Chefcoach tritt Dienst an

Neubeginn unter Niko Kovač beim BVB: „Jetzt marschieren wir los“

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Niko Kovač übernimmt die Kontrolle bei Borussia Dortmund. Er stößt auf viel Skepsis. Wird er in der Lage sein, die Mannschaft zu festigen?

Dortmund – Am Sonntag begann bei Borussia Dortmund die Amtszeit von Cheftrainer Niko Kovač. Ob es tatsächlich eine Ära wird, bleibt abzuwarten. Der Kroate sieht sich bei seinem Dienstantritt in Dortmund mit viel Skepsis konfrontiert.

In der Vergangenheit verlor Kovač beim FC Bayern und VfL Wolfsburg den Rückhalt in der Mannschaft, während er bei Eintracht Frankfurt mit einem Underdog-Ansatz erfolgreich war – einem Stil, der in Dortmund schon mittelfristig nicht akzeptiert werden dürfte. Trotzdem hat die Vereinsführung dem 53-Jährigen einen Vertrag über anderthalb Jahre gegeben. Für eine Rolle als ‚Notnagel‘ wäre Kovač nicht bereit gewesen.

BVB-Direktor Kehl: „Es gibt keine Maßgabe an Niko Kovač“

Die niedrigen Erwartungen an den neuen Trainer könnten sich als Vorteil erweisen. Für die schärfsten Kritiker von Kovač wäre es bereits ein Erfolg, wenn er es schafft, sich nicht schnell mit einem der Stars des BVB zu überwerfen. Die Vereinsführung verbindet die Erwartungen an den Trainer vor allem mit Anforderungen an die Mannschaft, die zuvor unter Nuri Şahin das mutige Experiment der Klubführung hatte scheitern lassen.

„Es gibt keine Maßgabe an Niko Kovač, die Maßgabe für uns alle ist, dass wir unsere Ziele erreichen“, erklärte Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem Auswärtssieg des BVB beim 1. FC Heidenheim dem TV-Sender Sky. „Wir sind nah dran, es ist alles eng zusammen, wir haben nächste Woche ein wichtiges Spiel gegen den VfB Stuttgart. Wenn wir weiter Siege einfahren, können wir unsere Ziele in dieser Saison noch erreichen.“

Niko Kovač nennt den Signal Iduna Park von Borussia Dortmund nun seinen Arbeitsplatz.

Ein Erfolg im Debüt von Kovač würde den BVB nach Punkten mit den Schwaben gleichziehen lassen oder sie sogar überholen. Der Anschluss an die Champions-League-Plätze wäre wiederhergestellt, das Minimalziel, Platz vier, käme in Reichweite. Siege sind jedoch in Dortmund derzeit keine Selbstverständlichkeit. „Wir müssen uns die Dinge hart erarbeiten. Das war ein wichtiger Schritt, aber mehr noch nicht“, betonte Kehl nach dem hart erkämpften Dreier in Heidenheim.

Die Art von Niko Kovač soll dem BVB „im Moment sehr guttun“

Kovač wird die Probleme des BVB nicht durch bloßes Handauflegen lösen können. Er soll jedoch seine Stärken einbringen, um mehr Stabilität zu schaffen. Kehl sagte: „Er bringt eine Menge Erfahrung mit, einen klaren Blick auf die Dinge, den positiven Geist, den wir brauchen. Trotzdem auch eine eigene Art in der Führung der Mannschaft, das hat er bei vielen Vereinen unter Beweis gestellt. Er steht für eine klare Linie, ich glaube, das tut uns im Moment sehr gut.“

Auch im skeptischen Umfeld des BVB gibt es Stimmen, die glauben, dass der autoritärere Führungsstil des ehemaligen Bayern-Trainers positive Auswirkungen haben könnte. Es wird der Vorwurf laut, dass der Mannschaft in den letzten Jahren zu wenige Grenzen gesetzt wurden und die Spieler die Unerfahrenheit ihrer Trainer Şahin und zuvor Edin Terzić ausgenutzt hätten.

Gleich drei Neuzugänge für Niko Kovač beim BVB im Gespräch

Kovač ist sicherlich kein Trainer, der sich von seinen Profis sonderlich viel gefallen lassen würde. In Dortmund könnte künftig ein strengerer Ton herrschen, was zu mehr Reibung führen könnte. Die erzeugt bekanntlich Wärme. „Wir sind von dieser Konstellation überzeugt und haben das Vertrauen in ihn. Er ist hoch motiviert, das spürt man, er hat klare Ideen. Jetzt marschieren wir los, in der Hoffnung, dass wir so schnell wie möglich in die Spur kommen, in der Spur bleiben“, betonte Kehl.

Der Sportdirektor steht dabei vor intensiven Arbeitstagen, da die Transferperiode in der Bundesliga am Montagabend endet. Laut übereinstimmenden Medienberichten hat der BVB gleich drei Transfers im Visier: Rayan Cherki von Olympique Lyon, Carney Chukwuemeka vom FC Chelsea und Daniel Svensson vom FC Nordsjaelland könnten oder sollten kommen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO

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