Kimmich zu erschreckender DFB-Umfrage: „Schon absurd, so eine Frage zu stellen“
VonStefan Schmid
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Über ein Fünftel der Deutschen hätten gerne mehr weiße Spieler in der DFB-Elf. Eine schockierende Nachricht, die auch die Spieler bewegt.
Herzogenaurach – Das Bild vom blauäugigen und blonden Deutschen ist das Ideal einer Zeit, die das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte markiert. Eine Umfrage zeigt nun aber, dass zumindest nicht-weiße Spieler im DFB-Team für über ein Fünftel der Deutschen nicht wünschenswert sind. Joshua Kimmich bezog gegen ein solches Gedankengut im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft klar Stellung, wundert sich aber auch über die Frage selbst.
Kimmich bezieht Stellung gegen rassistische Einstellungen
Für die WDR-Dokumentation „Einigkeit und Recht und Vielfalt“ wurde eine Umfrage bei Infratest dimap in Auftrag gegeben. Der Aussage „Ich fände es besser, wenn wieder mehr weiße Spieler in der deutschen Nationalmannschaft spielen“ stimmten 21 Prozent der 1304 zufällig ausgewählten Befragten zu. Demgegenüber stehen 65 Prozent, die die Aussage ablehnen. Die restlichen Befragten gaben keine Antwort an.
Obwohl eine Mehrheit die Aussage ablehnt, ist die Zahl derjenigen, die zustimmen, erschreckend hoch. Das sieht auch Nationalspieler Joshua Kimmich so: „Das ist absolut rassistisch und hat keinen Platz bei uns in der Kabine“, sagte der Spieler des FC Bayern auf der Pressekonferenz im EM-Hauptquartier in Herzogenaurach.
Darüber hinaus machte Kimmich deutlich, dass vor allem im Fußball kein Platz für Rassismus sei: „Gerade wer im Fußball aufgewachsen ist, weiß, dass das absoluter Quatsch ist. Gerade der Fußball ist ein Beispiel dafür, wie man verschiedene Nationen, verschiedene Hautfarben, verschiedene Religionen vereinen kann. Darum geht es auch bei uns in der Mannschaft. Ich würde sehr, sehr viele Spieler sehr vermissen, wenn sie nicht hier wären.“
Kimmich kritisiert Umfrage vor der EM – WDR-Sportchef hält dagegen
Doch Kimmich beschränkte sich in seiner Äußerung nicht nur auf die Ergebnisse der Umfrage. Er kritisierte auch die Umfrage selbst. So sei es gerade so kurz vor der Heim-EM „absurd, so eine Frage zu stellen, wo es eigentlich darum geht, das ganze Land zu vereinen. Es geht jetzt nur darum, gemeinsam Großes zu erreichen. Wir als Mannschaft versuchen, alle Menschen in Deutschland hinter uns zu bringen.“
Warum eine solche Fragestellung beziehungsweise die Umfrage selbst nötig gewesen ist, erklärte WDR-Sportchef Karl Valks: „Unser Reporter Philipp Awounou wurde in Interviews bei den Dreharbeiten zu der Dokumentation „Einigkeit und Recht und Vielfalt“ mit der Aussage konfrontiert, dass zu wenige „echte“, hellhäutige Deutsche auf dem Fußballplatz stehen. Das wollten wir bewusst nicht anekdotisch wiedergeben, sondern auf fundierte Daten stützen.“ Valks fügte außerdem an, dass man selbst über die Ergebnisse bestürzt sei, diese aber „auch Ausdruck der gesellschaftlichen Lage im heutigen Deutschland“ seien.
Weitere Aussagen in der Umfrage waren „Ich finde es gut, dass in der deutschen Mannschaft mittlerweile viele Fußballer spielen, die einen Migrationshintergrund haben“ (66 Prozent Zustimmung) und „Ich finde es schade, dass der derzeitige Kapitän (Anm.: Ilkay Gündogan) der deutschen Nationalmannschaft türkische Wurzeln hat“ (17 Prozent Zustimmung).(sch/dpa)