U21-Europameisterschaft

Nick Woltemade zwischen A-Team und U21-EM: Die Wahrheit hat kurze Beine

+
Chancentod gegen Frankreich: Nick Woltemade.
  • schließen

Der hängende Mittelstürmer Nick Woltemade will mit der deutschen U21 bei der Europameisterschaft den Titel angreifen, bei Julian Nagelsmann hat der Lulatsch sich schon nachhaltig in Erinnerung gebracht.

Kaum war Nick Woltemade in Modra, der slowakischen „Perle der Kleinen Karpaten“, angekommen, musste der lange Lulatsch schon den Job als Klassensprecher übernehmen. Am Donnerstag (21 Uhr/Sat.1) startet die deutsche U21-Nationalmannschaft mit vielen Erwartungen gegen Slowenien in die Europameisterschaft. Der fast zwei Meter große Mittelstürmer ragt nicht nur seiner Körpergröße wegen heraus. Er ist auch der Einzige im Team, der just zweimal der Startelf der A-Nationalmannschaft angehörte.

In der Nations League gegen Portugal und Spanien gehörte der 23-Jährige zwar zu den Verlierern, durfte sich aber doch als Gewinner fühlen. Zwar rügte Bundestrainer Julian Nagelsmann sanft die mangelnde Chancenverwertung, ließ aber auch durchblicken, dass sich Woltemade ein Rückkehrrecht für die ab September beginnenden Spiele der WM-Qualifikation erarbeitet hat.

Er habe sich im Kreis der Besten „superwohl gefühlt“, berichtet der gebürtige Bremer, der sich erst über den Umweg Elversberg in der dritten Liga und viele Frustmonate auf der Ersatzbank von Werder Bremen im Profifußball etablierte. Beim VfB Stuttgart, wo er seinen Marktwert laut Portal transfermarkt.de binnen eines Jahres von vier auf 30 Millionen Euro vervielfachte, gehörte er nach einer schwachen Sommervorbereitung in der Hinrunde noch nicht einmal dem Champions-League-Kader an.

Inzwischen ist Woltemade eine der heißesten Aktien in Europa geworden, in der Slowakei steht er im Schaufenster, Späher aus England und Spanien sollen bereits den Blick auf ihn geschärft haben, weshalb er auch ein wenig ausweichend reagiert, wenn er auf seine Zukunft angesprochen wird. Die dürfte aber zumindest noch eine weitere Saison im Schwabenland liegen, beim ausgewiesenen Lieblingsklub seines Vaters und seines Opas.

Dass es für ihn ein mörderischer Sommer wird mit der Doppelbelastung A-Team/U21 wird, lacht er weg: „Ich bin sehr groß, deshalb ist meine Energie auch sehr groß.“ Der Bursche ist ein lustiger, geselliger Typ. Das sagen alle, die ihn kennen. Aber im A-Team hat er sich erst einmal „hinten angestellt“, ganz, wie es sich für einen Neuling gehört. In der U21 dagegen „da hab‘ ich ein bisschen mehr zu sagen als bei der A-Nationalmannschaft. Da bin ich Führungsspieler.“ Er beabsichtige, diese Rolle mit „Lockerheit, Spaß und dem richtigen Fokus“ auszufüllen: „Ich habe richtig Bock drauf.“

Super Statistik

Auf dem Platz, auf dem der deutsche Elitenachwuchs in der Vorrunde auch auf Tschechien und England trifft, erfüllt die in seiner Zeit bei Werder Bremen noch als „Stolpermade“ verhöhnte hängende Spitze den Job als sogenannter „Magnet“, wie es selbst beschreibt. Er ist der Zielspieler, der flach oder hoch mit dem Rücken zum gegnerischen Tor die Bälle festzumachen hat. Und der dann geschwind auch in die Drehung und ins Dribbling kommen soll.

Das kann der Offensivmann vom VfB Stuttgart beides gut, was auch daran liegt, dass sein Körperschwerpunkt im Verhältnis zur Größe erstaunlich tief liegt. Die Wahrheit hat also relativ kurze Beine, und die Wahrheit ist: Nick Woltemade ist das größte Mittelstürmertalent, das der deutsche Fußball seit dem Rücktritt von Miro Klose herausgebracht hat. Mit den Füßen kann er alles, nur mit dem Kopf hapert es bisweilen noch. Da müsste er mit seinen 1,98 Metern eigentlich viel gefährlicher sein.

Kürzlich wurde ihm allerdings eine Statistik vorgelegt, die ihm gefallen hat. „Ich bin in der Box der Spieler mit den meisten Touches in allen Top-Fünf-Ligen.“ Er habe unter Sebastian Hoeneß fleißig daran gearbeitet, „dass ich in Situationen komme, um Tore zu schießen.“ Dafür sei er seinem Klubtrainer sehr dankbar.

Dankbar ist die schwimmende Neun auch Antonio di Salvo. Der U21-Coach habe immer zu ihm gehalten, „auch als ich bei Werder gar nicht gespielt und beim VfB nur wenige Minuten bekommen habe.“ Dieses Vertrauen will er jetzt mit Toren und Vorlagen zurückzahlen. Von sich und seinen Kumpels in der U21 erwartet er bei der EM viel: „Wir haben eine geile Truppe und wollen angreifen.“

U21-EM

Die deutsche Auswahl zählt zu den Mitfavoriten. Seit dem Vorrunden-Aus bei der EM 2023 und der Niederlage gegen England ist das deutsche Team in offiziellen Länderspielen ungeschlagen. Vor der enttäuschenden vergangenen Europameisterschaft stand Deutschland dreimal nacheinander im Finale und feierte 2017 und 2021 als Europameister.

Titelverteidiger England, Spanien, Frankreich und Deutschland sind Favoriten. Das Endspiel findet am 28. Juni in Bratislava statt.

Die Spiele des DFB-Teams werden von Sat.1 übertragen.

Kommentare