Lange Reha nach Kreuzbandriss: Bayern-Star Davies offenbart mentale Schwierigkeiten
VonIsabella Strehmann
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Bayern-Star Alphonso Davies steht kurz vor seinem Comeback. Nach seiner schweren Verletzung hatte er auch mit mentalen Problemen zu kämpfen.
München – Es ist mehr als ein halbes Jahr her, da wollten die Verantwortlichen des FC Bayern eine Nachricht so gar nicht wahrhaben. Verteidiger Alphonso Davies zog sich auf einer Reise mit dem kanadischen Nationalteam einen Kreuzbandriss zu, der FCB zoffte sich anschließend lange mit dem Verband. Nun ist einige Zeit vergangen – das Comeback steht bevor. Jetzt spricht Davies über den langen, schweren Weg der Reha.
In den klubeigenen Medien lässt er seinen beschwerlichen Weg Revue passieren und verrät: Vor allem mental hatte er ganz schön zu kämpfen. Was fehlt noch zu einer Rückkehr auf den Platz? „Ich muss einfach noch ein bisschen mehr Muskelmasse aufs rechte Bein bekommen. Als die Ärzte mir nach der Verletzung gesagt haben, wie lange es dauern könnte, dachte ich: ,Oh wow, das wird eine lange Reise.’ Aber jetzt sieht alles gut aus.“
Bayern-Star Davies spricht über schwere Reha und mentale Rückschläge
Sein ständiger Partner im Reha-Zentrum ist übrigens Hiroki Ito, der sich gerade nach einem Mittelfußbruch zurückkämpft. Davies bestätigt: Die beiden motivieren sich gegenseitig, sind sich eine große Hilfe und versuchen, stets gute Laune zu versprühen. Seit 200 Tagen schuftet der Kanadier abseits des Mannschaftstrainings, eine für ihn keinesfalls einfache Situation.
Doch der 24-Jährige weiß: „Es bringt nichts, wenn ich mich hängen lasse, jammere oder mich selbst bemitleide.“ Er weiß: Dass es ihn getroffen hat, ist Berufsrisiko. „Solche Verletzungen sind Teil des Sports. Das Einzige, was ich jetzt tun kann, ist, mich zurückzukämpfen. Nicht so schnell, sondern so sicher wie möglich. Damit es hoffentlich nicht wieder passiert.“
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Schweißtreibende Einheiten? Die sind für Davies kein Problem. Viel schwieriger hingegen sei das, was der Kopf leisten müsse. „Der Prozess ist mental schwieriger als körperlich. Die Muskeln werden von selbst zurückkommen. Aber nicht zu wissen, wie lange man raus ist und ob man bestimmte Dinge machen kann - das ist hart.“
Zwar helfen ihm auf seinem Weg zurück auf den Platz viele Weggefährten, eine Sache aber kann nur er selbst leisten. „Manchmal sagt der Körper: ,Ich will nicht mehr.’ Dann musst du mental stark sein. Das ist der einzige Weg, um es zu schaffen. Wenn du es nicht selber machst, wird es niemand anderes für dich tun.“
Mittlerweile ist das Comeback für Davies zum Greifen nah, viel fehlt nicht mehr, um wieder mit den Kollegen trainieren zu dürfen. „Die Zukunft sieht gut aus, der schwerste Teil der Reha ist jetzt vorbei für mich. Ich bin aufgeregt und freue mich darauf, wieder zum Team zu stoßen und den Sport auszuüben, den ich liebe“, ist Davies voller Vorfreude. (is)