Müllers letzte Szene für den FC Bayern ist typisch für seine Karriere
VonAdrian Rehling
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Aus der Traum vom Klub-WM-Titel zum Abschied. Thomas Müller hat seine letzte Partie für den FC Bayern absolviert. Und nochmal alles reingeworfen.
Atlanta – Es läuft die 98. (!) Minute zwischen dem FC Bayern und Paris St. German im Viertelfinale der Klub-WM. Der Champions-League-Sieger aus Frankreich führt mit 2:0, die Bayern werfen noch einmal alles nach vorne (hier der Live-Ticker zum Nachlesen). Und wer ist natürlich mittendrin im Getümmel? Natürlich einer: Thomas Müller, eingewechselt kurz zuvor in der 80. Minute.
Der 35-Jährige lauert nach der Hereingabe von links auf seine Chance – und tatsächlich: PSG-Keeper Donnarumma segelt an der Flanke vorbei, der Ball landet irgendwie vor Thomas Müller. Der zieht sein linkes Knie etwas hoch, hat das Leder im Anschluss zu einem Not-Kopfball parat und bringt diesen tatsächlich aufs Pariser Tor. Der Ball wird geklärt, doch Müller fällt zu Boden (Die Noten zum Spiel). Für Schiedsrichter Taylor ist klar: Elfmeter.
Raumdeuter für die Ewigkeit: Die Trophäen von Thomas Müller
Nach riesigen Beschwerden der PSG-Stars – Donnarumma zeigt sogar mit einer Geste an, die Partie abbrechen zu wollen, sollte die Entscheidung standhalten –, schaut sich der englische Schiedsrichter die Szene noch einmal auf dem VAR-Monitor an. Klar ist, dass das Bein von Paris-Verteidiger Mendes extrem hoch ist. Deutlich zu sehen ist aber auch, dass Mendes Müller nicht mit dem Fuß am Kopf trifft. Ergo nimmt Taylor den Elfmeterpfiff – zurecht – zurück.
Thomas Müller holt mit letzter Aktion für FC Bayern beinahe Elfmeter gegen PSG raus
Dennoch könnte diese Szene ein Ebenbild für die Laufbahn von Thomas Müller sein. Ein Exzentriker auf dem Rasen, ein Exzentriker neben dem Rasen. Immer zur Stelle, wenn es um etwas geht. Und nie zu schade, genau dahin zu gehen, wo es wehtun könnte. So wurde aus dem Jungen aus Weilheim eine Bayern-Legende, die 2014 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft das Größte im Leben eines Fußballers vollbrachte und daran großen Anteil hatte.
Beim FCB werden sie Müller vermissen. Ganz sicher. Zwar entschied der Verein von sich aus, Müller nach 25 Jahren Vereinszugehörigkeit keinen neuen Vertrag zu geben für die kommende Spielzeit. Die Entscheidung machten sich die Verantwortlichen aber mit Sicherheit nicht leicht, denn Müller wird gleichermaßen von den Mitspielern respektiert und von den Fans verehrt.
Der Blick auf seine Titel verrät wieso: 13 deutsche Meisterschaften, sechs DFB-Pokal-Siege, zwei Champions-League-Triumphe und und und. Der Rekordspieler des FC Bayern wird dem Klub fehlen. Eine spannende Frage bleibt: Wie geht es für Thomas Müller weiter? „Nur“ das Bayern-Ende – oder gar das Karriereende? (rele)