Angriff

Eintrachts Michy Batshuayi: Knipser, Witzbold und Verbinder

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Bereit für die Eintracht: Michy Batshuayi.
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Der neue Eintracht-Stürmer Michy Batshuayi hat eine Menge vor mit seinem Klub, für den er förmlich brennt – die Europa League würde er mal im Vorbeigehen mitnehmen

Die Sache mit dem Doppelpack ist dem gewitzten Mittelstürmer Michy Batshuayi ein ganz klein wenig peinlich. Damals, vor fast sechs Jahren, erlegte er die Eintracht im Trikot von Borussia Dortmund mit zwei späten Treffern im Alleingang, das Siegtor zum 3:2 in einer atemberaubenden Partie machte er nach 94 Minuten und stürzte die Eintracht ins Tal der Tränen. „Das Drama von Dortmund“, titelte die FR. Der spritzige Danny Blum hatte für den Frankfurter Bundesligisten kurz zuvor zum 2:2 ausgeglichen, doch dann schlug Keeper Lukas Hradecky den Ball uninspiriert in die Mitte, Danny da Costa hob das Abseits auf – und Michy Batshuayi vollstreckte eiskalt. Grenzenloser Jubel auf der einen, Entsetzen auf der anderen Seite.

Als Michy Batshuayi jetzt, als brandaktueller Spieler von Eintracht Frankfurt, darauf angesprochen wurde, zeigte er die Zähne. Dann schlug er beide Hände vors Gesicht und den Zeigefinger auf die Lippe, „psst“. Aber gut, was war, lässt sich nicht mehr ändern, und also flötete der 31-Jährige schmunzelnd: „An die Bundesliga habe ich sehr gute Erinnerungen, aber leider habe ich zwei Tore gegen die Eintracht geschossen.“ Wird man ihm verzeihen in Frankfurt.

Nur 17 Sekunden

Der 56-fache belgische Nationalspieler (27 Tore) machte während seiner Vorstellung im Proficamp im Stadtwald einen selbstsicheren, abgeklärten Eindruck, mal hintergründig, mal witzig. Der Bursche ist ja auch schon ein bisschen herumgekommen in der Fußballwelt, spielte in Deutschland, England, Spanien, Frankreich, auch in Belgien und zuletzt für dreieinhalb Jahren in der Türkei. Da findet sich einer zurecht und schnell ein, man muss ja durchaus offen und aufgeschlossen sein, wenn man so oft den Verein wechselt, immer aufs Neue Land und Leute kennenlernt.

Bis Montagabend saß er noch in einem Hotel in Gaziantep, nahe der syrischen Grenze. Das Wlan schlecht, die Nerven angespannt. Eigentlich hätte er mit den Kollegen von Galatasaray im Stadion sein sollen, der Trainer wollte das so. „Aber ich wollte nicht, ich wollte warten und schauen, was passiert.“ Da war längst Bewegung reingekommen in die Verhandlungen zwischen der Eintracht und dem Istanbuler Großklub. Und doch war es ein Husarenritt, einen Transfer dieser Größenordnung binnen vier Stunden abzuwickeln, denn erst um 16 Uhr öffnete Gala die Tür und rückte von den horrenden Forderungen nahe der Zehn-Millionen-Grenze ab. Der Abschluss folgte dann 17 Sekunden (!), bevor die Onlineportale schlossen. Erst da waren alle Unterlagen an DFL und Fifa gesandt. Ein Krimi. „Dank Gott bin ich jetzt hier, ich bin sehr glücklich“, sagt der Angreifer, der Feuer und Flamme war, als sich die Eintracht meldete. „Sie ist ein großer Verein“, er habe keine Sekunde gezögert, wusste gleich, dass er das machen will.

Zumal er in einem Gespräch mit Trainer Dino Toppmöller „sofort das Vertrauen gespürt“ habe. Und mit Sportvorstand Markus Krösche ist die Verbindung noch sehr viel enger. „Mit ihm bin ich seit einigen Jahren im Austausch. Vielleicht war es kein Traum, aber immer ein Gedanke, dass ich mal hierher wechsele.“ Hat ja mit einigem Anlauf geklappt.

Der Routinier im Sturm soll gemeinsam mit dem neuen Kollegen Elye Wahi die Lücke stopfen, die der Weggang von Omar Marmoush gerissen hat. Eins zu eins ist der jetzt für Manchester City spielende Überflieger nicht zu ersetzen, das weiß jeder, aber vielleicht gelingt es den Stürmern im Kollektiv. Jeder bringt seine eigene Note, seinen eigenen Stil ein, was die Flexibilität erhöhen könnte.

Laut Michy Batshuayis Selbsteinschätzung bekommt die Eintracht einen relativ kompletten Stürmer: gut im Abschluss, gut mit dem Kopf, Bälle halten? Kein Problem. Kombinieren auch nicht und auch die Tiefenläufe gehören zum Repertoire: „Ich möchte ein Mehrwert für die Mannschaft sein“, sagt der Belgier mit kongolesischen Wurzeln, der nach Fußball die Mode zu seinen „größten Leidenschaften“ zählt und von einem Weltstürmer am meisten gelernt hat: Karim Benzema.

Führungsrolle anvisiert

Ob Michy Batshuayi schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) bei Borussia Mönchengladbach zur Startelf zählen wird, darf bezweifelt werden. Er selbst aber fühlt sich topfit und sei absolut bereit: „Aber das entscheidet der Trainer.“ Wer auch sonst?

Der in Brüssel geborene Familienvater will seinen Erfahrungsschatz in Frankfurt an die jungen Kameraden weitergeben. „Ich habe im Laufe der Jahre einen besseren Blick auf den Fußball und das Leben gewonnen“, sagt er. Er wolle eine Führungsrolle einnehmen, die vielen Talente „beraten, motivieren und pushen“. Seine einnehmende Art wird ihm, dem Verbinder, helfen, er gilt zudem als Spaßvogel. „Ich kann lustig sein, aber nur wenn wir gewinnen“, sagt er lachend.

Auch die belgische Nationalmannschaft hat er noch nicht abgehakt, obwohl er zuletzt nicht mehr eingeladen wurde. „Ich bin sehr hungrig, der Wille ist da, in die Nationalmannschaft zurückzukehren. Dafür werde ich alles tun.“ Und dazu muss er vor allem eines: regelmäßig spielen – und am besten treffen. Dann könnte es auch mit der Champions-League-Qualifikation klappen und mit einer langen Reise in der Europa League. „Und wenn wir den Titel gewinnen, nehmen wir ihn mit.“ En passant, sozusagen.

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