Müller trifft Entscheidung: Wertvolle Erfahrung oder unwürdiges Ende?
VonAdrian Kühnel
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Lars Pollmann
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Thomas Müller gibt die Entscheidung bekannt, seine Karriere nach dem Aus beim FC Bayern im Ausland fortzusetzen. Die richtige Wahl? Ein Pro und Contra.
München – Nach 17 Profi-Jahren beim FC Bayern hat Thomas Müller „Servus“ gesagt. Die Münchner haben dem 35-Jährigen, mit 756 Pflichtspielen Rekordspieler des deutschen Rekordmeisters, keinen neuen Vertrag gegeben. Doch seine Fußballschuhe will Müller damit noch nicht an den Nagel hängen!
Gegenüber dem ZDF bestätigte Müller, seine Karriere außerhalb Europas fortzusetzen. Der Weltmeister von 2014 wird mit einem Wechsel in die MLS – zu Bayern-Partnerverein Los Angeles FC – in Verbindung gebracht. „Die MLS ist eine interessante Liga, gerade mit Blick auf die Fußball-WM im nächsten Jahr in Amerika“, so Müller. Daneben wird der Sydney FC aus der australischen A-League als Destination gehandelt.
Ist es die richtige Entscheidung, dass Müller seine Karriere in der großen weiten Welt fortsetzt? Ein Pro und Contra zwischen den Reportern Adrian Kühnel und Lars Pollmann von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports.
Raumdeuter für die Ewigkeit: Die Trophäen von Thomas Müller
Pro: Diese Erfahrung bringt Thomas Müller im Leben weiter
Adrian Kühnel meint:
Die Vorstellung, Thomas Müller hätte seine Karriere beim FC Bayern beendet, mag romantisch wirken. Doch Müller sieht offensichtlich noch nicht die Zeit gekommen, um sich schon endgültig von der großen Fußballbühne zu verabschieden.
Dass er jetzt ein Abenteuer im Ausland wagt, vermutlich in die USA oder überraschenderweise sogar nach Australien wechselt, steht ihm absolut zu und ist nur zu loben.
Müller verspürt noch immer den Ehrgeiz, diesem tollen Sport und den Leuten drumherum etwas geben zu können. Sportlich hat er weiterhin die nötige Kraft im Tank. Klar ist auch: Müller will sich offensichtlich menschlich weiterentwickeln. Ein Engagement in den USA oder in Australien wird seinen Horizont erweitern, ihm weitere wichtige Lebenserfahrung geben.
Zudem ergibt dieser Schritt aus Marketing-Perspektive Sinn: Schon jetzt ist Müller für den deutschen Fußball ein Aushängeschild im Ausland – die Marke Müller wird jetzt noch stärker. Und seien wir mal ehrlich: Es gibt kaum jemanden, der Müller eines Tages nicht zurück beim FC Bayern sieht.
Bayern-Patron Uli Hoeneß kann sich Müller in sämtlichen Funktionen vorstellen. „Vorstand, Präsident, Sportdirektor“ – egal! Müller kann im Ausland wichtige Erkenntnisse sammeln, die ihm in einer dieser Funktionen garantiert weiterhelfen können. Daher ist der Schritt nur logisch und richtig!
Contra: Thomas Müller als „One-Club Man“ hätte viel mehr Charme
Lars Pollmann meint:
Thomas Müller in einem anderen Vereinstrikot als dem des FC Bayern zu sehen, wird ein Stich ins Herz der Fußballromantik sein. Statt sich als seltener „One-Club Man“ zu verabschieden, gibt die größte Identifikationsfigur seiner Generation diesen einzigartigen Status für eine sportlich zweitklassige Liga auf.
Natürlich hat Müller noch Kraft im Tank. Doch die MLS als Auffangbecken für Altstars ist für einen Spieler, der alles gewonnen hat, ein unweigerlicher sportlicher Abstieg. Er riskiert, dass das letzte Bild von ihm das eines Stars ist, der seine Karriere gemütlich ausklingen lässt. Das wird seinem sportlichen Vermächtnis nicht gerecht.
Ob er eine Auslandserfahrung für eine zweite Karriere bei Bayern braucht, sei dahingestellt. Man frage nur Uli Hoeneß nach seiner Meinung zu Jürgen Klinsmanns „Weiterbildung“ in Kalifornien. Die wichtigsten Lektionen für eine zukünftige Rolle hat Müller längst an der Säbener Straße gelernt.
So setzt Müller ein Komma, wo ein perfekter Schlusspunkt hingehört hätte. Eine Legende wie er hätte ein besseres Ende verdient – und zwar dort, wo sie hingehört: beim FC Bayern. Dass der Klub ihm diese Chance mit einem neuen Vertrag verwehrt hat, sollte dabei nicht unerwähnt bleiben.