-Studio eingebaut, um dort am Mittwoch als Champions-League-Expertin aufzutreten. Doch längst ist der Powerfrau der Stecker gezogen.

Martina Voss-Tecklenburg
Geboren:22. Dezember 1967
Stationen als Spielerin (Verein):KBC Duisburg, TSV Siegen, FCR Duisburg
Spiele als Nationalspielerin (Tore):125 (27)
Stationen als Trainerin:FCR Duisburg, FF USV Jena, Nationalmannschaft Schweiz, Credit Suisse Academy, Nationalmannschaft Deutschland (seit 2018)

Voss-Tecklenburg krank von WM zurückgekehrt - große Fragezeichen

Körperlich und mental sei seine Frau seit längerem erschöpft und ruhe sich zu Hause aus, berichtete ihr Ehemann Herrmann. Die 55-Jährige sei bereits krank von der WM zurückgekommen. Tatsächlich hatte „MVT“ nicht gut ausgesehen, als sie bei ihrer allerletzten Pressekonferenz in Wyong versicherte: „Ich bin noch nie weggelaufen, wenn es schwierig geworden ist. Ich bleibe hartnäckig und stark.“ Für Beobachter wirkte sie um Jahre gealtert. Das historische WM-Aus zehrte an ihr.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Interview mit dem ZDF.

Ob sie auf die Trainerbank zurückkehrt, ist inzwischen offen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte in der ARD: „Wir wissen, dass Martina Voss-Tecklenburg derzeit krank ist, da gebieten es der Respekt und die Fürsorge, dass wir darüber nicht spekulieren.“ Man werde sich zu gegebener Zeit zusammensetzen. Nicht ausgeschlossen, dass es auf eine saubere Trennung hinausläuft, um unnötigen Ballast für alle Seiten zu vermeiden. Verbürgt ist, dass es wie schon 2019 in Frankreich zu Dissonanzen mit den Spielerinnen kam.

Gab es Spielerinnen-Umfrage zu Voss-Tecklenburg?

Doch dass Assistentin Britta Carlson eine Umfrage gestartet hat, bei der herauskam, dass die deutschen Fußballerinnen sich gegen Voss-Tecklenburg aussprachen, stimmt so nicht. Carlson widersprach ausdrücklich, sah darin sogar ihre langjährige Integrität als Co-Trainerin infrage gestellt: Sie habe zusammen mit Michael Urbansky „im Auftrag“ der Bundestrainerin „vertrauliche Einzelgespräche“ geführt. Darin sei es auch um die Ansichten der Spielerinnen gegangen zur WM gegangen. „Wir halten dieses selbstkritische Vorgehen für die richtige Herangehensweise“, schrieb die 45-Jährige. Carlson, die sich eigentlich dauerhaft nicht in der ersten Reihe sieht, hat für den Auftakt der Olympia-Qualifikation den altbekannten Kreis berufen, der sich in Frankfurt gleich nach dem ersten Bundesliga-Spieltag treffen wird.

Popp, Putellas, Oberdorf: Das sind die besten Fußballerinnen der Welt

Alexia Putellas (29), Spanien, FC Barcelona: Die offensive Mittelfeldspielerin ist das Herzsstück in der spanischen nationalmannschaft und beim FC Barcelona. 2021 und 2022 gewann sie den Titel als Weltfußballerin.
Platz 1: Alexia Putellas (29), Spanien, FC Barcelona: Die offensive Mittelfeldspielerin ist das Herzsstück in der spanischen Nationalmannschaft und beim FC Barcelona. 2021 und 2022 gewann sie den Titel als Weltfußballerin. © IMAGO/Jose Breton
Beth Mead (28), England, FC Arsenal: Die Stürmerin gewann im letzten Jahr mit der englischen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. Sie war die erfolgreichste Torjägerin und wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt.
Platz 2: Beth Mead (28), England, FC Arsenal: Die Stürmerin gewann im letzten Jahr mit der englischen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. Sie war die erfolgreichste Torjägerin und wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt. © IMAGO/Adam Davy
Kerr ist Rekordtorschützin der australischen Nationalmannschaft und verhalf Chelsea zuletzt zu vier Meistertiteln in Serie.
Platz 3: Sam Kerr (29), Australien, FC Chelsea: Kerr ist Rekordtorschützin der australischen Nationalmannschaft. Mit ihren Toren verhalf sie Chelsea zuletzt zu vier Meistertiteln in Serie. © IMAGO/JOEL CARRETT
Lena Oberdorf (21), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Mittelfeldspielerin debütierte bereits 2019 in der deutschen Nationalmannschaft. Mit den Wolfsburgerinnen gewann sie zuletzt dreimal in Folge den DFB-Pokal und stand 2023 im Champions-League-Finale.
Platz 4: Lena Oberdorf (21), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Mittelfeldspielerin debütierte bereits 2019 in der deutschen Nationalmannschaft. Mit den Wolfsburgerinnen gewann sie zuletzt dreimal in Folge den DFB-Pokal und stand 2023 im Champions-League-Finale. © IMAGO/Revierfoto
Bonmati kommt vor allem im zentralen und offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Mit Barcelona gewann sie 2023 die spanische Meisterschaft und die Champions League.
Platz 5: Aitana Bonmati (25), Spanien, FC Barcelona: Bonmati kommt vor allem im zentralen und offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Mit Barcelona gewann sie 2023 die spanische Meisterschaft und die Champions League. © IMAGO/Kim Price
Alexandra Popp (32), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Stürmerin ist in der deutschen Nationalmannschaft und beim VfL Wolfsburg unverzichtbar. Die DFB-Kapitänin führte Deutschland 2022 bei der Europameisterschaft auf Platz zwei.
Platz 6: Alexandra Popp (32), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Stürmerin ist in der deutschen Nationalmannschaft und beim VfL Wolfsburg unverzichtbar. Die DFB-Kapitänin führte Deutschland 2022 bei der Europameisterschaft auf Platz zwei. © IMAGO/Scott Barbour/Shutterstock
Ada Hegerberg (28), Norwegen, Olympique Lyon: Hegerberg gehört seit jahren zu den besten Stürmerinnen der Welt. Mit Lyon gewann sie insgesamt sechsmal die Champions League und wurde 2018 als Weltfußballerin ausgezeichnet.
Platz 7: Ada Hegerberg (28), Norwegen, Olympique Lyon: Hegerberg gehört seit jahren zu den besten Stürmerinnen der Welt. Mit Lyon gewann sie insgesamt sechsmal die Champions League und wurde 2018 als Weltfußballerin ausgezeichnet. © IMAGO/Lise Åserud
Wendie Renard, Frankreich, Olympique Lyon: Die 1,87 Meter große Innenverteidigerin gilt als robust und kopfballstark. Mit 102 Einsätzen ist sie Rekordspielerin der Champions League und gewann den Wettbewerb mit Lyon insgesamt acht mal.
Platz 8: Wendie Renard, Frankreich, Olympique Lyon: Die 1,87 Meter große Innenverteidigerin gilt als robust und kopfballstark. Mit 102 Einsätzen ist sie Rekordspielerin der Champions League und gewann den Wettbewerb mit Lyon insgesamt acht mal.  © IMAGO/Sydney Low
Catarina Macario (23), USA, Olympique Lyon: Die 23-jährige Offensivspielerin etablierte sich innerhalb kürzester Zeit bei Lyon und verhalf dem Team 2022 zur Meisterschaft und dem Gewinn der Champions League.
Platz 9: Catarina Macario (23), USA, Olympique Lyon: Die 23-jährige Offensivspielerin etablierte sich innerhalb kürzester Zeit bei Lyon und verhalf dem Team 2022 zur Meisterschaft und dem Gewinn der Champions League. © IMAGO/Francesco Scaccianoce/LiveMedia/Shutterstock
Lucy Bronze, England, FC Barcelona: Die Abwehrspielerin gehört in der englischen Nationalmannschaft und beim FC Barcelona zum Stammpersonal. Sie konnte mit zwei Vereinen (Barcelona und Lyon) die Champions League gewinnen und wurde 2020 FIFA-Weltfußballerin.
Platz 10: Lucy Bronze, England, FC Barcelona: Die Abwehrspielerin gehört in der englischen Nationalmannschaft und beim FC Barcelona zum Stammpersonal. Sie konnte mit zwei Vereinen (Barcelona und Lyon) die Champions League gewinnen und wurde 2020 FIFA-Weltfußballerin. © IMAGO/Isabel Infantes

Über die tieferen Ursachen des WM-Desasters hat bis heute offen niemand geredet. In Krisenzeiten verhalten sich die Protagonisten im Frauenfußball gerne wie in einem Naturschutzgebiet, wo auch niemand stören soll. Nicht mal Spurenelemente der angekündigten WM-Analyse sind an die Öffentlichkeit gedrungen. Präsident Neuendorf hat zwar viele Gespräche geführt, aber keine WM-Minute vor Ort verfolgt, Generalsekretärin Heike Ullrich nur das Finale. Sie hörten nur über Dritte von den Verstimmungen rund um die DFB-Frauen.

Schweigen und fehlende Unterstützung von DFB-Seite?

Beispielsweise über die unglückliche Teilung des WM-Kaders in zwei Gruppen – die Stamm- und die Ersatzspielerinnen. Daraus abgeleitet wird innerhalb der Liga und Beraterszene teilweise über eine vermeintliche Bevorzugung der Wolfsburgerinnen getuschelt. Tobias Trittel vom VfL Wolfsburg als Sprecher des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen schweigt dazu.

Keine Meinung zu haben, ist auch Merkmal der für Frauenfußball zuständigen DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch, die sich in ihrer Funktion als WM-Delegationsleiterin als Fehlbesetzung erwies. Bei den vielen Baustellen hätte die Bundestrainerin in Australien Unterstützung gebraucht. Martina Voss-Tecklenburg musste letztlich vieles alleine regeln – und hat dafür einen hohen Preis gezahlt. (Frank Hellmann)

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