Warum es bei der EM so viele Gelbe Karten wie noch nie geben könnte
VonMarius Epp
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Bei der EM greift eine Regeländerung der UEFA. Das Resultat könnten so viele Gelbe Karten wie noch nie sein. Julian Nagelsmann ist trotzdem ein Befürworter.
Frankfurt am Main – 90 Minuten lang dauert ein Fußballspiel, wirklich gespielt wird aber im Schnitt nur knapp 60 Minuten. Häufige Spielunterbrechungen hemmen den Spielfluss – ein oft geäußerter Kritikpunkt. Einer der Gründe dafür sind Rudelbildungen nach strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Die UEFA hat nun eine Maßnahme dagegen ergriffen.
Die Freunde des Lamentierens dürften darüber nicht glücklich sein: Bei der EM 2024 ist das Diskutieren mit dem Schiedsrichter nur noch den Mannschaftskapitänen gestattet. Die Regel wurde auch schon im Finale der Champions League angewandt.
UEFA ändert Regel bei der EM: Nagelsmann als Unterstützer
DFB-Star Nico Schlotterbeck war einer der ersten, der diese Regeländerung am eigenen Leib erfahren musste. Nach einer kleinen Meckerei sah er sofort den gelben Karton, entsprechend entgeistert war sein Gesichtsausdruck.
Julian Nagelsmann begrüßt die neue Linie. „Generell finde ich die Regel gut, es wird einfach zu viel gelabert im Fußball, auch von mir, nicht nur von den Spielern“, sagte der Bundestrainer mit Blick auf die Neuerung der Europäischen Fußball-Union (UEFA): „Wenn dadurch die Nettospielzeit von 53 auf 70 Minuten hochgeht, wäre es schön.“
UEFA will Rudelbildung mit neuer Regel unterbinden
Die UEFA hat jedoch nicht die Erhöhung der Nettospielzeit als Hauptziel vor Augen. Der Verband nimmt sich andere Sportarten wie Rugby zum Vorbild und erlaubt bei der Endrunde nur noch den Kapitänen, nach kontroversen Entscheidungen mit den Schiedsrichtern zu sprechen.
Dies ist ein konsequenter Schritt, um die Bildung von Spielergruppen zu verhindern. Andernfalls wird sofort eine Gelbe Karte verhängt. Zumindest in der Anfangsphase der Europameisterschaft ist durchaus mit einer Flut an Gelben Karten zu rechnen – je nachdem, wie schnell sich die Spieler umgewöhnen (können).
Nagelsmann fürchtet Konsequenzen: Meckern kann bei der EM „unfassbar teuer“ werden
Angesichts der Sperre nach zwei Gelben Karten für das kommende Spiel kann das Motzen bei der EM schnell „unfassbar teuer“ (Nagelsmann) werden. Dennoch warb der Bundestrainer um Verständnis für die Profis: „Es ist nicht so ganz leicht, seine Verhaltensweise zu ändern. Wir haben die Spieler sensibilisiert, damit wir keine unnötigen Karten bekommen. Aber es wird vielleicht manchmal nicht vermeidbar sein.“
„Eine Entscheidung zu begründen, wenn 22 Spieler auf einen einreden, ist ein Ding der Unmöglichkeit“, kommentierte der italienische UEFA-Refereeboss Roberto Rosetti die Neuerung: „Eine Erklärung ist unter diesen Umständen unmöglich und das Spiel kann rasch aus den Fugen geraten, was dem Ansehen des Fußballs schadet.“
Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht
Gelbe Karte bei Meckern: UEFA-Vorstoß könnte zur Dauerlösung werden
Die Regel hat eine Ausnahme: Falls es sich beim Kapitän um den Torwart handelt, muss ein Feldspieler benannt werden, der als Ansprechpartner fungieren kann, falls sich am anderen Ende des Spielfelds eine umstrittene Szene ereignet.
Mit ihrem Vorstoß geht die UEFA voran und übernimmt eine Pionierrolle. Das International Football Association Board (IFAB), Hüter der Regeln, hat Anfang März entschieden, die Maßnahme gegen die Rudelbildung in der kommenden Saison einem einjährigen Test zu unterziehen. (epp/SID)
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