Eintracht-Abschlusszeugnis

Eric Dina Ebimbe vor dem Absprung bei Eintracht Frankfurt

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Ebimbe im Eintracht-Trikot: ein Bild vergangener Tage.
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Sitzenbleiber: Eric Dina Ebimbe. Der in Ungnade gefallene Allrounder wird seinen Spind im Stadtwald räumen. Zwei Klubs sollen Interesse zeigen.

Nicht selten werden sportliche Urteile zu schnell gefällt oder zu absolut dargestellt. „Verlierer der Saison“ oder „Absteiger der Saison“ können sich im schnelllebigen Profigeschäft durchaus schon bald wieder in anderen Kategorien wiederfinden.

Bei Eric Dina Ebimbe ist das anders. Der ganz persönliche Absturz des 24 Jahre alten französischen Mittelfeldspielers in der abgelaufenen Saison wird von allen Statistiken bestätigt und auch von den Einschätzungen innerhalb des Klubs gedeckt. Ebimbe, vor drei Jahren aus Paris nach Frankfurt gekommen, hat in diesem Spieljahr keine Rolle mehr gespielt. Und dies im Sinne des Wortes.

Erst hat er seinen Stammplatz verloren. Dann hat er seinen Kaderplatz verloren. Schließlich hat er sogar den Platz beim Training verloren. In diesem Jahr hatte er seinen ersten und einzigen Einsatz in der Liga am 9. März beim 1:1 der Eintracht bei Union Berlin, für genau elf Minuten. In diesen wenigen Minuten ist seine kurze Karriere bei der Eintracht zu Ende gegangen.

Danach hat er nie mehr gespielt. Manchmal aus Verletzungsgründen, doch in aller Regel hatte Trainer Dino Toppmöller ihn aus Leistungsgründen nicht mehr berücksichtigt. Was auf den ersten Blick wie eine einfache und unkomplizierte sportliche Einschätzung aussieht, kommt dennoch einigermaßen erstaunlich daher und wirft durchaus Fragen auf. Denn das Talent von Ebimbe ist unbestritten, im Grunde gibt es niemanden bei der Eintracht, der ihm nicht Größeres zugetraut hätte und womöglich noch zutraut.

Er lässt sich hängen

Ebimbe hat viel, was einen erfolgreichen Profifußballer ausmacht, er ist schnell, technisch beschlagen, in Zweikämpfen durchsetzungsfähig, und er kann auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Bei der Eintracht war dies im Mittelfeld, aber ab und an auch mal auf den Außenpositionen. Und dann auf einmal gar nicht mehr.

29 Spiele in drei Wettbewerben in seiner ersten Saison, gar 44 in seiner zweiten, wiesen ihn als Stammkraft aus. Sein wichtigstes Tor war jenes am 27. Mai 2023, als er die Eintracht am letzten Spieltag in der letzten Minute mit dem Treffer zum 2:1 gegen Freiburg in die Conference League schoss. Auch sein Treffer in Gladbach ein Jahr später stellte den Europapokaleinzug sicher. Was also ist in dieser Saison passiert?

Ebimbe hat es schlicht an professioneller Einstellung gefehlt, an der Fähigkeit und dem Willen, sich einzuordnen, auch mal unterzuordnen. Bis zum zehnten Spieltag im vergangenen Spätherbst hatte er immer dem Kader angehört, danach immer seltener. Disziplinarische Maßnahmen hatte es gegeben, bei Ebimbe soll es mit Pünktlichkeit und Integrationswillen nicht weit her gewesen sein, zudem neigt er zu gewissen Eskapaden. Auch die spielerische Disziplin auf dem Platz ließ zu wünschen übrig.

Zwei Klubs interessiert

Als im Winter ein Vereinswechsel zur AS Monaco und dem ehemaligen Eintracht-Trainer Adi Hütter in letzter Minute platzte, weil Ebimbe wegen einer an sich harmlosen muskulären Verletzung durch den Medizincheck gefallen war, ging es immer steiler bergab. In Frankfurt versprach Trainer Toppmöller dem Spieler, „dass er wieder voll dazugehört, wenn er Leistung bringt.“ Doch dazu kam es nicht mehr.

Ebimbe fehlte es schlicht an Willen, sich bei der Eintracht wieder heranzukämpfen. Er ließ sich hängen auf dem Trainingsplatz, mit seinem Verhalten wohl auch in der Kabine. Und irgendwann war Schluss, die Geduld am Ende. Toppmöller hatte ihm das Vertrauen entzogen. In den letzten Wochen der Saison hat Ebimbe nicht einmal mehr mit der Mannschaft trainiert, sondern unter Aufsicht nur für sich selbst.

Der Vertrag von Eric Dina Ebimbe bei der Eintracht läuft noch bis 2027. Es liegt also sportliches und finanzielles Potenzial brach. Die Eintracht will Ebimbe verkaufen, der Spieler will weg, so schnell wie möglich. Das Verhältnis ist zerrüttet.

Einst haben die Frankfurter inklusive einer zunächst erfolgten Leihgebühr mehr als 6,5 Millionen Euro an Paris St. Germain für ihn gezahlt, für eine ähnliche Summe soll Ebimbe nun einen neuen Arbeitgeber finden. OGC Nizza und der FC Sevilla haben aktuell Interesse. Es wäre das Ende eines Missverständnisses.

Eintracht Frankfurt hat tatsächlich mit Platz drei den Sprung in die Champions League geschafft und eine Saison so herausragend gespielt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nur in der Europa League ließen die Hessen ein paar Federn, das Aus gegen Tottenham Hotspur war unnötig und schmerzte dementsprechend. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 1- für den Bundesligisten. Ist aber auch nicht schlecht.

Das große Klassenbuch gibt’s, wie im letzten Jahr, in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – von vielen Musterschülern bis hin zu wenigen Sitzenbleibern.

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