VonDaniel Michelschließen
Vincent Kompany wiederholt seine Fehler bei der Klub-WM. Der Trainer des FC Bayern muss sich nun weiter entwickeln.
München – Nach dem Ausscheiden in der Champions League gegen Inter Mailand moderierte Trainer Vincent Kompany in seinem üblichen Mix aus guter Laune und Zuversicht das unangenehme Malheur schnell ab. Der FC Bayern wolle bald die deutsche Meisterschaft gewinnen, dann die Klub-WM, ja und dann, dann komme ja schon wieder die Champions League, die man dann wiederum gewinnen wolle.
Worte von Kompany kamen bei den Stars des FC Bayern gut an
Super Worte, die vor allem bei den Stars des FC Bayern gut ankamen, vermutlich auch, weil die Berichterstatter und Vereinsverantwortlichen danach erstaunlich ruhig blieben. Keiner sprach mehr groß über den Schlafmützen-Moment von Joshua Kimmich, die vergebene Großchance von Harry Kane oder das tölpelhafte Verhalten von Sacha Boey im Hinspiel gegen Inter.
Auch die Fehler des Trainers nahmen keinen großen Raum ein. Kompany ließ die Saison über seine Stars nahezu durchspielen, mit hohem Tempo und vielen Kilometern, so waren viele Stars vermutlich auch deshalb ab April entweder platt oder verletzt.
Von Jugendförderung gab es keine Spur – und die kapitalen Böcke bei der Aufstellung im Hinspiel gegen Inter, Raphael Guerreiro für Thomas Müller in der Startelf zu bringen und Boey als Einwechselspieler Vertrauen zu schenken, waren in der Diskussion auch obsolet.
Kompany trainierte zuvor Anderlecht und Burnley
Ähnlich wie bei seinen Spielern ist aber von Kompany eine Weiterentwicklung zu erwarten. Der Belgier ist ein junger, relativ unerfahrener Trainer. In seiner Biografie stehen nur Anderlecht und Burnley als Stationen. Kompany muss die Bereitschaft zeigen, schnell zu lernen.
Das Erschreckende nun bei der Klub-WM aber: Kompany machte beim Turnier quasi genau dieselben Fehler wie während der Saison.
Schon wieder ein Fauxpas mit Thomas Müller
Er ließ die jungen Spieler in der Gruppenphase kaum zum Einsatz kommen.
Er setzte erneut auf die Physis seiner Mannschaft.
Er ließ sich wieder ein relativ einfaches Spiel aus der Hand nehmen. Das 0:1 gegen Benfica in der Gruppenphase bedeutete nämlich, dass der FC Bayern in der K.o.-Phase in der formal schwereren Turnierbaumhälfte antreten musste.
Und beim Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain durfte erneut nicht Routinier Thomas Müller starten, sondern ein nicht fit wirkender und übermotivierter Jamal Musiala. Die Folge ist bekannt.
Der FC Bayern sieht sich in den Top Vier
Mit sehr klugem Verhalten in der Öffentlichkeit und einer guten Menschenkenntnis im Umgang mit den Stars des FC Bayern hat Vincent Kompany bislang einige typische Mechanismen des FC Bayern ausgehebelt. Das verdient Anerkennung.
Doch der FC Bayern sieht sich in der Klubrangliste in den Top Vier. Kompany muss sich also schleunigst etwas einfallen lassen, um nicht zum „Mister Viertelfinale“ und zum Problem des FC Bayern zu werden.
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