VonFrank Hellmannschließen
Das Mainzer Toptalent Nelson Weiper soll noch durchstarten bei seinem Heimatverein. Der Anfang ist mit dem Sieg gegen den VfB Stuttgart gemacht.
Es prägt das familiäre Ambiente beim FSV Mainz 05, dass sich Anhänger und Vorstand nach einem Bundesligaspiel in der Fankneipe „Hasekaste“ an der Arena treffen. In guten wie in schlechten Zeiten: Christian Heidel ist immer dabei. Der Macher steht gerne am Kücheneingang, wo das Schlückchen Sekt am Samstagabend besonders gut geschmeckt hat. Der selbst ernannte Karnevalsverein lässt auch im neuen Jahr die Korken knallen.
Ein Heimsieg gegen den VfB Stuttgart (2:0) hat die Rheinhessen wieder in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen gebracht, auf die fröhliche Mainzer nun bei Werder Bremen (Freitag, 20.30 Uhr) mindestens für eine Nacht springen könnten. Ob Heidel dann wieder so an die Decke geht wie beim 1:0 von Nelson Weiper (29.)?
Jedenfalls reklamierte der fidele 61-Jährige für sich, den Führungstreffer des 19-Jährigen mit dem höchsten Luftsprung aller Tribünengäste gefeiert zu haben. Da versteht sich einer zumindest ein bisschen als väterlicher Förderer. Heidel wie Weiper sind in Mainz geboren und aufgewachsen, „der lebt und stirbt für Mainz 05“, bemerkte der für Sport und Kommunikation zuständige Vorstand mit einem Augenzwinkern.
Wer Heidel über ein Eigengewächs reden hörte, das im 23. Bundesligaeinsatz sein drittes Tor erzielte und per Option vertraglich bis 2026 gebunden werden kann, erfuhr einiges über die Schwierigkeiten der im Jugendbereich gehypten Überflieger beim Übergang ins knallharte Profigeschäft. Bei Weiper, groß, schnell, beidfüßig, ging es früh nur steil nach oben.
Parallele zu Moukoko
2022 bekam er vom DFB die Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester U17-Akteur überreicht – wie vor ihm Florian Wirtz (2020) und Youssoufa Moukoko (2021). Letzterer gilt als Beispiel, dass solche Karrieren stocken können. Und so wie Moukoko nach Nizza verliehen wurde, stand für Weiper jetzt eine Leihe im Raum. Doch dieser Youngster soll sich in Mainz behaupten, wie Sportdirektor Niko Bungert versprach: „Wir werden nicht schnell jemand einkaufen und unseren jungen Spielern den Weg zerstören.“ Die Talente müssen nur durch die Tür durchgehen.
Doch eine komplizierte Knieverletzung, mangelnde Spielpraxis und zeitweise fehlende Körperspannung bildeten eine unheilvolle Allianz. Frühestens nach einer Stunde kam der 1,92-Meter-Mann zuvor aufs Feld. Dass er nun erstmals in der Anfangself stand, hatte mit der Verletzung von Jonathan Burkardt und der schwachen Leistung von Armindo Sieb bei Union (1:2) zu tun. Ergo unterrichtete Trainer Bo Henriksen am Freitag den seit dem siebten Lebensjahr für die Nullfünfer kickenden Weiper davon, ihm zu vertrauen – und forderte dazu jene „Energie und Power“ ein, die nun mal Wesenskern ist.
Die Nummer 44 tat wie ihm befohlen: Er vergab die erste Chance und nutzte die zweite; er scheute keinen Zweikampf und lief sich die Füße wund, bis er nach 74 Minuten von Krämpfen geplagt runter musste. Auf den Rängen applaudierte Vater Klaus. „Alle aus meinem Umfeld wussten schon vor dem Spiel, dass heute etwas geht“, erzählte Weiper abgekämpft, aber überglücklich. „Ich habe keinen Druck, nur Vorfreude gespürt.“ Mit einer Luftveränderung soll ihm niemand kommen: „Das ist mein Verein: Ich liebe es, hier zu spielen.“
