Franz Beckenbauer bescherte den Fußballfans viele großartige Momente. Einer davon ist ganz sicher das WM-Halbfinale 1970.
München – Er hatte sie wieder einmal alle stehen gelassen. Der Kaiser dribbelte, tanzte. Und am Ende fiel er. Einen Elfmeter sollte es an diesem Nachmittag, der später als legendärster in die WM-Geschichte eingehen sollte, aber nicht geben. Was in dieser 65. Minute im Halbfinale zwischen Deutschland und Italien aber blieb, war ein an der Schulter verletzter Franz Beckenbauer.
Franz Beckenbauer im WM-Halbfinale 1970: Mit dem Arm in der Schlinge
„Ich holte zum Schuss aus, und in diesem Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ein heftiger, stechender Schmerz in der Schulter. Cera hatte mich gelegt“, erinnert sich Beckenbauer Jahrzehnte später in seinem Buch „Meine Gegner – Meine Freunde“.
24 Jahre war der Kaiser bei dieser Weltmeisterschaft alt und trotzdem war er schon der Anführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In einem solchen Spiel verletzt aufgeben? Keine Option für den Münchner. Also biss er sich durch. Blockte Schüsse, trieb an, schwebte, dribbelte, feuerte Distanzschüsse ab. Das alles mit einer improvisierten Schlinge, die die lädierte Schulter ab der 65. Minute einigermaßen zusammen hielt. So spielte er noch rund eine Stunde in einem WM-Halbfinale. Das deutsche Auswechselkontingent war bereits erschöpft.
Franz Beckenbauer und das Spiel, das ihn zur Legende machte
Beckenbauer führte die DFB-Elf weiter durch eine umkämpfte Partie, die dank fünf Treffern in der Verlängerung später zum „Jahrhundertspiel“ geadelt wurde. Der Kaiser und die Seinen gingen als Verlierer vom Platz. Und trotzdem machte ihn diese Partie endgültig zu einer Fußball-Legende.
Zu Ehren aller Beteiligten wurde später eine Gedenktafel vor dem Aztekenstadion aufgestellt, die bis heute an das wohl beste WM-Spiel aller Zeiten erinnert. Über 100.000 Zuschauer waren bei dem Spektakel live dabei.
Nach Franz Beckenbauers Tod: Gegner und Mitspieler von einst erinnern sich an das WM-Halbfinale 1970
Heute, unmittelbar nach dem Tod von Franz Beckenbauer, erinnern sich die Gladiatoren von einst an den epischen Kampf. Ex-Nationalspieler Roberto Boninsegna, der damals das 1:0 für Italien geschossen hatte, lobte Beckenbauer als „Regisseur und Anführer dieser großartigen Mannschaft“. Der 80-Jährige weiß noch genau, dass er mit Beckenbauer seinerzeit im Halbfinale oft aneinander geriet. „Man konnte ihn überall finden. Er war ein wahrer Mannschaftsspieler von außergewöhnlicher Eleganz. Trotz verletztem Arm ist es ihm gelungen, sein Bestes zu geben.“ Für ihn gehöre Beckenbauer in den „Olymp der Größten aller Zeiten“.
Gianni Rivera erzielte unmittelbar nach dem deutschen Ausgleich zum 3:3 durch Gerd Müller das entscheidende 4:3. Diese Momente hat er natürlich noch im Kopf: „Ich erinnere mich an sein Gesicht, denn er war noch wütender als der Torwart Sepp Maier. Aber dann hat er sich am Ende des Spiels von uns verabschiedet. Er war ein großartiger Gentleman, auch abseits des Spielfelds.“
Franz Beckenbauer: Karriere und Leben des Kaisers in Bildern
Franz Beckenbauer spielt nun mit Pelé, Maradona, Müller und Zagallo
Beckenbauers DFB-Kollege Karl-Heinz Schnellinger, damals der Schütze des späten 1:1, das Deutschland noch in die Verlängerung rettete, sagte: „Es war eines der spannendsten Kapitel in der Fußballgeschichte. Am Ende war das schönste Gefühl der Stolz, unser Land zu vertreten, in der Mannschaft zu sein, die wieder auf Augenhöhe mit den Großen kämpfte.“
Manch einem Großen begegnet Franz Beckenbauer nun im Himmel. Pelé, Maradona, Gerd Müller oder Mario Zagallo erwarten ihn – und auch sein Sohn Stephan. (akl/dpa)