Grundlagenvertrag

Mehr Geld für den DFB von der DFL

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Vor schweren Entscheidungen: DFL-Aufsichtsrat Hans-Joachim Watzke. Foto: Imago images
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Einigung in letzter Minute: Die DFL muss dem Verband spürbar mehr Geld zahlen, weil die Steuer so viel frisst.

Von unkomplizierten Verhandlungen zeugt es nicht: Noch immer steigt kein weißer Rauch auf, wenn es um den am 30. Juni auslaufenden Grundlagenvertrag zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geht. Ehe es soweit ist, will der leidgeprüfte DFB erst noch beim Finanzamt abfragen, ob das komplexe Vertragswerk dort goutiert wird. Man möchte nämlich in Zukunft nicht mehr ständig Überraschungsbesuche von der Staatsanwaltschaft zur Razzia auf dem schicken Campus begrüßen müssen.

Und ehe die Tinte getrocknet werden kann, braucht es auch noch eine außerordentliche Bundesligaversammlung der DFL mit ihren 36 Klubs sowie einen außerordentlichen Bundestag des DFB mit 262 Delegierten. Zum Glück gibt es ja das Internet. Die Elefantentreffen können als Videokonferenz stattfinden.

Das Thema „Grundlagenvertrag“ klingt staubtrocken, ist es einerseits auch, aber es ist andererseits eminent wichtig, damit der finanziell erheblich angeschlagene DFB die Zukunft managen kann, ohne in die Knie zu gehen. Und damit der Amateurfußball sich mit einer stabilen Finanzausstattung der Landesverbände organisieren kann. Es geht um Millionenbeträge.

DFB: Verhandlungen „in finaler Phase“

Die Verhandlungen befinden sich laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf „in der finalen Phase - wir werden das Ziel 30. Juni nicht reißen“. Was indes auch peinlich wäre, denn ab 1. Juli gäbe es sonst keinen gültigen Vertrag mehr, obwohl die Deadline seit sechs Jahren bekannt ist. Seinerzeit wurde der 2001 bei der Abspaltung der DFL vom DFB erstmals niedergeschriebene Kontrakt bis Juni 2023 verlängert.

Die verspäteten Neuverhandlungen erklären sich dadurch, dass Neuendorf erst seit 15 Monaten im Amt ist, erst einmal mühevoll das völlig zerstörte Verhältnis zur DFL befrieden und gleichzeitig intern klären musste, „was für uns als Verband wichtig ist“.

Die DFL hatte lange andere Sorgen

Zudem gab es bei der DFL andere Themen, die drängten. Etwa jenes, dass nach diversen Absagen unter Hochdruck neue Chefs gefunden werden mussten. Die kommen jetzt im Doppelpack aus der zweiten Reihe und heißen Marc Lenz und Steffen Merkel. Viel Geschäftssinn, weniger sportliche Kompetenz. Da soll noch nachgebessert werden in der DFL-Geschäftsführung. Neuendorf jedenfalls hat die beiden neuen Geschäftsführer zum Antrittsbesuch eingeladen, er kennt sie persönlich noch gar nicht näher.

Die Gespräche um den Grundlagenvertrag führen der DFB-Boss und seine Generalsekretärin Heike Ullrich ohnehin in erster Linie mit DFL-Interimschef Oliver Leki (SC Freiburg) und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke. Weil die Vorstellungen des DFB nach Watzkes Ansicht zwischenzeitlich „exorbitant“ höher lagen (auf Druck der Basis bei zu 100 Millionen Euro), als die DFL bereit war zu zahlen, warnte der mächtigste Mann im deutschen Fußball Ende März, die Bundesliga sei nicht „die Vollkaskoversicherung für die Fehler des DFB in der Vergangenheit“.

Das Finanzamt ist jetzt viel strenger mit dem DFB

Watzke weist dabei auf die in der Tat prekäre Finanzsituation im DFB hin, der gerade verzweifelt Löcher zu stopfen versucht, weil er monatlich erschreckende 1,6 Millionen Euro mehr ausgibt als er einnimmt. Die Verhandlungen gerieten aber auch deshalb wieder etwas ins Stocken, weil der geplante Investorendeal der DFL scheiterte und auch in der Bundesliga Finanznot herrscht.

Inzwischen hat man sich angesichts der gebotenen Eile wieder angenähert. Der Teufel steckt aber im Detail, genauer gesagt: in der steuerlichen Behandlung der Zahlungsströme. Bisher bekam der DFB 26 Millionen Euro Pacht von der DFL, die er nicht als Einnahme versteuern musste. Im Gegenzug zahlte der DFB 20 Millionen Euro für die Übertragung der Vermarktungsrechte der Nationalspieler an die DFL. Diesen Betrag durfte der DFB voll als Aufwand versteuern - lange Zeit blieben ihm im Saldo nicht sechs Millionen, sondern 13 Millionen Euro Plus übrig.

Aus 13 Millionen Plus wurden nur noch vier Millionen für den DFB

So hat das aber schon zuletzt nicht mehr funktioniert, das haben die mittlerweile viel gestrengeren Finanzbehörden bereits entschieden und die Zügel angezogen. Deshalb schrumpften die 13 Millionen Plus aus dem Gegengeschäft DFB/DFL auf nur noch vier Millionen Euro nach Steuern. Also braucht der DFB brutto spürbar mehr Geld von der Bundesliga. Die Rede ist jetzt von 27 Millionen Euro, nach Steuern wären das dann rund 18 Millionen Euro. Damit können beide Seiten leben.

Hinzu kommt: Die Beteiligung des deutschen Profifußballs am „Masterplan Amateurfußball“ soll sich nach FR-Informationen von 2,5 Millionen Euro auf bis zu drei Millionen erhöhen. Die DFL-Beteiligung von derzeit einer Million Euro für Ausbildungsentschädigungen an Amateurklubs, deren Spieler es zu Profis schafften, soll auf ganz neue Beine gestellt werden.

Der DFB zahlt viel mehr an die Amateure als alle anderen Verbände

Außerdem sollen die bisher 2,35 Prozent aus dem Eintrittskartenverkauf der Bundesliga und 1,35 Prozent aus dem der zweiten Liga, die direkt an die 21 Landesverbände fließen, leicht aufgestockt werden. Die Landesverbände haben (ohne den Betrieb ihrer Sportschulen) zusammen einen Etat von fast hundert Millionen Euro, den sie etwa zu je etwa einem Drittel aus Abgaben der Vereine, des Staats und des DFB beziehen. Zum Vergleich: In anderen, weniger finanzkräftigen Verbänden, als es der DFB in der Vergangenheit war, fließt kein einziger Cent von oben nach unten.

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