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Wen nominiert Julian Nagelsmann für die Heim-EM 2024? Einige Spieler haben ihr Ticket bereits sicher, während andere zittern müssen.
München – Die Zeit bis zur EM 2024 im eigenen Land wird immer knapper. Und durch die überzeugenden DFB-Siege gegen Frankreich (2:0) und die Niederlande (2:1) kommt wenige Monate vor Turnierbeginn endlich EM-Stimmung in Deutschland auf. Bundestrainer Julian Nagelsmann scheint bereits seinen vorläufigen Kader für die Europameisterschaft im eigenen Land gefunden zu haben.
Nagelsmann beruft 23-Mann-Kader für EM: Wer ist dabei?
Nagelsmann stellte sich ein gutes halbes Jahr vor der EM die Grundsatzfrage, ob er nicht vielleicht auf zwei Prozentpunkte Talent verzichten müsse und stattdessen zwei ‚Worker‘ mehr reinwerfen solle. Bei der Kader-Nominierung für die beiden EM-Härtetests gegen die Équipe Tricolore und die Elftal aus Holland schien der 36-Jährige diesen Gedanken berücksichtigt zu haben.
Gleich sechs Neulinge berief Nagelsmann für die beiden Länderspiele im März. Etablierte Spieler wie etwa Leon Goretzka mussten dagegen zu Hause bleiben. Die Erfolge gegen den Vize-Weltmeister aus Frankreich und gegen die Niederlande dürften dem Ex-Bayern-Coach jedenfalls recht geben.
Kader-Nominierung für Heim-EM wird für Nagelsmann zur Gretchenfrage
Dennoch dürfte die Kadernominierung für die Heim-EM für Nagelsmann zur Gretchenfrage werden. Aber wer schafft es am Ende in den 23-Mann-Kader? Wir geben einen Überblick, wer von den Spielern sein EM-Ticket schon sicher hat (sofern er sich nicht noch verletzt) und wer noch zittern muss.
Diese Spieler haben Ihr EM-Ticket sicher
- İlkay Gündoğan: Vom Ex-Bundestrainer Hansi Flick zum Kapitän gemacht und von Nagelsmann bestätigt. Der MIttelfeldregisseur des FC Barcelona wird die DFB-Elf auch bei der Heim-EM aufs Feld führen.
- Manuel Neuer: Wurde vor der Länderspielpause im März als Nummer eins im deutschen Tor reinstalliert. Dann verletzte sich der 38-Jährige im Training und musste vorzeitig abreisen. An seinem Status als erster Nationalkeeper wird daran jedoch nichts ändern.
- Toni Kroos: Feierte gegen Frankreich und die Niederlande seine DFB-Rückkehr und war sofort Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels. Sein EM-Ticket ist in Stein gemeißelt.
- Joshua Kimmich: Gilt als absolute Vertrauensperson von Julian Nagelsmann und ist als Rechtsverteidiger fest eingeplant. Kimmich machte seine Sache gegen Frankreich und Holland sehr ordentlich und wird als Führungsspieler zur EM reisen.
- Florian Wirtz: Die Zukunft des deutschen Fußballs. Nagelsmann hält viel von ihm und belohnt das mit großzügigen Spielanteilen. Könnte bei der EM endgültig zum Shootingstar werden.
- Jamal Musiala: Was für Wirtz gilt, gilt auch für Musiala. Der 20-Jährige ist nicht nur die Zukunft des DFB, sondern auch die Gegenwart. Seine Fähigkeiten konnte er gegen Frankreich und die Niederlande erneut zur Schau stellen. Ist neben Wirtz der zweite Zauberer im deutschen Team.
- Antonio Rüdiger: Wurde nach der Ausbootung von Mats Hummels als neuer Abwehrchef Deutschlands ausgerufen und zeigte ordentliche Leistungen bei den beiden EM-Härtetests im März. Rüdiger kann fest mit einer Kader-Nominierung rechnen.
- Leroy Sané: Verpasste nach dem Ausraster gegen Österreich die Länderspielpause im März und damit wichtige Trainingseinheiten und Spielminuten. Sané ist unter Nagelsmann dennoch fest eingeplant und reiste trotz Rot-Sperre zur Mannschaft nach, um einfach dabei zu sein.
- Marc-André ter Stegen: Ersetzte den verletzten Neuer gegen Frankreich und Holland und machte seine Sache gut. Ter Stegen ist als Nummer zwei im deutschen Tor gesetzt.
- Jonathan Tah: Der 28-Jährige ist aktuell wohl der formstärkste DFB-Verteidiger und kann zudem als Innen- und Rechtsverteidiger auflaufen. Das macht ihn für Nagelsmann unverzichtbar.
Diese Spieler haben gute Chancen, zur EM zu fahren
- Maximilian Mittelstädt: Senkrecht-Starter der Länderspiele im März. Spielte beide Testspiele von Beginn an und machte seine Sache mehr als ordentlich – hatte aber auch den ein oder anderen Wackler im Spiel. Der Linksverteidiger bekam nach dem Holland-Spiel Extra-Lob von Nagelsmann und darf berechtigterweise von der Heim-EM träumen – und das als Starter.
- Niclas Füllkrug: Seine Quote im DFB-Dress spricht Bände – elf Tore in 15 Länderspielen. Erzielte zudem den kuriosen Siegtreffer gegen Holland. Füllkrug kam allerdings in beiden Länderspielen nur von der Bank und musste wurde jeweils erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt.
- Robert Andrich: Feierte im Länderspiel gegen Österreich sein Debüt und war bei den Länderspielen im März neben Kroos der Fels in der Brandung des deutschen Spiels. Trotz nicht vorhandener Stammplatzgarantie bei Bayer Leverkusen hat Andrich gute Chancen, im EM-Zug mitzufahren.
- Chris Führich: Wurde gegen die Équipe Tricolore und die Elftal jeweils eingewechselt und brachte frischen Wind ins deutsche Spiel. Mit eben jener Rollenbeschreibung dürfte er ein Kandidat für den EM-Kader im Juni sein.
- Benjamin Henrichs: Der Außenverteidiger machte gegen die Türkei nicht die allerglücklichste Figur und war in den beiden Länderspielen im März nur Ersatzmann hinter Kimmich. Der RB-Akteur kann allerdings beide defensiven Außenpositionen bekleiden und sich deshalb gute Chancen auf ein EM-Ticket ausrechnen.
- Pascal Groß: Durfte auf der USA-Reise zweimal von Beginn an ran, musste sich allerdings im März mit der Ersatzrolle zufrieden geben. Gross spielt in den Planungen von Nagelsmann allerdings durchaus eine Rolle.
- Serge Gnabry: Nagelsmann kennt ihn aus gemeinsamen Hoffenheim- und Bayern-Zeiten und schätzt den Offensivspieler. Muss nach einem schweren Saisonstart in München inklusive Verletzung allerdings wieder an seine alte Form anknüpfen.
- Kai Havertz: Begann gegen die Türkei und Österreich als Linksverteidiger – spielte bei den Länderspielen im März dagegen wieder als Stürmer und das vor Füllkrug. Wird von Nagelsmann aufgrund seiner spielerischen Qualitäten geschätzt und darf sich seines EM-Tickets mehr oder weniger sicher sein.
- Thomas Müller: Gilt in der Mannschaft trotz seiner abnehmenden Spielzeit immer noch als Lautsprecher. Dürfte in dieser Rolle auch sportlich bei der EM unverzichtbar sein.
- David Raum: Spielte keine große Rolle bei der USA-Reise, wurde jedoch für die März-Testspiele nominiert. Sollte er weiter Leistung bei RB Leipzig bringen, könnte es klappen mit einem EM-Ticket.
- Robin Koch: Zeigt in Frankfurt starke Leistungen und gab in der Länderspielpause im März sein Comeback im DFB-Team. Sah dort allerdings keine Spielminuten. Muss weiter Leistung bringen, soll es wirklich klappen mit einem Kader-Platz bei der EM.
Diese Spieler müssen um Ihr EM-Ticket zittern
- Kevin Trapp: Der Eintracht-Keeper konnte in Abwesenheit von Marc-André ter Stegen als wohl einziger DFB-Akteur bei den Länderspielen gegen die Türkei und Österreich überzeugen. Für die Testspiele gegen Frankreich und die Niederlande wurde er allerdings nicht berücksichtigt. Lange schien eine EM-Nominierung als Ersatzkeeper sicher, nun muss der 33-Jährige plötzlich um seinen Platz als Nummer drei kämpfen.
- Leon Goretzka: Befindet sich nach einer schwierigen letzten Saison seit Wochen beim FC Bayern in aufsteigender Form. Für die Länderspiele im März wurde er dennoch nicht nominiert. Goretzka ist plötzlich in der Rolle des Herausforderers und muss in den letzten Wochen vor der EM konstant Leistung bei den Bayern bringen, sonst könnte es für ihn eng werden mit einem EM-Ticket.
- Mats Hummels: Nagelsmann holte den Rio-Weltmeister zwar zunächst zurück ins DFB-Team und schätzt seine Erfahrung. Für die Länderspiele im März reichte es allerdings nicht für eine Nominierung. Sofern er seine Rolle als Ersatz für Rüdiger und Tah akzeptiert, könnte es dennoch klappen mit der Heim-EM.
- Bernd Leno, Oliver Baumann: In einem 23-Mann-Kader wird Nagelsmann wohl keine vier Torhüter nominieren. Sollten sowohl Neuer als auch ter Stegen zur EM reisen, bleibt nur noch ein Torwart-Platz, um den Trapp auch noch ein Wörtchen mitzureden hat.
- Robin Gosens: Leidtragender des jüngsten radikalen Kader-Umbruchs unter Nagelsmann. Fehlte beim Lehrgang im November, weil er Vater wurde. Bei der USA-Reise war er dagegen zweimal in der Startelf. Im März wurde er jedoch nicht nominiert. Spieler wie Mittelstädt, Jan-Niklas Beste und der flexible Henrichs dürften aktuell die Nase vorne haben.
- Niklas Süle: Beim BVB seit Saisonbeginn außen vor, von Nagelsmann wurde er dennoch zweimal berufen. Spielte allerdings gegen die Türkei und Österreich keine Minute und wurde auch für die Länderspiele im März nicht nominiert. Ein deutlicher Fingerzeig seines ehemaligen Mentors Nagelsmann.
- Nico Schlotterbeck: Beim BVB gesetzt, von Nagelsmann ignoriert. Muss im Verein sich noch weiter steigern, um wieder eine Option fürs DFB-Dress zu werden.
- Malick Thiaw: Dürfte die Nase im Vergleich zu Süle und Schlotterbeck vorne haben. Muss seine starke Form trotzdem beim AC Mailand weiter bestätigen.
- Emre Can: Trotz seines Kapitänsamts beim BVB fand sich der Mittelfeldabräumer zuletzt des Öfteren auf der Bank wieder. Findet er zu alter Form zurück, ist er allein schon aufgrund seines Spielerprofils für Nagelsmann interessant.
- Julian Brandt: Wandelt beim BVB zwischen Genie und Wahnsinn. Durfte gegen die Türkei und Österreich zweimal starten, konnte allerdings kaum bis gar keine Akzente setzen. Für die Spiele gegen Frankreich und Holland wurde er nicht berücksichtigt. Unter anderem ihn könnte Nagelsmann gemeint haben, als er ankündigte, in Zukunft auf „vielleicht zwei Prozent“ Talent zu verzichten.
- Jonas Hofmann: Wurde von Nagelsmann bislang zwar stets berufen, spielte aber lediglich gegen Mexiko 25 Minuten. Drückte nach der Nicht-Nominierung für die Testspiele im März seine Enttäuschung aus. Trotz guter Leistungen im Verein ein Streichkandidat aufgrund der starken Konkurrenz.
- Grischa Prömel, Kevin Behrens, Marvin Ducksch: Feierten allesamt unter Nagelsmann ihr erste Nominierung fürs DFB-Team, mit einer EM-Nominierung wird es allerdings schwer. Aktuell hat wohl Ducksch aufgrund seiner Position noch die meisten Argumente auf seiner Seite.
Choupo-Moting, Calhanoglu, Boateng: Diese Spieler haben sich gegen den DFB entschieden




Diese Spieler haben Außenseiterchancen
- Maximilian Beier: Feierte in dieser Saison seinen Durchbruch bei der TSG Hoffenheim und ist Mittelstürmer. Damit ist er für Nagelsmann automatisch interessant. Wurde zudem für die Länderspiele gegen Frankreich und Oranje mit einer Nominierung belohnt, sah allerdings keine Spielminuten.
- Deniz Undav: Der Stuttgarter Stürmer sah in der Schlussphase gegen Frankreich ein paar Spielminuten und darf sich aufgrund mangelnder Konkurrenz im deutschen Sturmzentrum Außenseiterchancen ausrechnen.
- Aleksandar Pavlović: War ursprünglich für die Länderspiele im März nominiert. Ihn hielt nur eine Mandelentzündung von seinem Debüt im DFB-Dress ab. Seine EM-Chancen hängen davon ab, ob er bis zu den Generalproben im Juni gegen die Ukraine und Griechenland weiter so starke Leistungen beim FC Bayern zeigt.
- Waldemar Anton: Der Stuttgarter Verteidiger wurde für die Länderspiele im März nominiert und gegen Frankreich kurz vor Schluss eingewechselt. Geht der Höhenflug des VfB bis zum Sommer weiter, so darf er soch durchaus Hoffnungen machen, beim großen Turnier im Sommer dabei zu sein.
- Jan-Niklas Beste: Freute sich als Heidenheimer zunächst über die sensationelle DFB-Nominierung, musste dann allerdings aufgrund einer Adduktorenzerrung verletzt abreisen. Eventuell greift Nagelsmann nochmal bei den Länderspielen im Juni auf ihn zurück.
- Matthias Ginter: Gehört in Freiburg zu den absoluten Dauerbrennern und Führungsspielern. Wurde bislang von Nagelsmann allerdings ignoriert, obwohl der Ex-Dortmunder bis auf die EM 2016 für alle Großereignisse seit 2014 nominiert wurde.
- Angelo Stiller: Dirigiert die Erfolgsmannschaft des VfB Stuttgart und ist Sechser, allerdings auch kein klassischer Abräumer. Gibt ihm Nagelsmann trotzdem eine Chance?
- Rani Khedira: Wäre im Gegensatz zu Stiller der gesuchte Abräumer und feierte Ende Oktober sein Comeback nach Wadenverletzung. Sah aber gegen Bremen die rote Karte und muss seitdem wieder zuschauen. Sollte Union dank ihm den Bock umstoßen, könnte er auch für Nagelsmann interessant werden.
- Karim Adeyemi: Läuft seit Wochen seiner Form beim BVB hinterher. Sagte zudem bei der U21 ab, was bei Nagelsmann nicht gut angekommen sein soll. Nur eine überragende Restsaison dürfte ihn zurück ins Blickfeld des Bundestrainers spülen.
- Marco Reus: Zeigte in Dortmund zuletzt wieder seine Wichtigkeit. Gehört trotz seiner 34 Jahre immer noch zu den besten Offensivspieler der Bundesliga. Konserviert er seine Form und bleibt vor allem fit, hat der BVB-Profi Chancen auf eine Nominierung.
- Youssoufa Moukoko: Hinter dem einstigen Wunderkind liegen schwere Wochen in Dortmund. Überzeugte allerdings zuletzt regelmäßig bei der U21. Steigern sich seine Minuten beim BVB, wird er auch wieder eine Alternative für Nagelsmann.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Gladys Chai von der Laage


