Nagelsmann rechnet nach Slowakei-Blamage mit deutschen Nationalspielern ab
VonStefan Schmid
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Nach der Blamage im WM-Quali-Spiel gegen die Slowakei rechnet Julian Nagelsmann mit allen deutschen Nationalspielern ab und spannt einen großen Bogen.
Bratislava – Die deutsche Fußballnationalmannschaft ging zum Auftakt der WM-Quali verdient gegen die Slowakei unter. Ein einfacher Satz, der das Selbstverständnis des deutschen Fußballs infrage stellt und trotzdem so passend ist, wie nichts anderes. Nationaltrainer Julian Nagelsmann platzte nach der Niederlage am ARD-Mikrofon der Kragen und zählt seine Spieler an. Währenddessen muss auch er sich heftige Kritik anhören.
Dabei war es nicht unbedingt das Ergebnis, dass Nagelsmann erzürnte, sondern wie dieses zustande gekommen war. „Wenn man mal bei den ganz einfachen Dingen, bei der Emotionalität, anfangen, war der Gegner uns einfach meilenweit, von der ersten bis zur letzten Minute überlegen. Das ist Fakt“, begann Nagelsmann seine wütende Analyse nach dem Spiel, die noch viel tiefer greifen sollte.
Nagelsmann zählt nach Blamage deutsche Nationalspieler der letzten zehn Jahre an
„Wenn man unsere Historie die letzten, ich weiß nicht, zehn Jahre nimmt, dann ist es nicht so, dass wir jetzt hier anreisen können und vor Selbstvertrauen strotzen und sagen, wir spielen jetzt alles mit 80 Prozent weg“, so Nagelsmann weiter. Damit legte der Nationaltrainer den Finger in die Wunde einer hochveranlagten Mannschaft, die keinerlei Willen und Emotionalität ausstrahlte.
Kein neues Phänomen, wie Nagelsmann mit einem Blick auf vergangene Turniere feststellte: „(...) das war in Katar nicht anders gegen kleinere Nationen, das war bei der EM gegen Ungarn nicht anders, gegen Dänemark nicht großartig anders (Anm.: EM-Achtelfinale 2024), wenn wir diese Emotionalität nicht hinkriegen, dann können wir das Buch zumachen.“
Diese deutschen Nationalspieler feierten ihr Debüt unter Julian Nagelsmann
Wem es bis dahin noch nicht deutlich genug wurde, dem dürfte dann spätestens bei der Nachfrage von Esther Sedlaczek, ob das Selbstverständnis zur eigenen Qualität verloren gegangen sei, ein Licht aufgegangen sein. „Qualität will ich nicht mehr hören. Mir reicht es schon, wenn wir die Emotionen haben. Das ist das Entscheidende“, so die Nagelsmann-Ansage an seine Spieler, der nicht einzelne, wie den unglücklichen Debütanten Collins, hervorheben wollte.
Nationaltrainer Nagelsmann spricht Spieler Tauglichkeit für DFB-Kader ab
Wer jetzt glaubte, dass Nagelsmann fertig war mit seiner Generalabrechnung, der irrte. „Wie man an dem Kader sieht, haben wir die besten Spieler aus Deutschland ausgewählt. (...) Aber vielleicht müssen wir tatsächlich auf weniger Qualität setzen, sondern auf Spieler, die einfach nur alles reinwerfen. Weil das hätte heute zu besserem Ergebnis geführt, als wenn die besten Spieler spielen. Das ist amtlich.“
Erst auf die Nachfrage, ob er nun seinen kompletten Kader umwerfen wolle, bremste sich Nagelsmann etwas in seiner Kritik an seiner Mannschaft. Er habe „schon Vertrauen in die Mannschaft“, allerdings müsse sich die Einstellung radikal ändern. „Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, aber es muss einfach bei jedem Spiel ankommen, dass mit angezogener Handbremse man jedes dritte Duell gewinnt. Das reicht einfach nicht. Auf keinem Niveau reicht das.“ (sch)