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Frühe Rote Karte, Geduldspiel, ungewöhnliche Torschützen: Der FC Bayern gewinnt auch das 13. Pflichtspiel der laufenden Saison mit 3:0 in Mönchengladbach. Die Münchner Stimmen.
Mönchengladbach - Bereits vor dem Spiel war klar, dass der Bundesliga-Klassiker aus den 1970er Jahren zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern dieses Mal spezielle Vorzeichen hatte. Galt die Fohlenelf bis vor zwei Jahren als der „Angstgegner“ des Rekordmeisters, traf am 8. Spieltag der Saison 2025/26 der sieglose Tabellenletzte auf den verlustpunktfreien Spitzenreiter.
Als Gladbachs rechter Defensivmann Jens Castrop nach gut einer Viertelstunde den FCB-Kolumbianer Luis Díaz brutal foulte, hatte SR Sascha Stegemann eigentlich keine andere Wahl, als ihn des Feldes zu verweisen. Was er letztendlich auch tat, warum er dazu den VAR benötigte und die angebotenen Bilder minutenlang dafür studierte, bleibt sein Geheimnis.
Für die Bayern ergab sich bei numerischer Überlegenheit ein Geduldspiel, die Borussia stand noch tiefer und kompakter als ursprünglich geplant. In der 64. Minute erlöste Joshua Kimmich sein Team mit seinem ersten Saisontreffer, Raphael Guerreiro legte nur fünf Zeigerumdrehungen später nach und der kurz zuvor eingewechselte 17-jährige Lennart Karl traf genauso fantastisch wie in der Champions League gegen Brügge zum Endstand von 3:0 (80.). 27:1 Torschüsse dokumentieren die turmhohe Überlegenheit des FCB. Der einzige VfL-Torschuss resultierte aus einem von Kevin Stöger vergebenen Foulelfmeter (75.). Der Rekordmeister grüßt mit 24 Punkten aus acht Spielen nicht nur souverän von der BL-Tabellenspitze, die wettbewerbsübergreifend 13 Pflichtspielsiege bei 47:9 Toren zum Saisonstart bedeuten einen neuen Europarekord (Top-5-Ligen), den bislang der AC Milan aus der Spielzeit 1968/69 mit zwölf Siegen (43:12 Tore) hielt.
Die FCB-Stimmen zum 3:0 in Gladbach
FCB-Sportvorstand Max Eberl
„Gladbach hat sich nach dem Platzverweis zusammengerauft und die Räume extrem eng gemacht. Wir hätten direkt am Anfang das 1:0 machen können. Dann war es ein Stück weit ein Geduldspiel, es ging auch darum, den Gegner müde zu spielen. Es war klar, dass sich die Chancen ergeben würden. In der zweiten Halbzeit war es dann so weit und am Ende war es ein verdienter Sieg. Es war definitiv nicht leicht, trotzdem haben wir die Ruhe bewahrt und weitergespielt. Geduld ist ein wichtiger Part in unserem Spiel, und den haben wir heute gezeigt.“
Chefcoach Vincent Kompany
„In der ersten Halbzeit gab es sehr viele Emotionen. Gladbach hat für jeden Ball gekämpft. In vielen Momenten haben sie unsere Offensivspieler aus dem Spiel gehalten. Trotz der Roten Karte hat man gespürt, dass sie alles geben – die Fans haben für viele Aktionen gejubelt. Wir sind ruhig geblieben, wollten die Emotionen unten halten. In der zweiten Halbzeit haben wir das Tempo hochgehalten, viel die Seiten gewechselt. Irgendwann muss man seine Chance nutzen, und das haben wir gemacht.“
Joshua Kimmich, in Gladbach Bayern-Kapitän
„Es war definitiv ein Geduldsspiel. Am Anfang hatte ich den Eindruck, dass Gladbach uns hoch pressen wollte. Sie hatten sich viel vorgenommen, waren mutig und sind ordentlich ins Spiel gekommen. Natürlich müssen wir nach einer Minute eigentlich schon 1:0 führen. Aber die Rote Karte hat es dann wirklich zu einem Geduldspiel gemacht, weil sie danach ihren Matchplan geändert haben, sehr tief standen, und uns klar war, dass wir ruhig und geduldig bleiben müssen.
Dass wir jetzt 13 Pflichtspielsiege zum Saisonstart haben, ist kein Zufall. Das ist die Belohnung für harte Arbeit, konsequentes Training und eine klare Struktur in der Mannschaft. Wir haben eine richtig gute Truppe, und man sieht, dass auch die Jungs, die reinkommen sofort da sind. Das ist extrem wichtig. Jeder freut sich für den anderen, wenn er trifft oder eine Vorlage macht. Es ist eine sehr homogene Mannschaft, ohne dass alles nur ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘ ist. Es gibt ein Leistungsprinzip, jeder will sich durchsetzen – aber alle tun es fürs Team.“
Jonas Urbig, für Manuel Neuer das FCB-Tor hütend
„Wir haben gut verteidigt, bis auf ein, zwei Situationen. Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht, dass ich fast nichts zu tun hatte. Es war ein typisches Geduldspiel. In der ersten Halbzeit mussten wir den Gegner müde spielen, auch wenn wir schon Chancen hatten, die wir hätten nutzen können. In der zweiten Halbzeit haben wir uns dann belohnt, die Tore gemacht und das Spiel gewonnen. Für mich persönlich war es ein kleiner Derbysieg – als ehemaliger Kölner freut mich das natürlich besonders. Ich gehe mit richtig guten Gefühlen ins Pokalspiel in Köln. Wir haben als Mannschaft eine starke Leistung gezeigt, und das nehmen wir mit.“
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