Auch Tuchel will nicht

Mia san nur noch peinlich: Kommentar zum Trainer-Trauerspiel des FC Bayern

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Der Nächste, bitte: Thomas Tuchel sorgt für die vierte Trainer-Absage beim FC Bayern. Mia san nur noch peinlich, kommentiert tz.de-Redakteur Marius Epp.

München – Als man gerade vermutete, die Trainersuche des FC Bayern könnte nicht mehr grotesker werden, erreicht die Farce an der Säbener Straße einen neuen Höhepunkt. Oder eher Tiefpunkt. Auch die allerletzte Notlösung Thomas Tuchel hat keine Lust, als Trainer in München weiterzumachen.

Eine allzu nachvollziehbare Entscheidung. Oder würden Sie ihrem Ex-Partner nochmal eine Chance geben, nachdem dieser ihnen vor drei Monaten den Laufpass gegeben und sein Glück in der Zwischenzeit vergeblich bei mindestens drei anderen versucht hatte?

Diese Trainer wurden mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht – aber hatten keine Lust

Xabi Alonso galt lange Zeit als Wunschlösung des FCB für den vakanten Posten, vor allem Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sollen auf den Basken scharf gewesen sein. Ende April gab der Meistertrainer auf einer Pressekonferenz aber seinen Verbleib in Leverkusen bekannt. „Mein Job hier ist noch nicht vorbei“, machte Alonso klar.
Xabi Alonso galt lange Zeit als Wunschlösung des FCB für den vakanten Posten, vor allem Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sollen auf den Basken scharf gewesen sein. Ende April gab der Meistertrainer auf einer Pressekonferenz aber seinen Verbleib in Leverkusen bekannt. „Mein Job hier ist noch nicht vorbei“, machte Alonso klar. © UWE KRAFT / Imago Images
Eine der ersten Alternativen war laut mehreren Medien der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann. Anstelle eines zweiten Engagements bei den Münchnern – er war bereits von Juli 2021 bis März 2023 in der Verantwortung – verlängerte er seinen Vertrag beim DFB bis Sommer 2026.
Eine der ersten Alternativen war laut mehreren Medien der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann. Anstelle eines zweiten Engagements bei den Münchnern – er war bereits von Juli 2021 bis März 2023 in der Verantwortung – verlängerte er seinen Vertrag beim DFB bis Sommer 2026. © Jan Huebner / Imago Images
Auch Ralf Rangnick steht nicht für den Posten zur Verfügung. Anfang Mai gab er bekannt, „mit vollem Herzen österreichischer Teamchef“ zu sein. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass das keine Absage an den FC Bayern ist, sondern eine Entscheidung für meine Mannschaft und unsere gemeinsamen Ziele“, wurde er in einer Verbandsmitteilung zitiert.
Auch Ralf Rangnick steht nicht für den Posten zur Verfügung. Anfang Mai gab er bekannt, „mit vollem Herzen österreichischer Teamchef“ zu sein. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass das keine Absage an den FC Bayern ist, sondern eine Entscheidung für meine Mannschaft und unsere gemeinsamen Ziele“, wurde er in einer Verbandsmitteilung zitiert. © ActionPictures / Imago Images
Über ein Interesse an Stuttgart-Coach Sebastian Hoeneß wurde ebenfalls spekuliert. Der verlängerte bei den Schwaben allerdings vorzeitig bis 2027 und erklärte Mitte April nach der Bundesliga-Partie gegen Werder Bremen: „Sie können ganz fest davon ausgehen, dass ich nächstes Jahr auch Trainer des VfB Stuttgart sein werde. Wenn ich die Idee gehabt hätte zu wechseln, dann hätte ich sicherlich nicht meinen Vertrag verlängert.“
Über ein Interesse an Stuttgart-Coach Sebastian Hoeneß wurde ebenfalls spekuliert. Der verlängerte bei den Schwaben allerdings vorzeitig bis 2027 und erklärte Mitte April nach der Bundesliga-Partie gegen Werder Bremen: „Sie können ganz fest davon ausgehen, dass ich nächstes Jahr auch Trainer des VfB Stuttgart sein werde. Wenn ich die Idee gehabt hätte zu wechseln, dann hätte ich sicherlich nicht meinen Vertrag verlängert.“ © Sportfoto Rudel / Imago Images
Roberto De Zerbi machte sich bei Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion einen Namen, gilt als eines der größten Trainertalente Europas – und will wohl nicht weg von der englischen Südküste. „Wir werden mit Tony [Bloom, Klub-Chef, Anm. d. Red.] sprechen. Ich würde gerne in Brighton bleiben“, wurde De Zerbi Anfang Mai von Sky Sports News zitiert. Laut Sport Bild soll vor allem FCB-Sportvorstand Max Eberl die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben haben.
Roberto De Zerbi machte sich bei Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion einen Namen, gilt als eines der größten Trainertalente Europas – und will wohl nicht weg von der englischen Südküste. „Wir werden mit Tony [Bloom, Klub-Chef, Anm. d. Red.] sprechen. Ich würde gerne in Brighton bleiben“, wurde De Zerbi Anfang Mai von Sky Sports News zitiert. Laut Sport Bild soll vor allem FCB-Sportvorstand Max Eberl die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben haben. © Shutterstock / Imago Images
Auch der Spanier Unai Emery wurde rund um die Säbener Straße gehandelt – und auch er steht nicht zur Verfügung. Stattdessen machte der englische Traditionsklub Aston Villa Ende April publik, dass der Kontrakt mit Emery bis 2027 ausgedehnt wurde.
Auch der Spanier Unai Emery wurde rund um die Säbener Straße gehandelt – und auch er steht nicht zur Verfügung. Stattdessen machte der englische Traditionsklub Aston Villa Ende April publik, dass der Kontrakt mit Emery bis 2027 ausgedehnt wurde. © Shutterstock / Imago Images
Nachdem der FCB und Thomas Tuchel zuletzt wieder Gespräche über eine Verlängerung der Zusammenarbeit führten, bestätige dieser vor dem letzten Bundesliga-Spieltag 23/24 endgültig seinen Abschied. „Es bleibt bei der Vereinbarung vom Februar“, so der Coach, der somit seinen Posten räumen wird.
Nachdem der FCB und Thomas Tuchel zuletzt wieder Gespräche über eine Verlängerung der Zusammenarbeit führten, bestätige dieser vor dem letzten Bundesliga-Spieltag 23/24 endgültig seinen Abschied. „Es bleibt bei der Vereinbarung vom Februar“, so der Coach, der somit seinen Posten räumen wird. © Sammy Minkoff / Imago Images

Der Gipfel der Peinlichkeit: FC Bayern findet keinen Trainer

Mit dem Vorgehen eines großen, souveränen Weltklubs hat das Trauerspiel beim FC Bayern nichts mehr zu tun. Der Gipfel der Peinlichkeit ist erreicht. Nach den Absagen von Xabi Alonso, Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick baten Max Eberl und Christoph Freund mangels verbleibender Alternativen den im Februar rausgeworfenen Tuchel, er möge es nun doch noch einmal machen. Doch auch der lehnte dankend ab.

Der Rekordmeister ist es gewohnt, dass sich Welttrainer wie Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti um den Trainerjob in München reißen. Diese Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein. Niemand von Rang und Namen möchte sich noch auf den bayerischen Schleudersitz begeben. Und das hat gute Gründe.

Der FC Bayern hat sich selbst in eine fast ausweglose Situation gebracht, meint tz.de-Redakteur Marius Epp.

Inkonstanz und Inkonsequenz beim FC Bayern als Ursache der Trainer-Farce

Der FC Bayern hat sich selbst in eine fast ausweglose Situation manövriert. Statt Trainern Zeit zu geben und sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, war der hektische Griff zur Reißleine das Mittel der Wahl. Bezeichnend ist eine Tuchel-Aussage bei dessen letzter Pressekonferenz an der Säbener Straße. Über seine Demission im Februar sagte er: „Die Gründe für die Trennung sind ja minimal. Da fragt man sich, warum es überhaupt auseinandergeht.“

Julian Nagelsmann werden Sätze wie dieser irgendwie bekannt vorkommen. Sein Rauswurf 2023 markiert den Startpunkt in einer Kette von Fehlentscheidungen. „Von den Entscheidungsträgern, die uns (als Trainerteam, Anm. d. Red.) überzeugt haben, ist kein einziger mehr da“, konstatierte Tuchel und benennt damit zugleich das Hauptproblem des FC Bayern: Inkonstanz und Inkonsequenz in der Bayern-Führungsetage.

Tuchel-Absage stürzt den FC Bayern noch tiefer in die Misere

Das Resultat ist eine Situation, die einem Albtraum gleicht: Mit welchen Argumenten geht der normalerweise so stolze FC Bayern nun in neuerliche Verhandlungen mit einem Trainer? ‚Grüß Gott, Sie sind die Nummer fünf auf unserer Liste. Wollen Sie Trainer bei uns werden?‘ Eberl und Freund können einem eigentlich nur leidtun, ihre Verhandlungsposition könnte schlechter nicht sein.

Aktien an der Trainer-Misere des FC Bayern haben auch Personen, die seit Jahren kein ausführendes Amt mehr bekleiden, deren Wort aber immer noch mehr als nur Gewicht zu haben scheint. Gut möglich, dass sich Thomas Tuchel ja tatsächlich hätte erweichen lassen, wenn ihn jemand nicht wenige Wochen zuvor öffentlich demontiert hätte. (epp)

Rubriklistenbild: © Imago/Minkoff/Montage

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