Der Eintracht-Weg

Eintracht: Ist Juwel Larsson der Nächste?

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Eine Institution im Eintracht-Mittelfeld: Hugo Larsson.
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Hugo Larsson könnte ein weiterer Eintracht-Spieler sein, der den Verein für sehr viel Geld verlässt. Der Schwede soll noch eine Saison bleiben, ehe ihn einer aus den eigenen Reihen ersetzt.

Wenn die Frankfurter Eintracht Anfang März ihre Reise durch Europa fortsetzt, wird einer oben auf der Tribüne sitzen, der große Hoffnung hatte, unten auf dem Feld zu stehen: Oscar Hojlund, 20 Jahre altes Talent aus Dänemark. Der Mittelfeldantreiber ist für den internationalen Wettbewerb schlichtweg nicht gemeldet worden.

Dabei hat sich Hojlund nahe an die erste Elf der Hessen herangerobbt, zweimal stand er in der Startformation, zuletzt gegen den VfL Wolfsburg. Gegen Borussia Dortmund erzielte er sein erstes Bundesligator. Der Junge hat Potenzial, er ist frech und aufgeweckt. Ein Jungprofi, dem die Zukunft gehört. „Er ist ein Mittelfeldspieler, den es in dieser Form nicht so oft gibt. Es gibt wenige, die diesen Speed haben. Das macht ihn besonders“, urteilte Trainer Dino Toppmöller – und nominierte ihn trotzdem nicht für den Europa-League-Kader der K.o.-Runde.

Aus gutem Grund, denn schnell war klar, dass die beiden neuen Stürmer zwei Plätze einnehmen und die dritte offene Position an Nathaniel Brown geht, der in seiner Entwicklung noch ein Stück weiter ist als Hojlund und auf der linken Seite spielt, wo die Alternativen – anders als in der Zentrale – eher rar gesät sind. Bitter für Hojlund, der schon im alten Jahr wegen eines Bruch des Mittelfußes durchs Raster gefallen war. Doch diese Entscheidung ist keine gegen den Spieler, sondern den Umständen geschuldet.

„Manchmal gibt es im Fußball Situationen, die unglücklich laufen“, befindet auch der Chefcoach, der aber felsenfest davon überzeugt ist, dass „Oscar noch internationale Spiele mit der Eintracht machen wird.“ Nur eben nicht in dieser Saison.

Hojlund, der Kämpfer, ist ein gutes Beispiel für den Frankfurter Weg. Denn den 20-Jährigen hatte vor einem Jahr niemand auf der Liste, er kam im Sommer für rund eine Million Euro vom FC Kopenhagen nach Frankfurt – also fast zum Nulltarif. Und startete mit einiger Verspätung durch, selbst die schwere Verletzung konnte seinen Aufstieg nicht stoppen, nur bremsen. Der Däne, da muss man kein Prophet sein, wird in Bälde ein heiß begehrter Profi sein – soll in Frankfurt aber erst mal in die Fußstapfen von Hugo Larsson treten.

Mehr als 50 Millionen

Der ist nur ein halbes Jahr älter als der Kollege, aber schon einen ganzen Schritt weiter. Der schwedische Nationalspieler spielt in Frankfurt seine zweite Saison, er ist schon jetzt eine Institution auf seiner Position, würde eigentlich immer spielen, wenn er nicht ab und an geschont werden müsste oder die Muskulatur zwicken würde. Das kam häufiger mal vor, zuletzt aber doch weniger. Larsson war es, der jüngst in Mönchengladbach den Ausgleich mit seinem abgefälschten Schuss einleitete. Er ist ohnehin torgefährlicher (vier Pflichtspieltreffer) geworden, auch wenn da noch mehr gehen könnte. Gerade zu Saisonbeginn fiel er durch mutige Läufe in die Spitze samt Torabschluss auf.

Der Schwede gilt in der Heimat als größtes Talent, seine Karriere wird ganz genau beobachtet. Als er von Nationaltrainer Jon Dahl Tomasson im September im Länderspiel gegen Aserbaidschan nicht eingesetzt wurde, wuchs sich die Nichtbeachtung zum Politikum aus. Mittlerweile sind die Streithähne versöhnt.

Und auch Larsson ist einer dieser Akteure, die die Eintracht mal für viel Geld verlassen werden – mit einem saftigen Gewinn für den Frankfurter Bundesligisten. Vor eineinhalb Jahren stach die Eintracht im Werben um den Hochbegabten Borussia Dortmund aus und verpflichtete ihn für neun Millionen Euro von Malmö FF: Jetzt hat er seinen Marktwert fast verdreifacht, von neun auf 35 Millionen Euro.

Die Klubs von der Insel stehen Schlange – er ist genau dieser dynamische Box-to-Box-Spieler, den die Vereine und die Menschen in England lieben. Die Eintracht wird ihn auf Dauer nicht halten können, ihn aber nur gegen eine Zahlung jenseits der 50-Millionen-Grenzen ziehen lassen, schließlich hat er noch einen viereinhalb Jahren währenden Vertrag.

Andere fallen runter

Doch der Plan ist ohnehin, dass Larsson auch in der kommenden Saison in Frankfurt spielen und erst dann gehen wird. Ein weiteres Jahr Bundesliga auf hohem Niveau wäre seiner Entwicklung gewiss zuträglich, er würde reifen und sich der großen Herausforderung auch körperlich gestählter stellen können.

Der kluge und bodenständige Bursche würde diesen Weg gerne mitgehen. Doch in dieser verrückten Branche weiß man – siehe Omar Marmoush – ja nie. Und letztlich ist alles eine Frage des Preises. Genauso wie bei anderen Frankfurter Spielern auch, die sicher irgendwann interessant werden für andere Klubs: Arthur Theate etwa, Nnamdi Collins, Nathaniel Brown, Can Uzun oder die Stürmer Hugo Ekitiké und Elye Wahi. Bei Aurela Amende und Jean-Matteo Bahoya weiß man es noch nicht so genau. Die Zeit wird es weisen.

Natürlich gibt es in diesem fortwährenden Kreislauf aber immer Spieler, die hinten runterfallen und nicht den berühmten nächsten Schritt machen – obwohl die Eintracht auch für sie viel Geld hingeblättert hat. Niels Nkounkou (7,5 Millionen Ablöse) etwa oder Eric Dina Ebimbe (6,5) und Fares Chaibi (zehn). Die beiden Letztgenannten können zurzeit keinen Kaderplatz für sich beanspruchen, auch nicht im Heimspiel am Sonntag gegen Holstein Kiel. Durchaus kurios: Im Hinspiel standen beide noch in der Startformation. So schnell geht es zuweilen im Fußballgeschäft.

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