Eintracht-Abschlusszeugnis

Niels Nkounkou: Links überholt

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Abschied aus Frankfurt naht: Niels Nkounkou.
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Sitzenbleiber: Niels Nkounkou. Wie der Außenbahnspieler bei Eintracht Frankfurt mehr und mehr aufs Abstellgleis geriet

Dass ihm bei Eintracht Frankfurt eine schwierige Saison bevorstünde, konnte Niels Nkounkou (24) im Sommer 2024 nicht erahnen. Zwar hatten die Frankfurter mit dem talentierten, aber unerfahrenen Nathaniel Brown einen jungen Herausforderer für die Position auf der linken Seite geholt, dafür aber mit Philipp Max zu Panathinaikos Athen einen potentiellen Konkurrenten abgegeben. An der Ausgangslage schien sich also nicht so viel zu ändern. Doch dann braute sich für Nkounkou an anderer Stelle ein sportliches Gewitter zusammen.

Die Eintracht hatte sich wochenlang um den griechischen Innenverteidiger Konstantinos Koulierakis bemüht. Doch der entschied sich kurz vor Saisonstart für einen Wechsel zum VfL Wolfsburg, warum auch immer. Für mehr Geld, oder weil er schlecht beraten war.

Was das mit Nkounkou zu tun hat? Ganz viel, denn anstelle von Koulierakis zog der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche mit Arthur Theate ein echtes Ass aus dem Ärmel. Jenen Theate, der vom ersten Tag an Stammspieler und ein Gesicht der „neuen“ Eintracht wurde. Im Gegensatz zu griechischen Nationalspieler konnte der belgische Nationalspieler aber nicht nur innen verteidigen, sondern auch außen, und war damit direkter Konkurrent für Nkounkou.

Qualität unbestritten

Nkounkou, den die Eintracht 2023 für fast sieben Millionen Euro aus St. Etienne geholt hatte, war in seiner ersten Saison Stammspieler gewesen, auf 29 Einsätze gekommen. Auch zur neuen Saison deutete nicht viel daraufhin, dass er diesen Platz verlieren könnte. Die linke Seite sollte sein Revier bleiben. Brown wurde nach einem für ihn und die Mannschaft unglücklichen Freundschaftsspiel in Valencia nicht einmal für die Europa League gemeldet, Max war weg. Freie Bahn also für Nkounkou? Mitnichten.

Denn da war ja noch Theate. Spätestens nachdem sich Trainer Dino Toppmöller für eine Viererabwehrkette entschieden hatte, mit Koch und Tuta in der Zentrale, Kristensen und Theate auf den Außenbahnen, war Nkounkous Stammplatz weg. Was natürlich nicht nur an taktischen Vorgaben lag, sondern durchaus etwas mit Leistung zu tun hatte. Während Theate die Zuverlässigkeit in Person war und bis zum Ende blieb, konnte Nkounkou auch in seinem zweiten Jahr seine Unstetigkeit nicht ablegen.

Und so wurden die Einsätze von Niels Nkounkou nach und nach weniger und kürzer. In der abgelaufenen Saison ist er gerade auf zwölf Spiele in der Liga gekommen, davon nur noch vier von Beginn an. Im neuen Jahr waren es nur noch fünf Einsätze insgesamt, immer nur für ein paar wenige Minuten. Da hatte nach Theate dann längst auch Nathaniel Brown dem Franzosen den Rang abgelaufen.

Aus dem Stammspieler Nkounkou war innerhalb einer Saison „dritte Wahl“ geworden. Ein erstaunlicher persönlicher Absturz, im Grunde nicht wirklich erklärbar. Denn Nkounkou hat ja seine unbestrittenen Stärken, wie Schnelligkeit und Mut im Offensivspiel, nicht wirklich eingebüßt. Freilich war es ihm in zwei Spielzeiten hintereinander nicht gelungen, seine Talente dauerhaft in gute Leistungen umzusetzen.

Die großen Hoffnungen, die er nach seinem Wechsel 2023 geweckt hatte, konnte er immer seltener erfüllen. Zu Beginn seiner Frankfurter Zeit war er als Nachfolger von Filip Kostic für den linken Flügel umjubelt worden, was schon damals trotz eines Treffers in seinem allerersten Spiel gegen den 1. FC Köln, ziemlich vermessen war. Kostic und Nkounkou, das waren verschiedene Fußballwelten. Und doch hatte man sich am Ende auf beiden Seiten sicher mehr erwartet.

Der Vertrag bei der Eintracht läuft noch bis 2028, es wäre also noch Zeit, Trainer und Klub eines Besseren zu belehren, von den eigenen Qualitäten zu überzeugen. Doch diese Zeit wir die Eintracht Nkounkou nicht geben, und er wird sie auch nicht haben wollen. Die Trennung in diesem Sommer ist wahrscheinlich, entsprechende Signale hat der Klub dem Spieler und seinen Beratern schon vor längerer Zeit gesendet.

FR-Zeugnis

Eintracht Frankfurt hat tatsächlich mit Platz drei den Sprung in die Champions League geschafft und eine Saison so herausragend gespielt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nur in der Europa League ließen die Hessen ein paar Federn, das Aus gegen Tottenham Hotspur war unnötig und schmerzte dementsprechend. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 1- für den Bundesligisten. Ist aber auch nicht schlecht.

Das große Klassenbuch gibt’s, wie im letzten Jahr, in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – von vielen Musterschülern bis hin zu wenigen Sitzenbleibern.

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