Spieler- und Trainerberater

Nagelsmann-Manager Volker Struth eröffnet eigenen Campus in Köln - was steckt dahinter?

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Der Deal, der Volker Struth (links) viele Türen öffnete: 2014 mit Toni Kroos, Real Madrids Präsident Florentino Perez und seinem Kompagnon Sascha Breese (rechts).
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Volker Struth, Berater von Julian Nagelsmann, Dino Toppmöller, Mario Götze und Kevin Trapp, verlässt sich am liebsten auf seine „Eier“.

Damals, in einer längst vergangenen Zeit, lernte Volker Struth, die Karten nicht gleich auf den Tisch zu legen. Er war gerade 40 und neu im Geschäft. Reiner Calmund hatte ihn animiert, lieber Spielerberater zu werden, statt Merchandisingartikel und Bürobedarf zu verkaufen. Der alte Fahrensmann hatte Struths Talent gut erkannt.

Fast 20 Jahre ist das her. Struths erster Mandant wurde Marcel Risse. Der damalige Zweitliga-Tabellenachte 1. FC Nürnberg wollte den schnellen Rechtsaußen unbedingt verpflichten. Struth hatte sich zum Ziel gesetzt, so erzählt er es, 20.000 Euro Monatsgehalt für den Profi auszuhandeln – und bekam von Nürnbergs damaligem Sportchef Martin Bader prompt 25.000 Euro geboten. Am Ende wurden es 30.000 Euro. Das fing schon mal gut an.

Mittlerweile gehört Volker Struth mit seiner Agentur Sports360 längst zu den Elefanten einer Branche, in der die großen Berateragenturen über wachsenden Einfluss verfügen und zweistellige Millionenumsätze in einer Größenordnung generieren, die nicht jeder Zweitligist schafft.

Bundestrainer Julian Nagelsmann wird von Struth und dessen Kompagnon Sascha Breese erst seit 2020 betreut. Ohne die beiden eng vernetzten Macher wäre Nagelsmann womöglich nie Bundestrainer geworden. Struth hat im Frühherbst 2023 viel schneller erkannt als der ein halbes Jahr zuvor von den Bayern geschasste Nagelsmann selbst, welch historische Chance sich da eröffnen könnte so kurz vor der Heim-Europameisterschaft nach der Demission von Hansi Flick. „Ich hatte es in den Eiern, dass der DFB sich melden würde“, berichtete Struth später in der ihm eigenen, unverblümten Sprache.

Die Eier hatten Recht. Der 59-Jährige lud die DFB-Oberen Rudi Völler und Bernd Neuendorf nach deren Anfrage zu sich nach Hause ein, präsentierte den beeindruckten Gästen ein selbst gemachtes Frühstück und bekam es hin, Nagelsmann davon zu überzeugen, dass es sich lohnen dürfte, für diese große Aufgabe zunächst auf viel Geld aus dem seinerzeit noch laufenden Vertrag mit den Bayern zu verzichten. Bei Nagelsmanns offizieller Vorstellung im DFB-Campus saß Struth im Presseraum, stolz wie Oskar.

Gleichermaßen beliebt und berüchtigt

Mittlerweile hat der Bundestrainer den Kontrakt mit dem DFB zweimal verlängert, erst bis 2026, dann bis 2028. Volker Struth hat ganze Arbeit geleistet. Mit 145 Spielern (davon 57 in der ersten Liga), 22 Spielerinnen, den Trainern Nagelsmann und Dino Toppmöller sowie den Trainerinnen Sabrina Wittmann (Männer FC Ingolstadt), Friederike „Fritzy“ Kromp (wechselt im Sommer von Eintracht Frankfurt zu Werder Bremens Frauen) und Britta Carlson (Frauen des 1. FC Köln) ist er breiter aufgestellt als fast alle anderen lizenzierten Player Agents hierzulande.

Die ehemaligen Nationalspieler Toni Kroos, Benedikt Höwedes und Mario Götze hat Struth 2014 betreut, als Deutschland Weltmeister wurde. Die aktuellen DFB-Spieler Maxi Mittelstädt und Angelo Stiller sowie die Zukunftshoffnungen Rocco Reitz und Tom Bischof werden von seiner Agentur vertreten, auch Niklas Süle, Ridle Baku, Kevin Trapp, alles Leute mit DFB-Vergangenheit.

Bei den Sportchefs der Bundesliga gilt der Alphamann gleichermaßen als beliebt (wegen seiner Professionalität und Verlässlichkeit) und berüchtigt (wegen seiner Neigung zu cholerischen Anfällen). Er gibt das zu: „Ich bin manchmal drüber, werde schnell zu laut.“ Das rühre aus seiner Kindheit ohne Eltern. Aber er könne auch einstecken und erinnert sich: Als er dem damaligen Dortmunder Sportchef Michael Zorc den Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern fernmündlich übermittelte, musste er den Hörer etwas weiter weg vom Ohr halten, denn: „So bin ich in meinem Leben noch nie beschimpft worden.“

Seinen Einfluss präsentiert Volker Struth mit der gebotenen Unbescheidenheit. Mit seiner Öffentlichkeitsarbeit hat er dabei zu einer gewissen Transparenz in einer nach wie vor wenig gut beleumundeten Branche beigetragen. Seine Firma hat er zu einem kleinen Imperium entwickelt, es gibt Akquisitionen in Italien und Argentinien. Geplant ist eine feste Präsenz im Zukunftsmarkt USA. Er bleibt ein unermüdlicher Treiber - sieben Stents in den Arterien und einer schweren Depression mit Klinikaufenthalt vor zehn Jahren zum Trotz.

Die Agentur, Jahresumsatz rund 25 Millionen Euro, hat inzwischen auch Handballnationalspieler Julian Köster und Skirennläufer Linus Straßer unter ihren Fittichen. Dazu die Schwester vom ebenfalls in Pulheim aufgewachsenen Florian Wirtz, Juliane Wirtz. Für den in allen Fragen des Sports von seinem Vater gemanagten besten deutschen Fußballprofi kümmert sich Struth ums Marketing. Einen Viertel Fuß hat Struth also schon drin in der Familie Wirtz.

Am 1. Juni zieht Sports360 vom Kölner Rheinufer in einen Backsteinbau mit angeschlossenem Sportcampus nach Köln-Mülheim. Die Zahl 360 im Namen der Agentur mit inzwischen 60 Mitarbeitenden steht für den Rundumblick und die Rundumversorgung. Im neuen Campus finden sich auf 1000 Quadratmetern Kraft- und Behandlungsräume, Physiobereich, Eisbecken, Infrarotsauna, Küche und Köche, Ernährungsberater, Athletik- und Performancetrainer, Videographen für Social Media und Videoanalysten zur sportlichen Begleitung.

Anja Funkel, die Ehefrau von Trainer Friedhelm Funkel, arbeitet als Mentalcoach und leitet die Stiftung der Agentur. Gutes zu tun, sagt Struth, sei ihm wichtig. „Den Spielern scheint mehr die Sonne aus dem Arsch als anderen Menschen.“ Er versuche deshalb regelmäßig, seine Profis zu motivieren, die Stiftung zu unterstützen.

Sogar einen „Head of Communication“ gibt es in der Firma. Die Spieler können sich bei Kai Psotta schulen lassen, Psotta hält zudem Kontakt zu den Medien. Der ehemalige „Sportbild“- und „Bild“-Reporter, der Struth in seinem 2015 erschienenen Buch „Die Paten der Liga“ vor allem im Zusammenhang mit Mario Götze erwähnte („Er schirmt ihn ab, beschützt ihn, ist fast wie ein Vater zu ihm“), postet regelmäßig im Business- und Poserportal „Linkedin“ und teilt dort Aktionen oder Interviews mit Klienten von Sports360.

Das Unternehmen ist mit seiner Tochterfirma 360Media an der Icon League von Struths Lieblingsklienten Toni Kroos beteiligt, Kroos seinerseits ist inzwischen Mitgesellschafter bei Sports360. Das Netzwerk funktioniert wie geschmiert. Toni Kroos, sagt Struth, habe „uns Zugang zu allen Vereinen dieser Welt verschafft. Wir konnten überall sagen: ,Wir sind die Agentur von Toni Kroos.‘ Und die Türen gingen auf.“

Struth hat zur EM 2024 einen eigenen Podcast aufgelegt, weil ihm die Stimmung im Land zu schlecht erschien. Er engagierte dafür den Sky-Moderator Sebastian Hellmann und schaffte es, sogar den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz als Gesprächspartner für das Turnier zu begeistern. Weil der Podcast so erfolgreich anlief, wird er fortgeführt, Struth selbst war schon dreimal zu Gast.

Die Oma war die Heldin seiner Kindheit

Der Selfmademann hat es nicht leicht gehabt im Leben, seine Mutter starb früh, seinen Vater hat er gar nicht kennengelernt, die Großmutter wurde zur Heldin seiner Kindheit, in der Realschule blieb er in der siebten Klasse sitzen, früh musste er selbst Geld verdienen, jobbte schon mit 15 in einer Wellblechfabrik, später im Schlachthof und als Bofrost-Fahrer. Schon mit 27 gründete er seine eigene Firma für Bürobedarf und Merchandisingartikel.

In der von Starautor Ronald Reng als Auftragsarbeit verfassten Biografie „Meine Spielzüge: Aus der Kohlensiedlung zum erfolgreichsten Spielerberater Deutschlands“ wird Struths Werdegang dezidiert beschrieben. Der Protagonist war sich als junger Mann nicht zu schade für Versicherung-Haustürgeschäfte. Seine Straßenkötermentalität, die Fähigkeit, hartnäckig zu bleiben und sich nicht so schnell abwimmeln zu lassen, rührt aus dieser Zeit: „Leute zu überzeugen, war mein einzige Währung.“

Gerade hat er versucht, dem Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche klarzumachen, weshalb Eintracht-Trainer Dino Toppmöller es verdient hätte, ein Gehalt zu kassieren, das von jenem, das Bundestrainer Nagelsmann bezieht, gar nicht so weit weg sein dürfte. Struths Vorstellungen korrespondierten anfangs nicht so recht mit denen der Eintracht, ehe man sich inzwischen geeinigt hat.

Der Erfolg der Frankfurter mit seinen Klienten Toppmöller, Götze und Trapp liege ihm am Herzen, sagt Struth. „Wir sind als Agentur natürlich am Erfolg der Mannschaft interessiert.“ Vorstände wie Krösche seien „froh, dass es Menschen wie mich gibt. Die wissen, da kommt der Struth durch die Tür. Da kann es vielleicht mal ein bisschen teurer werden, aber was er vorträgt, kommt nicht aus dem Phantasialand.“

Das ist kühn formuliert, aber offenbar regelmäßig zielführend, siehe Toppmöller. Ohnehin denkt Volker Struth gern in langen Linien. Irgendwann braucht Julian Nagelsmann ja einen Nachfolger. Toppmöllers neuer Vertrag läuft, oh Wunder, bis Sommer 2028.

Alphamann Volker Struth.

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