In Frankreichs Startelf

Eintracht-Stürmer glänzt im Nationalteam: Die Gala des Kolo Muani

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Gibt auch im Nationaltrikot eine gute Figur ab: Eintracht-Stürmer Kolo Muani war in Paris an drei der vier Toren beteiligt.
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Eintracht-Stürmer Randal Kolo Muani und Superstar Kylian Mbappé zerlegen die Niederlande beim 4:0-Sieg Frankreichs.

Okay, im Verein läuft es aktuell nicht ganz so rund für diesen Wunderknaben Randal Kolo Muani. Die Frankfurter Eintracht ist eine veritable Schaffenskrise gestürzt, es hakt und stockt, seit sechs Spielen wartet sie auf einen Sieg. In vier der sechs Partien ging sie sogar als Verlierer vom Feld. Plötzlich Tristesse im Stadtwald nach dem Allzeithoch im alten Jahr.

Auch an ihrem Himmelsstürmer ist die Flaute nicht ganz spurlos vorbeigegangen, in seinen letzten zwei Begegnungen blieb der 24-Jährige torlos. Das ist nichts Besorgniserregendes, fällt aber auf, weil der französische Nationalspieler vorher wie ein Orkan durch die Bundesliga fegte, an fast allen Eintracht-Toren beteiligt war: In der deutschen Premiumklasse steht er bei elf Treffern und 13 Assists, in den übrigen Pflichtspielen traf er weitere fünfmal (dreimal im Pokal, zweimal in der Champions League) und legte dreimal auf. Das sind beeindruckende Zahlen.

Und wenn nicht alles täuscht, dann wird Kolo Muani von seiner Länderspielreise mit ganz schön viel Rückenwind zurück nach Frankfurt kommen. Denn beim ersten Qualifikationsspiel der Franzosen für die Europameisterschaft in Deutschland 2024 gegen die Niederlande stand der Schlaks aus Bondy in der Startformation der Equipe Tricolore – und zeigte beim furiosen 4:0 (3:0)-Erfolg eine ausgesprochen gute Leistung. Dass sich der Senkrechtstarter überhaupt in der ersten Elf wiederfand, zeigt seinen gestiegenen Stellenwert bei Nationaltrainer Didier Deschamps.

Kolo Muani, der für die WM in Katar nur nachnominiert wurde, fliegt nicht mehr unterm Radar, er wird anders wahrgenommen, hat sich binnen kürzester Zeit in eine andere Umlaufbahn geschossen. Kein Wunder, dass der Angreifer den altgedienten Olivier Giroud auf die Bank verdrängte und den Platz in der Sturmmitte besetzte, also dort spielt, wo früher Weltfußballer Karim Benzema sein Unwesen trieb.

Benzema bockt

Doch der Madrilene hat ja seinen Rücktritt erklärt und ist im Unfrieden von Les Bleus geschieden. Benzema kanzelte Nationaltrainer Deschamps kurzerhand als Lügner ab. Auch Giroud steht er in leidenschaftlicher Abneigung gegenüber. Das Kräfteverhältnis zwischen den beiden drückte er, Benzema, mal so aus: „Man vergleicht keinen Formel-1-Piloten mit einem Kartfahrer.“ Eine Einladung zur offiziellen Verabschiedung vor dem Spiel in Paris lehnte Benzema – im Gegensatz zu Hugo Lloris und Raphael Varane – ab.

Doch auch ohne den Weltstar muss den Franzosen nicht bange sein, sie haben ein formidables Ensemble beisammen. Gerade in der Offensive. Mittelstürmer Kolo Muani nämlich wurde flankiert von Kingsley Coman und Kylian Mbappé, im Rücken unterstützte ihn Antoine Griezmann – sehr viel hochwertiger ist auf diesem Sektor wohl keine Nationalmannschaft der Welt besetzt.

Kolo Muani war gleich auf Betriebstemperatur, nach nicht mal 120 Sekunden schon nahm er einen von Griezmann per Grätsche erkämpften Ball auf, trieb ihn nach vorne und passte raus zu Superstar Mbappé, der wiederum Griezmann bediente – 1:0 vor 80 000 Zuschauenden im Stade de France. Griezmann, auch schon 32, übrigens trägt die Haare mittlerweile pink. Wem’s gefällt.

Auch an den beiden folgenden Treffern für die Equipe Tricolore war der aus Nantes zur Eintracht gekommene Stürmer beteiligt. Den Freistoß zum 2:0 von Dayot Upamecano (8.) holte er heraus, und vor dem dritten Streich riss er die niederländische Abwehr durch eine kluge Täuschung auseinander. Den Traumpass von Aurelien Tchouameni ließ Kolo Muani durch seine Beine passieren – genau in den Lauf zu Mbappé, der vollendete. 3:0 nach 20 Minuten – eine Demütigung für Oranje mit Bondscoach Ronald Koeman. Es sollte noch schlimmer kommen, zwei Minuten vor dem Ende schlug erneut der überragende Mbappé zu, 4:0-Endstand. Kolo Muani hatte da das Feld bereits geräumt und Platz gemacht für Routinier Giroud (77.).

Dreistellig soll es sein

Es spricht viel dafür, dass der Eintracht-Stürmer auch am Montagabend (20.45 Uhr) beim zweiten Qualispiel in Irland zur Anfangsformation der Franzosen zählen wird. Auch bei Les Bleus ist sein Aufstieg kometenhaft verlaufen. Im WM-Endspiel gegen Argentinien hauchte er seiner Elf nach seiner frühen Einwechslung neues Leben ein, war ein wichtige Faktor, dass die Franzosen das Spiel fast noch drehten – er selbst, man erinnert sich, hätte sich unsterblich machen und Frankreich zum Titel schießen können, vergab aber die riesige Chance zum 4:3 kurz vor Schluss. Der Rest ist bekannt, Lionel Messi und Co. siegten vom Punkt.

Randal Kolo Muani ist seitdem in aller Munde und hat für die Eintracht einen fast unermesslichen Wert. Dass er über den Sommer hinaus in Frankfurt bleibt, ist nicht sicher. Sollte ihn ein europäischer Topklub verpflichten wollen, wird es aber sündhaft teuer. Die Eintracht hat Kolo Muani ein Preisschild umgehängt: Erst ab einem dreistelligen Millionenbetrag darf er gehen.

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