Transferpoker in der Schlussphase

Eintracht erhält kein neues Angebot für Kolo Muani aus Paris

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Wie umworben ist Randal Kolo Muani aus Paris?
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Eintracht Frankfurt bleibt entspannt, Niclas Füllkrug ist angeblich kein Thema und Kristijan Jakic steigt plötzlich im Wert.

Der wechselwillige Werder-Stürmer Niclas Füllkrug hat nach dem mit 0:4 verlorenen Bundesligaauftakt gegen Bayern München auf die pfiffige Reporterfrage nach seinem Verbleib in Bremen sinngemäß gesagt, die Frage sei für ihn „nicht von Interesse“, vielleicht für die Zuschauer, aber nicht für ihn. Dann hat er sich freundlich verabschiedet und ist in die Kabine gestapft. Jetzt hat es der Nationalspieler als nächster namhafter Profi auf der Liste möglicher Nachfolger von Frankfurts Superangreifer Randal Kolo Muani geschafft. Meldet zumindest „Bild“, etwa 20 Millionen Euro wollen die Bremer für den 30-Jährigen an Ablöse haben .

Das sieht Eintracht Frankfurt ein klein bisschen anders, nicht nur das mit der Höhe der Ablösesumme. „Wir beschäftigen uns aktuell nicht mit diesem Thema“, heißt es bei der Eintracht. Ob da ein unsichtbares „Stand jetzt“ mitschwingt, muss offen bleiben.

Enger Korridor

Nach wie vor gehen die Hessen nicht davon aus, ihren Starstürmer verkaufen zu wollen, zumal, anders als vielfach dargestellt, Paris Saint-Germain, der heißeste Interessent, laut Eintracht gar kein weiteres nachgebessertes Angebot unterbreitet hat. Bisher liegt Sportvorstand Markus Krösche allein jene Offerte von Sonntagfrüh auf dem Tisch über etwa 65 Millionen Euro, ein Angebot, das „nicht den Erwartungen“ der Frankfurter entspricht, wie Krösche gleich betonte.

100 Millionen sollen es halt schon sein. Kolo Muani wird mit einiger Sicherheit am Donnerstag beim ersten Playoff-Spiel zur Conference League gegen Lewski Sofia spielen, vielleicht ja sogar noch eine weitere Saison in Frankfurt. Denn dass Paris seit dem Wochenende kein weiteres, aufgestocktes Angebot unterbreitet hat, gilt als eher unüblich. Und ein bisschen spielt jetzt die Zeit der Eintracht in die Karten, zwischen Tür und Angel wickelt man einen solchen Deal nicht ab - noch in Erinnerung ist das lange Tauziehen zwischen Harry Kane und Bayern München. Und das Ende der Transferperiode am 1. September 18 Uhr rückt näher.

Zudem sieht es momentan nicht danach aus, als ob Kolo Muani einen Wechsel aktiv betreiben und beispielsweise Dienst nach Vorschrift schieben, lustlos agieren oder gar einen Streik in Erwägung ziehen würde. „Er ist ein guter Junge“, sagt Krösche schon seit Tagen.

Das ist auch Kristijan Jakic. Der ehrbare Zerstörer im Frankfurter Mittelfeld ist in den letzten Tagen im Schatten des alles überwölbenden Wechseltheaters um Randal Kolo Muani selbst ein wenig in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Das verwunderte insofern, weil der Kroate mit dem großen Kämpferherzen in der Vorbereitung nicht sonderlich aufgefallen war, meist wurde er auf den rechten Verteidigerposten geschoben, eine Position, die er zwar ausfüllte, seine Stärken liegen aber woanders. Außerdem war klar, dass dort, wenn es Ernst wird, entweder Tuta oder Robin Koch zum Einsatz kommen. Im Pokalspiel gegen Lok Leipzig gehörte Jakic zum Kader, spielte aber nicht. Und dann leuchtet beim ersten Punktspiel nach sechs Minuten plötzlich die Nummer 6 auf, die Nummer von Kristijan Jakic. Er kam für den angeschlagenen Sebastian Rode ins Spiel - auf einer Position, deutlich offensiver als er gewohnt war, noch vor dem eigentlichen Sechser Ellyes Skhiri. Er zog sich, nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten, ganz ordentlich aus der Affäre

Und war plötzlich ins Visier des VfB Stuttgart geraten. Die suchen händeringend, seit dem schnellen Abgang von Wataru Endo zum FC Liverpool, einen Abräumer, sie fühlten im Hessischen nach, aber Trainer Dino Toppmöller verspürte, angesichts des erneuten Ausfalls von Kapitän Rode, keine große Bereitschaft, den Allrounder gehen zu lassen.

Dünne Personaldecke

Wie schnell übrigens der Wert eines Spielers steigen kann, auch das zeigt die Personalie Jakic. Denn ursprünglich war der 26-Jährige von der Eintracht nicht auf die umfangreiche Liste jener Spieler gesetzt worden, die für die beiden Playoff-Spiele gegen Lewski Sofia gemeldet worden waren. Aus „sportlichen Gründen“, wie es hieß, nicht weil schon alles klar sei mit Stuttgart. Diese Liste wurde allerdings bereits am 18. August erstellt, vor dem ersten Bundesligaspieltag, und Sebastian Rode war natürlich auch darauf, er verletzte sich ja erst zwei Tage später. Nun soll Kristijan Jakic (anstelle des Kapitäns) für die beiden Spiele nachnominiert werden. Die Partie in der bulgarischen Hauptstadt (19 Uhr) wird übrigens von RTL+ im Stream live und in Farbe übertragen

Ein Weggang von Jakic kann sich die Eintracht im Grunde auch nicht leisten: Denn so dick ist die Personaldecke in der Abwehr nicht, Tuta, der am Dienstag halbwegs beschwerdefrei trainierte, Robin Koch, Makoto Hasebe, Willan Pacho, Hrvoje Smolcic sind die Kandidaten für die Dreierkette, die bislang bevorzugte Abwehrkonstellation. Und Hasebe wird trotz aller Routine nicht alle Spiele bestreiten, ob Smolcic höchsten Ansprüchen genügt, ist offen, und Rodes Verletzungsanfälligkeit ist bekannt. Bislang freilich ist dem neuen Trainer Dino Toppmöller eines gelungen: Die Abwehr steht deutlich stabiler als letztes Jahr, drei Zu-Null-Spiele in Folge am Stück verdeutlichen das.

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