Nagelsmann lernt gerade noch rechtzeitig aus seinen Fehlern – abermals
VonFlorian Schimak
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Deutschland sichert sich mit dem einzig überzeugenden Sieg in der Quali das WM-Ticket. Auch, weil der Bundestrainer gerade noch rechtzeitig lernte. Ein Kommentar.
München/Leipzig – In dem Wort Qualifikation steckt auch das Wort Qual. Ein Festakt waren die letzten fünf Partien der deutschen Nationalelf wahrlich nicht. Was die Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann am Montagabend in Leipzig gegen die Slowakei in der ersten Hälfte an den Tag legte, zeigte zumindest, was in der Truppe stecken könnte.
Per Mertesacker sah sogar „die beste Partie seit langem“. In der Tat musste man sich lange zurückversetzen, um sich an eine derart entfesselt aufspielende DFB-Elf zu erinnern, wie man sie am Montagabend in Leipzig sah. In den Nations-League-Playoffs gegen Italien im vergangenen März muss das gewesen sein – gefühlt eine halbe Ewigkeit her.
Nagelsmann versuchte erst viel – und fand dann wieder seinen Weg
Anschließend kamen die Final-Four-Begegnungen gegen Portugal und Frankreich, in der die Truppe von Julian Nagelsmann deutlich vor Augen geführt wurde, was ihr zur Top-Elite noch so fehlte. Uns als hätten diese Partien die DFB-Elf ins eine Depression gestürzt, quälte sie sich durch die WM-Quali in einer Gruppe mit Luxemburg, Nordirland und eben der Slowakei.
Missriet vor allem der Auftakt im September in Bratislava (0:2) vollends, wurden danach die Pflichtsiege eher „erquält“ als erspielt. Auch, weil der Bundestrainer immer wieder mit unterschiedlichen Systemen und wechselnden Formationen spielen ließ. So findet sich kein verunsichertes und wenig in sich gewachsenes Team zusammen.
Sechsmal die Zwei – einer gar mit Bestnote: Deutschland-Noten gegen Slowakei
Glücklicherweise erkannte Nagelsmann seine abermaligen Fehler noch rechtzeitig, ließ im November eine klare Achse erkennen und setzte Joshua Kimmich wieder als Rechtsverteidiger ein. Natürlich fehlten dem Bundestrainer mit Jamal Musiala, Marc-André ter Stegen, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Nico Schlotterbeck teilweise fünf potenzielle Stammspieler. Als Ausrede sollte das aber nicht herhalten.
So wurde abermals deutlich: Im DFB-Team braucht es klare Rollen! Daher hielt Nagelsmann in Leipzig auch an Leon Goretzka fest, der in Luxemburg noch so enttäuscht hatte. Dieses Vertrauen zahlte der 30-Jährige gemeinsam mit seinem Bayern-Kumpel Aleksandar Pavlović in Leipzig nun zurück.
Mit der Gala in Leipzig ist die quälende WM-Qualifikation für das DFB-Team letztlich doch noch erfolgreich gestaltet worden. Der Flieger in die USA, nach Mexiko und Kanada darf gebucht werden. Dass dem Bundestrainer bis dahin aber noch sehr, sehr viel Arbeit ins Haus steht, liegt auf der Hand.
Immerhin: Mit Oliver Baumann und Nick Woltemade haben sich zuletzt zwei Akteure herauskristallisiert, die vielleicht mehr als nur eine Alternative für die Stammelf bei der WM 2026 sind. Auch die Rückholaktion von Leroy Sané und die klare Ansage an den Ex-Bayern-Star entpuppte sich als gute Entscheidung.
Aber das sind alles Themen, die der Bundestrainer erst final im Mai klären muss. Bis dahin sollte die Qual in der WM-Qualifikation vergessen – und das Thema Qualität gefunden wurden sein. (smk)