Eintracht-Star war schon in Paris – Kolo Muani ist sich mit PSG einig
VonThomas Kilchenstein
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Daniel Schmitt
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Der Frankfurter Topstürmer Randal Kolo Muani wird die Eintracht wohl verlassen. Am Donnerstag soll er in Paris verhandelt haben.
Frankfurt – Die Tage des Randal Kolo Muani bei Eintracht Frankfurt scheinen tatsächlich gezählt. Der französische Nationalspieler, bester Frankfurter Torschütze des letzten Jahres, im Grunde die Lebensversicherung des hessischen Bundesligisten und auch gestern Schütze des entscheidenden Tores beim Derbysieg, wird nach Lage der Dinge die Eintracht verlassen. Wie mehrere französische Medien, darunter die renommierte L’Equipe, übereinstimmend berichteten, haben der 24 Jahre alte Topstürmer und Paris Saint-Germain eine grundsätzliche Einigung über einen Wechsel erzielt.
Am Sonntag flatterte bei Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche auch elektronische Post aus Paris in den Rechner, PSG bietet eine Entschädigungssumme von 65 Millionen Euro. Das ist natürlich aus Frankfurter Sicht ein geradezu lächerliches Angebot. Krösche hat zuletzt stets sehr deutlich gemacht, dass er erst ab 100 Millionen Euro bereit ist, über einen möglichen Wechsel nachzudenken. Er dürfte nicht einknicken, sagte nach dem 1:0-Sieg am Sonntag: „Es ist nicht unsere Intention, Kolo zu verkaufen.“ Man werde die Entwicklung der nächsten Tage abwarten müssen, er, Krösche, gehe davon aus, dass „Kolo am Montag zum Training erscheint“. Dessen ungeachtet: Ganz offensichtlich macht Paris St. Germain mittlerweile Ernst.
Causa Kolo Muani bei Eintracht Frankfurt: Krösche hat nur Plan A im Kopf
Nach FR-Informationen soll Randal Kolo Muani am Donnerstag mit Erlaubnis des Klubs in Paris gewesen sein, um Gespräche zu führen. Spieler und Klub einigten sich schnell, Eintracht Frankfurt wurde darüber informiert. In dieser Woche, teilte die Eintracht am Freitag mit, fehlte der Stürmer mit einer „Magenverstimmung“. Dass Kolo Muani womöglich zum Bundesligaauftakt nicht spielen würde, war nie ein Thema. Noch am Spieltag habe Trainer Dino Toppmöller mit seinem Stürmer geredet, er habe „einen fröhlichen Eindruck“ gemacht. Ohnehin verhalte sich der Ausnahmestürmer selbst in dieser für ihn so kniffligen Situation ausgesprochen „professionell, er ist ein guter Junge“, lobte Krösche. Als sicher gilt: Der Poker ist eröffnet, er wird sich ziehen, dieses erste Angebot aus Frankreich wird der Eintracht nicht im Entferntesten reichen.
Krösche hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er in dieser Causa „sehr entspannt“ ist. Kolo Muani besitzt bei der Eintracht einen langfristigen Vertrag bis 2027, ohne Ausstiegsklauseln und andere Nebenabreden. „Wir treffen die Entscheidungen, wir haben die Kontrolle“, sagte der Sportchef zuletzt. Krösche war aber immer davon ausgegangen, dass bis 1. September „noch ein bisschen Bewegung“ in den Markt und in den Frankfurter Kader kommen wird.
Kolo Muani vor Abgang? Eintracht Frankfurt könnte unter Zugzwang geraten
Viel Bewegung haben zum einen der Transfer des brasilianischen Dribblers Neymar von PSG nach Saudi Arabien gebracht, die dafür 80 Millionen Euro in die französische Kapitale pumpten, sowie die Absicht von Real Madrid, Kylian Mbappé jetzt seriös ein sehr lukratives Angebot zu unterbreiten. Kolo Muani würde dann den Topstürmer ersetzen.
Kolo Muani, Marmoush – und jetzt Ekitiké: Die teuersten Transfer-Abgänge von Eintracht Frankfurt
Wer Kolo Muani hingegen in Frankfurt ersetzen soll, ist aktuell ungewiss. Krösche sagt, er habe keinen Plan B, „ich beschäftige mich nur mit Plan A“, der Verbleib des Ausnahmeangreifers in Frankfurt. Der Eintracht sind zuletzt ein paar Kandidaten von der Fahne gegangen: Hugo Ekitike, der beim Muani-Wechsel im Paket mit 80 Millionen von PSG ins Hessische transferiert werden sollte, hat laut eigenen Angaben kein Interesse, in die Bundesliga zu wechseln. Elye Wahi vom HSC Montpellier, den die Eintracht lange im Blick hatte, hat sich an diesem Wochenende für den Champions-League-Teilnehmer RC Lens entschieden, 35 Millionen Euro kassiert Montpellier dafür. Ein Kandidat könnte der Stuttgarter Serhou Guirassy sein, der am Samstag mit zwei Toren beim 5:0-Sieg auftrumpfte.
Wie auch immer: Die Eintracht könnte in den nächsten beiden Wochen unter Zugzwang geraten, ohne Kolo Muani und ohne einen adäquaten Ersatz dürfte es ihr schwer fallen, ihre ambitionierten Ziele zu erreichen. Ohne Randal Kolo Muani (und ohne Daichi Kamada) ist Eintracht Frankfurt deutlich schwächer besetzt. Aber Markus Krösche hat ja stets betont, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. (Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt)