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Nach Niederlagen wie gegen Leverkusen sind Debatten beim FC Bayern üblich. Vincent Kompany demonstriert, dass er das „Mia san mia“ verstanden hat.
München – Der Kracher im DFB-Pokal gegen den amtierenden Doublesieger Bayer Leverkusen entwickelte sich für den FC Bayern nach einer dominanten Anfangsphase sehr schnell zur Mammutaufgabe: Platzverweis für Kapitän Manuel Neuer nach lediglich 17 Spielminuten. Der deutsche Rekordmeister agierte dennoch weiterhin derart souverän, dass sich Leverkusens Nationalspieler Robert Andrich nach dem Spiel äußerte: „Bayern hat so gespielt, dass es nicht aufgefallen ist, dass wir einen Mann mehr hatten.“ Ein riesiges Kompliment vom Gegner.
Bekanntermaßen hat es dennoch nicht für das Team von Vincent Kompany gereicht. Die Statistiken wiesen mehr Ballbesitz (58 Prozent), mehr Schüsse (14:11) und mehr Ecken (12:4) auf, das blanke Ergebnis lautete aber 0:1. Zum fünften Mal in Folge ein frühes Pokal-Aus für den Rekordpokalsieger!
Kritik in Unkenntnis der Bedeutung des „Mia san mia“
Die neuen - im „Kompany-Zeitalter“ geeinten - Bayern zeigten sich nach der Niederlage trotzdem stolz und mit der charakterstarken Leistung zufrieden, ernten dafür aber Unverständnis und sogar Spott.
Aus dem Rheinland kommt dazu gar die Botschaft: „Erschreckend ambitionslos: Der FC Bayern verzwergt(!) sich selbst: Gut gespielt ist das neue Mia san mia“.
Ziemlich gehässig und auch keineswegs zutreffend, wohl auch in Unkenntnis der wahren Bedeutung des berühmt-berüchtigten Mottos des Rekordmeisters.
Die Kernaussage des Mia san mia beinhaltet, dass man eine Einheit ist, dass man zusammenhält, das gilt besonders auch bei Rückschlägen und sportlichen Niederlagen. Genau dies demonstriert man derzeit an der Säbener Straße - ganz anders als in vergangenen Jahren - ziemlich perfekt und mit Souveränität.
Kompanys perfekte Erklärung des FCB-Mottos
Auf der PK nach der „bitteren“ Niederlage, wie Vincent Kompany dort selbst eingestand, äußerte sich der 38-jährige Belgier zum Spiel, zur derzeitigen Situation und den Zielen wie folgt:
„Die Mannschaft hat stark gespielt, aber es ist schade, denn wir sind jetzt raus und das bekommst du nicht zurück. Aber so wie die Mannschaft lebt, glauben wir daran, dass wir sehr viele Spiele gewinnen werden. Diesen Titel werden wir dieses Jahr nicht gewinnen, aber wir werden in Zukunft noch viele Titel gewinnen, wenn es so weitergeht.“
Weiter mit Kampfansage: „Wir sind hungrig. Dass es in der Vergangenheit nicht perfekt war, wissen wir. Deswegen ist jeder Tag, jedes Spiel und jeder Moment, den wir haben, ein Kampf, dass wir wieder zeigen, wie gut wir sind.. Wir müssen das abhaken und ab morgen wieder kämpfen, dass wir die nächsten Spiele gewinnen. Es ist heute nur schade wegen des Ergebnisses. Wir belohnen uns nicht für die Leistung, aber das ist die Realität und wir müssen damit umgehen.“
Hierbei von einem Verzwergungs-Prozess zu sprechen, ist wohl ein weiteres Missverständnis des endlich wieder an der Säbener Straße vorhandenen Mia san mia.
Noch eine nervige Debatte
Ein weiteres derzeit in diesem Kontext nerviges Thema, ist die angebliche Unfähigkeit des FC Bayern, in dieser Saison gegen die Großen zu gewinnen.
Dabei werden immer wieder exakt die Gegner aufgeführt, gegen die der Rekordmeister in dieser Saison nicht gewinnen konnte: Borussia Dortmund, Leverkusen (2x), Eintracht Frankfurt, FC Barcelona, Aston Villa. Die bisherige Saisonbilanz bei 20 Pflichtspielen lautet 14 Siege - 3 Unentschieden - 3 Niederlagen.
Die 14 teilweise überragenden Siege werden dagegen abgewertet: Darunter das 4:0 gegen den Vizemeister VfB Stuttgart, das 1:0 gegen den portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon und das 1:0 gegen den französischen Serienmeister Paris Saint-Germain. Alle drei Vereine haben intakte Chancen, sich für die CL-Achtelfinal-Play-Offs zu qualifizieren.
Wer ist tatsächlich ein „großer Gegner“?
Außer gegen Leverkusen wurden alle anderen nicht gewonnenen Spiele übrigens auswärts bestritten und es gab in der gesamten Saison von den 40 Halbzeiten wohl nur eine einzige, bei welcher man tatsächlich die schlechtere Mannschaft war: Die zweite Halbzeit in Barcelona gegen zum damaligen Zeitpunkt überragend aufspielende Katalanen. Für alle anderen nicht gewonnenen Partien gilt Kompanys PK-Aussage: „Es ist heute nur schade wegen des Ergebnisses. Wir belohnen uns nicht für die Leistung, aber das ist die Realität und wir müssen damit umgehen.“
Diese Erkenntnis und das Abstellen dieser Schwäche sind der wahre Knackpunkt für eine erfolgreiche Rückrunde. Denn wer ist tatsächlich ein kleiner und wer ein großer Gegner?
Der BVB hat in der Bundesliga 20 Punkte auf dem Konto, die er bis auf einen einzigen alle zu Hause geholt hat, bei sechs Siegen und einem Remis gegen den FCB. Der Rekordmeister hat in der Saison schon den SC Freiburg (ebenfalls 20 Punkte - 2:0), Mainz 05 (19 - 4:0 im Pokal), den VfL Wolfsburg (18 - 3:2) und den VfB Stuttgart (17 - 4:0) mehr oder weniger klar besiegt, bei einer Niederlage Dortmunds bei der anderen Borussia in Mönchengladbach können alle vier Teams am FCB-Clásico-Gegner vorbei ziehen.
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com
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Aston Villa nicht „größer“ als PSG
Aston Villa hatte beim 1:0 Sieg am 2. Spieltag der CL-Ligaphase nicht nur großes Dusel, man befand sich zusätzlich gerade in der besten Form der laufenden Spielzeit. Vom Potenzial ist z.B. das besiegte PSG eine ganz andere Hausnummer.
Fazit: Haben die Bayern unter Kompany tatsächlich einmal den viel zitierten Bayerndusel - Spielglück, weniger Verletzte etc. - können sich die Gegner sehr warm anziehen und leidvoll miterleben, wie es ist, wenn das Mia san mia über sie wegrollt. Der Wunsch, die große Hoffnung der Bayern und ihrer Fans.
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