Eintracht Frankfurt

Fast alle im Flutlicht, nur Arthur Theate noch nicht

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Ab sofort trägt er die Farben der Eintracht: Arthur Theate von Stade Rennes soll die Abwehr stabilisieren.
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Eintracht Frankfurt muss in Braunschweig eine hohe Hürde überspringen - der neueste Neue wird noch fehlen

Die Nachricht, die die Eintracht am Sonntagvormittag verkündete, war nun keine brandheiße mehr, vielmehr pfiffen sie die Spatzen bereits von den Dächern Frankfurts; nämlich die, dass der belgische Nationalspieler Arthur Theate an den Main wechselt. Der 24 Jahre alte Innenverteidiger von Stade Rennes wird zunächst bis zum Ende der Saison ausgeliehen, anschließend besitzt die Eintracht ein offiziell als Option beschriebenes Kaufrecht, das bei einer Fixsumme von 12,5 Millionen Euro liegen soll, aber eher eine Kaufverpflichtung ist – ähnlich wie bei dem Deal von Hugo Ekitiké.

Die Verpflichtung des Linksfußes gilt sehr wohl als Coup, eigentlich sah es nicht so aus, als „würde diese Tür aufgehen“, wie Cheftrainer Dino Toppmöller nur Minuten nach der offiziellen Transferbekanntgabe stolz verkündete. Er verfolge Theate, dreifacher EM-Spieler Belgiens beim jüngsten Kontinentalturnier in Deutschland, schon seit geraumer Zeit und ist ernsthaft beeindruckt von den Fähigkeiten und dem Charakter des Verteidigers. „Er übernimmt Führung, er wird uns in Sachen Mentalität und Leadership guttun“, sagte der Coach vor dem Pflichtspielauftakt bei Eintracht Braunschweig am Montag (20.45 Uhr/ ARD, Sky). In der heißen DFB-Pokal-Partie unter Flutlicht wird der Abwehrmann freilich noch fehlen.

Generell fällt es gar nicht so schwer ins Gewicht, dass sich der schon fast final ausgehandelte Deal mit Konstantinos Koulierakis von Paok Saloniki zerschlug und sich der Spieler in letzter Minute doch noch für ein lukrativeres Angebot des VfL Wolfsburg entschied. Der Grieche wäre zwar günstiger gewesen als Theate, doch der Belgier gilt als der deutlich stärkere Spieler. An Spekulationen um die ebenfalls gehandelten Koki Machida (Union Saint-Gilloise) und Jordan Torunarigha (KAA Gent) war nie etwas dran, sie entsprangen einer oft gar nicht so sozialen Netzwerkblase.

Die Eintracht-Verantwortlichen sind zufrieden mit der jüngsten Verpflichtung, die direkt in die Fußstapfen von Willian Pacho treten soll. Der Ecuadorianer ist erst vor wenigen Tagen für fast 45 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain gewechselt und stand für PSG im ersten Ligaspiel (4:1 bei Le Havre, ein Elfmetertor des Ex-Eintracht-Stürmers Randal Kolo Muani) direkt in der Startelf. So läuft das mittlerweile: Heute hier, morgen da. Und die Kohle hält den Ball (oder die Akteure) im Spiel.

Und wenn dann mal, wie jetzt in Frankreich, die Medienerlöse drastisch sinken, sind viele Vereine zum Verkaufen ihrer Leistungsträger angehalten. Siehe Arthur Theate. Sonst hätte die Eintracht einen Spieler dieses Formats zu diesen Konditionen niemals bekommen. Das bestätigt Sportvorstand Markus Krösche indirekt. „In der vergangenen Saison war es wirtschaftlich nicht möglich, diesen Transfer zu stemmen.“ Da war die aufgerufene Summer schlicht zu hoch, Rennes nicht auf Erlöse angewiesen. Krösche ist von dem Spieler auch sportlich „aufgrund seiner technischen Fertigkeiten und seiner Spielintelligenz“ überzeugt. Und betont, dass Theate optional auch als linker Verteidiger eingesetzt werden könne. Wie bei Belgiens Nationalelf bei der EM.

Auch der Spieler äußert sich, wie nicht anders zu erwarten, begeistert: „Es ist inspirierend, was der Verein in den vergangenen Jahren erreicht und auf welche Weise er Erfolge gefeiert hat. Das ist genau, was ich möchte: Leistung bringen, Titel gewinnen. Die Fans, das Stadion, die Perspektive – das alles passt perfekt zusammen.“ Was zu beweisen wäre.

Ohne den Neuen wird die Eintracht also am Montag versuchen müssen, die hohe Hürde Eintracht Braunschweig zu überspringen. Das wird nicht leicht, der Zweitligaletzte hat nach dem Fehlstart in der Liga nichts zu verlieren, hofft auf eine Initialzündung für den Alltag. Trainer Toppmöller weiß um die Schwere der Aufgabe: „Das ist ein geiles Spiel unter Flutlicht, dort wird Fußball gelebt, wir haben alle Bock darauf.“ Der Pokal sei „etwas ganz Spezielles“.

Seine Mannschaft werde mit einer guten Energie in die Begegnung starten, auch wenn gerade die Generalprobe gegen Valencia ruckelig verlief. „Wir wollen mit Power ins Spiel reingehen, dann wird sich unsere Qualität durchsetzen“, sagt er. Alle seien froh, dass die Vorbereitung vorüber sei. „Wir wollen den Wettkampf und fühlen uns gut gerüstet.“

Klar ist, dass in der Abwehr Niels Nkounkou den Vorzug vor Nathaniel Brown erhalten wird. Nkounkou habe sich defensiv verbessert. „Er feiert sich für Grätschen.“ Ein gutes Signal. Und in der Innenverteidigung wird neben Robin Koch, der auf dem Platz für Kapitän und Torwart Kevin Trapp der Ansprechpartner des Schiedsrichters sein wird, entweder der erfahrene Tuta oder Nachwuchsmann Nnamdi Collins den Part übernehmen. Der bisher wenig überzeugende Aurele Amenda sei nach seiner Verletzung nicht so weit, „das braucht ein bisschen“, sagt Toppmöller, der aber von den Qualitäten des „guten Jungen“ überzeugt ist.

Genauso wie von Stürmer Hugo Ekitiké, den der Coach zuletzt öffentlich kritisierte, aber nur um ihn ein bisschen aus der Komfortzone zu holen. „Er ist ein kleiner Schlawiner“, sagt Toppmöller über die manchmal etwas laxe Einstellung des Franzosen: „Es macht mich wahnsinnig, wenn Riesentalente ihre PS nicht auf die Straße bringen.“ Aber: Klar weiß der Coach, dass Ekitiké Fähigkeiten wie wenige andere mitbringt: „Er hat herausragende Qualitäten, und ich habe ihm in einem Gespräch gesagt, dass wir auf ihn bauen und er unsere Tore schießen soll.“ Vielleicht schon am Montagabend im Hexenkessel an der Hamburger Straße.

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